Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 im beschaulichen Osnabrück haben sich Hi! Spencer nicht über künstliche Hypes, sondern durch schweißgetränkte Kellerklubs, unermüdlichen langen Atem und authentische Publikumsnähe Stück für Stück nach oben gespielt. Spätestens seit dem Top-30-Erfolg des Albums „oben“ sowie ausverkauften Tourneen ist klar, dass hier etwas mit gesunder Wucht gewachsen ist. Mit dem neuen Longplayer „immernie“, der am 21.08.2026 auf dem Label Merchcowboy Records erscheint, sucht die Formation erst gar nicht nach einfachen Antworten. Das Artwork – eine zerplatzte Kaugummiblase – liefert die perfekte Metapher für diese Veröffentlichung: Es geht um schwere Leichtigkeit, um Dinge, die schier endlos scheinen und doch plötzlich zerfallen. Verspielt, rotzig und melancholisch zugleich übersetzt die Band dieses Spannungsfeld in leise-laute, euphorisch-melancholische Hymnen, bei denen Strophen voller Spannung geladen werden, nur um sich im Refrain explosiv zu entladen.
Aufbruch, Nostalgie und innere Schatten: Der Auftakt des Albums
Hi! Spencer eröffnen das neue Album „immernie“ fulminant mit dem Track „Mein Tal“, einem Opener wie aus dem Lehrbuch. Treibende Drums und kraftvolle Gitarrenriffs schieben sofort an, ehe die warme, charismatische und leicht raue Stimme von Sänger Sven Bensmann einsetzt und eine wohlig-intime Atmosphäre erzeugt. Der hymnische, extrem einprägsame Refrain bricht nach ruhigeren Zwischenpassagen kraftvoll heraus und leitet nach einem dynamischen Spannungsaufbau sanft in den nächsten Track über. Direkt im Anschluss fängt „Wenn der Sommer geht“ den schmerzhaften Kipppunkt zwischen spätsommerlicher Leichtigkeit und dem ersten kalten Herbstwind ein. Warme Gitarrenmelodien, ein treibender Rhythmus und emotionaler Gesang tragen die nostalgische Wehmut über die Erkenntnis, dass manche Phasen für immer vergehen – ein mitreißender Indie-Festivalrock-Song, der wie gemacht ist für die große Bühne.
Mit „Unsere Jahre“ blicken Hi! Spencer über kraftvolle Akkorde und eine mitreißende Dynamik auf gemeinsame Wurzeln, Freundschaft und das Vergehen der Zeit zurück, ohne dabei den Blick auf die Zukunft zu verlieren. Einen Schritt tiefer schürft „Gespenster“: In einer dichten Klangkulisse aus dynamischen Drums und Wechseln zwischen ruhigen Passagen und lauten Ausbrüchen geht es um innere Konflikte und alte Ängste. Der ausdrucksstarke Gesang verleiht dem Stück eine melancholische, aber hoffnungsvolle Note beim Versuch, mit der eigenen Vergangenheit abzuschließen.
Zwischen Sehnsucht, Raufasertapete und leisen Balladen: Die Mitte der Platte
In „An dem Tag, der niemals kam“ entfaltet sich über atmosphärische Gitarren und einen stetigen Spannungsaufbau das schmerzhafte Thema unerfüllter Erwartungen und das Loslassen von Plänen. Das darauffolgende „Heimweh“ begreift Zuhause nicht als geografischen Ort, sondern als emotionalen Zustand der Geborgenheit. Die Musik von Hi! Spencer pendelt hier eindrucksvoll zwischen nachdenklicher Stille und mitreißenden Ausbrüchen, die das Gefühl der Entfremdung spürbar machen.
Ein absolutes Highlight des Albums ist „Raufasertapete“. Der Song startet mit einer packenden Gitarrenmelodie sowie einem frischem Schlagzeug-Sound, ehe der raue Gesang von Sven Bensmann die Regie übernimmt. Der Ohrwurm-Refrain dreht sich um die unzähligen Geschichten, die alte Wohnungswände im Stande wären zu erzählen, wenn sie nur sprechen könnten – gekrönt von einer euphorischen Bridge, die direkt im Kopf bleibt.
Mit „Restlichtverstärker“ nehmen Hi! Spencer dann das Tempo raus. Die melancholische Ballade beginnt leise und nachdenklich, baut im Refrain eine verständnisvolle Wärme auf und sorgt nach einem kurzen Ausbruch lauterer Gitarrenriffs für eine wohlige Gänsehaut. „Motel One“ bricht diese Schwere sofort wieder auf: Mit treibendem Schlagzeug-Beat und ansteckender Indie-Melodie erzählt die Band die mitreißende, leicht tanzbare Geschichte über eine Person namens Erich, für die ein anonymes Hotel niemals ein echtes Zuhause ersetzen kann.
Das große Finale
Bevor es auf die Zielgerade geht, widmet sich „Elefant“ den sprichwörtlichen Elefanten im Raum, die einem das Leben schwer machen. Der Song beginnt ruhig mit dezenten Drums und warmem Gesang, schraubt sich dann aber über eine ansteckende Melodie in einen dichten, packenden Refrain hoch.
Den Schlusspunkt des Albums setzt schließlich „Alle sagen das“. Hi! Spencer bündeln im großen Finale noch einmal all ihre Stärken: Treibende Drums, wuchtige Gitarren und markante Dynamiksprünge gipfeln in einem mitreißenden Refrain, in dem die Band emotional alles auf eine Karte setzt. Nach diesem musikalischen Ausbruch läuft der Track atmosphärisch und ruhig aus und entlässt das Publikum nach einem intensiven Hörerlebnis zurück in die Realität.
Fazit
„immernie“ ist das bisher reifste Statement von Hi! Spencer. Anstatt Gegensätze aufzulösen, lässt die Band sie stolz nebeneinanderstehen und beweist eindrucksvoll, dass sich eingängiger Pop-Punk, Indie und Post-Punk keineswegs ausschließen. Dieses Album ist der lautstarke Beweis dafür, dass Jahre des stetigen Wachstums genau das Fundament bilden, das unverwüstlich ist. „immernie“ ist kein schnelles Hype-Produkt, sondern ein tiefgründiges, ehrliches Stück Musik voller Herz, Kante und Dynamik. Wer wissen will, wie lebendig deutschsprachiger Indie-Rock klingen kann, kommt an dieser Platte nicht vorbei. Und für alle, die diese Energie hautnah spüren wollen: Die anstehende Clubtour von Hi! Spencer im Herbst 2026 ist absolutes Pflichtprogramm!
Hi! Spencer – „immernie“ Tour 2026:
30.10.2026 – Hannover, Faust
31.10.2026 – Dresden, Beatpol
01.11.2026 – Berlin, Lido
06.11.2026 – Münster, Sputnikhalle
07.11.2026 – Köln, Kantine
12.11.2026 – Frankfurt am Main, Das Bett
13.11.2026 – Stuttgart Club Cann
14.11.2026 – München, Backstage
26.11.2026 – Bochum, Bahnhof Langendreer
27.11.2026 – Hamburg, Fabrik
28.11.2026 – Bremen, Tower
18.12.2026 – Osnabrück, Botschaft
19.12.2026 – Osnabrück, Botschaft
Fotocredit: Albumcover / Artwork