Heißer Start in Sulingen! Der Donnerstag markiert den Auftakt des Reload Festival 2026 in Sulingen. Bei strahlendem Sonnenschein füllt sich das Gelände, die ersten Besucher suchen sich ihre Plätze vor den Bühnen und langsam nimmt das Festivalwochenende Fahrt auf. Für uns beginnt der musikalische Tag mit Orbit Culture – und damit direkt mit schweren Geschützen.
Die Schweden setzen auf Double Bass, treibende Beats und markante Riffs. Besonders die Breakdowns sorgen für Bewegung vor der Bühne. Sänger und Gitarrist Niklas Karlsson muss dabei gegen die tief stehende Sonne ankämpfen, die ihm direkt ins Gesicht scheint. Musikalisch lässt sich die Band davon nichts anmerken und liefert einen wuchtigen Auftakt.
Bei Thy Art Is Murder steht neben der Musik vor allem ein neues Gesicht im Mittelpunkt. Jerry Grimefeld wurde erst wenige Wochen zuvor überraschend als neuer Sänger vorgestellt und steht nun erstmals beim Reload mit der Band auf der Bühne. Bei praller Sonne erscheint er zunächst in einer Regenjacke, die er allerdings schnell wieder ablegt. Danach gibt es kaum Zeit zum Durchatmen: Blastbeats, Double Bass, brutale Breakdowns und jede Menge Geschrei treiben die Menge zum Moshen.

Groove und Gitarren
Soulfly wechseln anschließend die Gangart. Max Cavalera und seine Crew setzen auf Groove, Tribal-Riffs und Percussion-Elemente. Mit bekannten Songs und ihren charakteristischen Gitarren sorgen sie für einen etwas anderen Klang im bisherigen Programm und halten die Menge souverän bei Laune.
Wenn es dunkel wird
Später übernimmt Lamb of God. Die Sonne ist inzwischen verschwunden, die Temperaturen sind angenehmer und die Bühne liegt im Dunkeln. Randy Blythe nutzt die gewonnene Atmosphäre für einen intensiven Auftritt, bewegt sich ständig über die Bühne und treibt die Band mit seiner gewohnt wilden Präsenz an. Dazu kommen schwere Riffs und eine ordentliche Pyroshow, die den Auftritt auch optisch zu einem der markantesten des Tages macht.
Black Label Society schlagen danach noch einmal einen klassischeren Ton an. Zakk Wylde steht dabei ganz im Mittelpunkt und bekommt reichlich Gelegenheit, seine Gitarrenarbeit auszuspielen. Schwer schleppende Riffs und ausgedehnte Soli bilden den passenden Übergang zum letzten Auftritt des Tages.

Ein neues Gesicht bei Arch Enemy
Dann fällt der Vorhang zu „Ace of Spades“ von Motörhead. Arch Enemy eröffnen ihren Headliner-Auftritt mit „Yesterday Is Dead and Gone“ – und gleichzeitig beginnt für die Band ein neues Kapitel. Lauren Hart steht erstmals beim Reload am Mikrofon und bringt vom ersten Moment an viel Kraft mit. Ihre tiefen Growls sitzen, auch wenn gerade die unteren Passagen teilweise sehr brummig und verzerrt wirken. Die typischen Gitarrensoli setzen dazu die erwarteten musikalischen Akzente.
Große Fußstapfen
Trotzdem ist der Wechsel von Alissa White-Gluz nicht zu überhören. Ihre Bühnenpräsenz hat Arch Enemy über Jahre entscheidend geprägt, entsprechend groß sind die Fußstapfen, in die Lauren Hart tritt. Hart bringt Energie und Härte mit, doch die besondere Dominanz, die Alissa auf der Bühne ausgestrahlt hat, fehlt an diesem Abend noch. Dazu bleibt überraschend viel Platz direkt vor der Bühne – gerade angesichts des Headliner-Slots hätte man hier mehr Andrang erwartet.

Damit endet der erste Festivaltag mit einem interessanten Kontrast: Während Jerry Grimefeld bei Thy Art Is Murder gerade erst in seine neue Rolle hineinwächst, steht Lauren Hart bei Arch Enemy vor einer ungleich größeren Aufgabe. Zwei neue Stimmen, zwei Bands mitten im Umbruch – und ein Auftakt, der musikalisch bereits ordentlich vorlegt.
Fotocredit: Mirco Wenzel
Review: Stafen Schulz