Mit Jack Whites mittlerweile siebtem Soloalbum „Frozen Charlotte“ (auf ein Comeback von The White Stripes warten wir allerdings noch immer) knüpft der US-Amerikaner nahtlos an die kompromisslose Energie seiner letzten Veröffentlichungen an. Wer auf eine musikalische Kehrtwende oder gar eine radikale Neuerfindung gehofft hat, wird allerdings enttäuscht. Stattdessen setzt White genau dort an, wo er zuletzt aufgehört hat, und verlässt sich erneut auf seine größten Stärken: ungeschliffenen Rock, bluesige Wurzeln und jede Menge Spielfreude.
Das Album wirkt fokussiert und in sich stimmig, überrascht jedoch kaum. Wirklich neue Impulse sucht man vergebens – Jack White bleibt seinem bewährten Stil konsequent treu. Für langjährige Fans dürfte genau das den Reiz ausmachen. Gleichzeitig fehlt aber jener unerwartete Moment, der auch nach mehreren Durchläufen noch neue Facetten entdecken lässt.
Verglichen mit früheren Werken – sei es mit The White Stripes, The Raconteurs oder seinen bisherigen Soloveröffentlichungen – entsteht der Eindruck, dass „Frozen Charlotte“ weniger von Nostalgie lebt als vom Selbstverständnis eines Musikers, der längst niemandem mehr etwas beweisen muss. Große Überraschungen bleiben bewusst aus, stattdessen setzt White auf seine vertraute Handschrift.
Besonders hervorzuheben ist erneut die hervorragende Chemie zwischen White und seiner Band. Das Zusammenspiel wirkt jederzeit lebendig und organisch. Nichts klingt überproduziert oder steril – vielmehr besitzen die Songs genau jene Ecken und Kanten, die vielen modernen Rockproduktionen heute fehlen.
Zwar erreicht „Frozen Charlotte“ nicht die ikonische Klasse von „Elephant“ oder „White Blood Cells“, die bis heute als Meilensteine der Rockmusik gelten, doch genau in seiner Geradlinigkeit liegt auch eine Stärke. White verzichtet konsequent auf unnötige Effekthascherei und konzentriert sich auf das Wesentliche.
Am Ende steht ein überzeugendes Rockalbum, das zwar keine neuen Maßstäbe setzt, aber dennoch zeigt, warum Jack White seit Jahrzehnten zu den prägenden Persönlichkeiten des Genres gehört. „Frozen Charlotte“ ist kein Neuanfang, sondern eine konsequente Fortsetzung seines eingeschlagenen Weges – ehrlich, kraftvoll und mit unverkennbarem Charakter.
Fotocredit: Albumcover / Artwork