Die Metalcore-Größen August Burns Red stehen weiterhin absolut im Rampenlicht. Am 5. Juni 2026 veröffentlichen sie ihr neues Album „Season Of Surrender“ über ihr altes und neues Label Fearless Records. Die Band aus Lancaster, Pennsylvania, die sich bereits im März 2003 während der Highschool-Zeit gründete, gilt längst als eine der prägendsten und technisch versiertesten Konstanten des modernen Metalcore. Mit mehreren Top-10-Platzierungen in den Billboard Top 200, über 600 Millionen Streams und zwei Grammy-Nominierungen hat die Formation längst Legendenstatus erreicht.
Jake Luhrs (Gesang), JB Brubaker (Gitarre), Brent Rambler (Gitarre), Dustin Davidson (Bass) und Matt Grenier (Schlagzeug) muss man der Fangemeinde nicht mehr vorstellen. Seit über zwei Jahrzehnten kreieren sie ihren ganz eigenen, unverkennbaren Stil, der auf hochkomplexen, ungeraden Rhythmen, markanten Breakdowns, progressiven Riffs und dem Verzicht auf klassischen Klargesang basiert. Dennoch verharrt die Band nicht im Stillstand. Mit ihrem zehnten Studioalbum „Season of Surrender“ erschaffen August Burns Red ein Werk, das die brachialen Breakdowns ihrer klassischen Ära mühelos mit spielerischen, instrumentalen Finessen verbindet. Es ist das vielleicht härteste Album, das die Band seit langem geschrieben hat, ohne dabei die klangliche Identität zu verlieren.
Ein Auftakt nach Maß mit brachialer Härte
Der Einstieg in das neue Album von August Burns Red könnte kaum kompromissloser sein. „Legions“ katapultiert die Hörerschaft von null auf hundert. Der Track etabliert sich sofort als wahre Naturgewalt, angetrieben von hämmernden, treibenden Drums und messerscharfen Gitarrenriffs. Sänger Jake Luhrs präsentiert sich hier in absoluter Bestform und wechselt mühelos zwischen tiefen Growls und harten Screams. Zur Mitte des Songs entfaltet das Feature von Mike Hranica (The Devil Wears Prada) eine unglaubliche Dynamik: Seine weltweit gefeierten, messerscharfen Screams verschmelzen perfekt mit dem Soundteppich. Gegen Ende baut die Band eine fast greifbare Spannung auf, die sich in einem brachialen Breakdown entlädt, bei dem das Schlagzeug wie ein Maschinengewehr feuert – ein Moment, der zukünftige Konzertmengen garantiert zum Kochen bringt, bevor der Song langsam ausläuft.
Direkt im Anschluss folgt „The Nameless“, der sich wie ein kontrollierter Sturm anfühlt. Komplexe Gitarrenriffs treffen auf aggressive Rhythmen, während Matt Grenier hinter den Drums pausenlos zwischen Doublebass-Passagen und hektischen Rhythmuswechseln pendelt. Trotz dieser extremen Dichte wirkt das Stück extrem fokussiert. Melodische Leadgitarren fangen die tiefen Screams auf und erzeugen eine düstere, hochemotionale Atmosphäre, die in unter drei Minuten mehr Substanz liefert als andere Genre-Vertreter auf Albumlänge. Textlich liefert die Band hier ein starkes Plädoyer gegen die pure Bequemlichkeit: Es geht darum, eingetrichterte Überzeugungen abzuschütteln, sich den eigenen Schwächen zu stellen und ein freies Leben zu führen.
Hymnen für den Circlepit
Mit „Behemoth“ schlagen August Burns Red eine spürbar düsterere und emotionalere Richtung ein. Die tief gestimmten Riffs und massiven Breakdowns untermalen das lyrische Konzept perfekt, das sich mit inneren Kämpfen, psychischen Belastungen und der Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzt. Der Titel steht symbolisch für ein inneres Monster, wobei der Song trotz aller Verzweiflung und Wut auch einen unbändigen Durchhaltewillen und den Wunsch nach Heilung transportiert. Diese emotionale Tiefe weicht bei „Den Of Thieves“ wieder purer, treibender Energie. Eine sofort ins Ohr gehende Gitarrenmelodie und ein perfekt eingespieltes Instrumental jagen den Puls nach oben. Luhrs reizt sein stimmliches Talent komplett aus, was den Song zu einem absoluten Favoriten für die anstehende Festival-Saison und zukünftige Circlepits macht. Der gewaltige Spannungsaufbau mündet in einem aggressiven Finale aus tiefen Growls und komplexen Riffs.
Musikalische Zuflucht und musikalische Extraklasse
Ein ganz besonderes Highlight des Albums ist „Sonic Salvation“. Unterstützt durch Jamie Hails (Polaris), liefert der Track die gewohnte technische Präzision, bündelt diese jedoch mit einer tiefen Botschaft: Musik als emotionaler Zufluchtsort und therapeutischer Anker in schweren Lebensphasen. Der Wechsel aus aggressiven Passagen und atmosphärisch-melodischen Momenten sorgt für Gänsehaut und macht das Stück überraschend nahbar. Nicht weniger spannend präsentiert sich „Cerebral Malfunction“: Der Song peitscht zunächst mit hektischen, hochkomplexen Gitarrenriffs nach vorne und lädt zum pausenlosen Headbangen ein. Doch kurz vor dem Ende bricht das Tempo ein und macht Platz für die glasklare, engelsgleiche Stimme von Alex Reade (Make Them Suffer). Dieser Kontrast bringt eine fantastische Abwechslung in das Werk von August Burns Red, bevor wieder brachiale Shouts einsetzen und beide Bands zu einer harmonischen Einheit verschmelzen lassen.
Eine kurze Atempause vor dem nächsten Gewitter
Als dringend notwendige Atempause fungiert das nur 42 Sekunden lange Interlude „Tear Of The Clouds“. Die ruhige, atmosphärische Melodie ist keineswegs ein Lückenfüller, sondern eine perfekt platzierte Brücke, die eine subtile Spannung für die zweite Albumhälfte aufbaut. Aus dieser Ruhe erwacht „Whispers Like Splinters“ mit voller Wucht. Technisch anspruchsvolle Riffs und die gesamte stimmliche Bandbreite von Luhrs – von hohen Screams bis zu tiefen Growls – erzeugen eine emotional aufgeladene, düstere Grundstimmung. Ein abruptes Bremsen des Tempos am Ende verlangt der Hörerschaft noch einmal alles ab, bevor der Song jäh endet und in „S.O.S“ übergeht. Hier entfalten August Burns Red ein gnadenloses Shout-Gewitter mit absolut kontrollierter Härte und einer extrem detailreichen Rhythmusarbeit, die in einem markerschütternden Breakdown gipfelt.
Das große cineastische Finale
Das epische Finale wird schließlich durch „New Horizons“ eingeleitet. Dieser Song entpuppt sich als über fünf Minuten langes, hymnisches Metalcore-Gewitter. Das druckvolle Instrumental und die messerscharfen Riffs übertragen ihre Energie schlagartig und gipfeln in einem rasanten, spannungsgeladenen Schlusssprint. Den endgültigen Deckel setzt die Band mit dem monumentalen, 6:45 Minuten langen „Forged By Failure“ auf das Werk. Der Track startet ungewohnt langsam, fast schon cineastisch und baut eine greifbare, düstere Atmosphäre auf. August Burns Red spielen hier noch ein letztes Mal all ihre Stärken aus: Im steten Wechsel zwischen extrem melodischen Ruhephasen und eruptiven Ausbrüchen nimmt sich der Song die Zeit, sich immer wieder neu zu entfalten, bevor er ganz langsam und atmosphärisch ausläuft und die Hörenden nach einer intensiven Reise zurück in die Realität entlässt.
Fazit
Mit „Season Of Surrender“ beweisen August Burns Red eindrucksvoll, warum sie seit über zwei Jahrzehnten an der Spitze der Szene stehen. Das Album ist ein absolut stimmiges Gesamtkunstwerk, das die perfekte Balance zwischen technischer Perfektion, unbändiger Brutalität und tiefgründiger Emotionalität findet. Die gut gewählten Features fügen sich organisch in den Gesamtsound ein und erweitern das Klangspektrum, ohne die Wurzeln der Band zu verwässern. Für die Heavy-Music-Community ist diese Veröffentlichung ein absolutes Highlight des Jahres 2026, das sowohl auf Platte als auch in den kommenden Live-Shows nachhaltig begeistern wird. Ein Pflichtkauf für alle, die modernen, intelligenten Metalcore lieben!
Fotocredit: Albumcover / Artwork