Die „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ Tour 2026 machte gleich doppelt Eindruck: Wir sind für euch am 24. März in der Wunderino Arena in Kiel und nur wenige Tage später, am 28. März, in der ÖVB-Arena in Bremen unterwegs gewesen. Zwei Städte, zwei Abende – aber ein gemeinsames Ergebnis: Ausnahmezustand. Bereits in Kiel setzte Mia Morgan als Support den Ton für den Abend – düster, intensiv und mit genau der richtigen Energie, um die Crowd aufzuwärmen.
Ein Muster, das sich auch in Bremen fortsetzte: Auch hier bewies sie erneut, warum sie aktuell zu den spannendsten Live-Acts im Vorprogramm gehört.
In Kiel füllte sich die Arena pünktlich zum Einlass um 18:30 Uhr, bevor um 20:00 Uhr Mia Morgan den Abend eröffnete und die Stimmung direkt auf ein hohes Level brachte. Kurz darauf übernahmen Kraftklub die Bühne und ließen von Beginn an keinen Zweifel daran, dass dieser Abend kein gewöhnlicher Tourstopp wird. Die Mischung aus neuen Songs vom aktuellen Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ und etablierten Fan-Favoriten funktionierte auf Anhieb. Die Show war durchinszeniert, wirkte dabei aber nie künstlich, sondern lebendig und direkt – genau die Balance, die man von Kraftklub kennt.
Ein besonderes Highlight beider Abende: Gemeinsam performten Kraftklub und Mia Morgan ihren Song „Kein Gott, kein Staat, nur du“ – ein Moment, der die Energie der Shows noch einmal auf ein neues Level hob und die Verbindung zwischen Main-Act und Support eindrucksvoll unterstrich.
In Bremen zeigte sich wenige Tage später ein nahezu identisches Bild – und gleichzeitig doch eine eigene Dynamik. Die größere ÖVB-Arena bot noch einmal ein anderes Raumgefühl, doch die Energie blieb auf demselben Level. Vom ersten Song an war klar: Auch hier wird nicht einfach nur ein Konzert gespielt, hier wird kollektiv eskaliert. Die Setlist blieb – wie zu erwarten – nahezu identisch, was bei einer Arena-Tour dieser Größenordnung kaum überrascht. Kleine Variationen gab es lediglich beim Glücksrad-Moment, bei dem ein Fan aus dem Publikum den nächsten Song bestimmt: In Kiel fiel die Wahl auf „Scheiß in die Disco“, während in Bremen „Alles wegen dir“ gespielt wurde.
Besonders spannend war der direkte Vergleich der beiden Abende. In Kiel – unter der Woche – hätte man erwarten können, dass die Crowd etwas zurückhaltender ist. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Songs wie „Marlboro Mann“, „Ich will nicht nach Berlin“ oder „Schüsse in die Luft“ sorgten auch hier für völligen Kontrollverlust im Publikum. In Bremen, am Samstag, wurde diese Energie zwar ebenfalls voll ausgespielt, aber nicht spürbar gesteigert – sie war schlichtweg schon vorher am Limit.
Ein klarer Unterschied zeigte sich jedoch im Sound: Während die Performance in Kiel klanglich auf einem durchgehend hohen Niveau war und die Show auch technisch überzeugte, konnte Bremen hier leider nicht mithalten. Über weite Strecken wirkte der Sound in der ÖVB-Arena unausgewogen und deutlich schwächer, was sich spürbar durch das gesamte Konzert zog. Zwar tat dies der Stimmung im Publikum keinen wirklichen Abbruch – gefeiert wurde dennoch durchgehend auf höchstem Level – im direkten Vergleich hatte Kiel in Sachen Soundqualität jedoch klar die Nase vorn. Ob es an den Einstellungen oder an der Halle selbst lag, lässt sich schwer sagen, der Unterschied war jedoch durchgehend deutlich hörbar.
Was beide Shows verbindet, ist die unglaubliche Konstanz von Kraftklub als Live-Band. Neue Songs fügen sich nahtlos ein, ältere Tracks entfalten eine fast schon nostalgische Wucht, und die Dramaturgie der Show trägt durch den gesamten Abend, ohne dass die Energie auch nur einmal wirklich abfällt. Ob emotionale Momente bei Songs wie „Blaues Licht“ oder kollektives Ausrasten im Encore – die Band versteht es, jede Phase des Konzerts gezielt zu setzen.
Visuell bleibt das Konzept bewusst reduziert: keine überladene Inszenierung, sondern gezielte Elemente, die die Atmosphäre unterstützen, ohne von der eigentlichen Stärke abzulenken – der direkten Verbindung zwischen Band und Publikum. Genau das sorgt dafür, dass selbst große Arenen wie intime Clubs wirken können.
Am Ende steht ein klares Fazit: Es macht keinen Unterschied, ob Kraftklub an einem Dienstag in Kiel oder an einem Samstag in Bremen spielen. Die Energie ist identisch, die Eskalation ebenso. Die Menschen springen, schreien und feiern, als gäbe es kein Morgen – völlig egal, ob am nächsten Tag der Wecker klingelt oder nicht. Genau das ist die Stärke dieser Band: Sie schafft es, für ein paar Stunden alles andere auszublenden und einen Raum zu kreieren, in dem nur eines zählt – der Moment.
Fotos: Kevin Randy Emmers ( Kiel )
Review: Kevin & Sven Mensa ( Kiel / Bremen