Mit ihrem Debütalbum „Saferooms & Healing Frequencies“ zeigen PLUME, dass moderner Alternative Metal nicht zwangsläufig in bekannten Strukturen feststecken muss. Das Münchner Quartett wirft Rock, Metal, elektronische Elemente und Pop in einen gemeinsamen Topf und entwickelt daraus einen Sound, der gleichzeitig wuchtig, verspielt und erstaunlich zugänglich wirkt.
Dabei lebt das Album vor allem von Kontrasten. Massive Gitarren treffen auf synthetische Flächen, druckvolle Passagen wechseln sich mit melodischen Momenten ab und über allem steht ein Gespür für Hooks, das „Saferooms & Healing Frequencies“ trotz seiner Härte immer wieder eine beinahe unbekümmerte Seite verleiht. PLUME versuchen gar nicht erst, sich eindeutig zwischen Metal, Alternative und Pop einzuordnen ( Gott sei dank ). Gerade diese fehlende Scheu vor Genregrenzen gehört zu den größten Stärken des Debüts.
Interessanterweise entwickelt die Platte dadurch stellenweise sogar einen gewissen Soundtrack-Charakter. Einige Passagen könnte man sich problemlos in einem neuen American Pie-Film vorstellen: Freundschaften, Chaos, viel zu lange Nächte, dumme Entscheidungen und dieses leicht überdrehte Gefühl, dass gerade sowieso alles passieren kann. Natürlich wäre es ein deutlich modernerer und härterer Soundtrack als zu Zeiten der ursprünglichen Filme – das Lebensgefühl funktioniert aber erstaunlich gut.
Die elektronischen Elemente stehen nicht einfach als Dekoration neben den Gitarren wie man es vorab vermuten könnte, sondern sind fester Bestandteil des Werks.
Nicht jede Idee muss dabei zwangsläufig bei allen Hörer*innen gleichermaßen funktionieren. Gerade die Vielzahl unterschiedlicher Einflüsse sorgt dafür, dass das Album gelegentlich zwischen maximaler Härte, großen Melodien und elektronischer Überzeichnung hin- und herspringt. Wer musikalisch klar abgesteckte Grenzen bevorzugt, dürfte damit stellenweise weniger anfangen können. Für „Saferooms & Healing Frequencies“ ist diese Rastlosigkeit allerdings eher Charaktereigenschaft als Schwäche.
Als Debüt ist die Platte vor allem eines: selbstbewusst. PLUME klingen nicht wie eine Band, die vorsichtig ausprobiert, wo ihr Platz sein könnte. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Musiker bereits eine ziemlich konkrete Vorstellung davon haben, welche musikalische Welt sie erschaffen möchten und wo sie gerne hin gehören wollen – auch wenn innerhalb dieser Welt noch reichlich Platz für zukünftige Entwicklungen bleibt.
„Saferooms & Healing Frequencies“ ist damit ein energiegeladenes Debüt zwischen Alternative Metal, elektronischer Ekstase und Pop-Appeal. PLUME liefern keine Neuerfindung moderner Rockmusik, aber eine eigenständige Kombination bekannter Zutaten, die genügend Persönlichkeit besitzt, um neugierig darauf zu machen, wohin sich die Band nach diesem ersten Album noch entwickeln wird.
Fotocredit: Albumcover / Artwork