Fünf Jahre nach „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ setzt Danger Dan seine Arbeit am Klavier fort – und „Keine Angst“ ist ein Album geworden, das in einer politisch aufgeheizten Gegenwart kaum deutlicher positioniert sein könnte. Dabei braucht es weder eine riesige Produktion noch musikalische Effekthascherei. Klavier, Stimme, Texte und gelegentliche Streicher reichen vollkommen aus, denn im Mittelpunkt steht ohnehin das, was Danger Dan zu sagen hat.
Musikalisch bleibt er seiner reduzierten Herangehensweise treu. Das Klavierspiel wirkt gereifter und selbstverständlicher, ohne sich in Virtuosität verlieren zu wollen. Gerade diese Schlichtheit gibt den Texten den notwendigen Raum. „Keine Angst“ beschäftigt sich mit Liebe und persönlichen Erfahrungen ebenso wie mit gesellschaftlichen Konflikten, Antisemitismus, Rechtsextremismus und antifaschistischem Widerstand. Danger Dan formuliert dabei unbequem und teilweise bewusst provokant. Er versucht nicht, politische Probleme in versöhnliche Allgemeinplätze zu verpacken.
Wie viel Sprengkraft diese Herangehensweise besitzt, zeigte bereits die Kontroverse um „Keine Angst“. Danger Dan und Igor Levit sollten das Stück ursprünglich in der 100. Ausgabe der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ aufführen. Das ZDF sagte den Auftritt kurzfristig ab und erklärte, der Text könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden und damit den Programmrichtlinien widersprechen. Danger Dan kritisierte die Entscheidung als Eingriff in die Kunstfreiheit. Das ZDF widmete dem Streit anschließend eine Sonderausgabe von „Aspekte“, während auch „Die Anstalt“ selbst die Ausladung thematisierte und Teile des Textes diskutierte.
Allein diese Debatte verdeutlicht, welche Relevanz politische Musik besitzen kann. „Keine Angst“ will keine angenehme Hintergrundmusik sein. Das Album zwingt zur Auseinandersetzung und stellt Fragen darüber, wie eine demokratische Gesellschaft mit Rechtsextremismus umgehen sollte und wo die Grenzen von Protest, Widerstand und Kunst liegen. Dass über einen Song schließlich öffentlich-rechtlich über Kunstfreiheit, politische Radikalisierung und die Legitimität verschiedener Formen des Widerstands diskutiert wurde, zeigt die gesellschaftliche Wirkung weit über Musik hinaus.
Gerade darin liegt eine große Stärke von Danger Dan. Seine Musik behandelt rechte Ideologien nicht als abstraktes Randphänomen. Sie nimmt Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus ernst und stellt sich ihnen ausdrücklich entgegen. Gleichzeitig muss man nicht jede Zuspitzung oder jedes politische Mittel, das seine Texte verhandeln, teilen, um den Wert dieser Auseinandersetzung anzuerkennen. Die Kontroverse beim ZDF zeigt gerade, dass unterschiedliche Interpretationen möglich sind.
„Keine Angst“ funktioniert deshalb nicht nur als musikalisches Werk, sondern als politisches Statement. Danger Dan zeigt, dass politische Musik nicht bequem sein muss. Rechtsextreme Ideologien werden nicht romantisiert oder verharmlost, sondern als etwas behandelt, dem widersprochen werden muss. Die Texte sind dabei hart, direkt und gelegentlich unangenehm – genau das macht ihre Wirkung aus.
Am Ende ist „Keine Angst“ ein bemerkenswert reduziertes und gleichzeitig enorm konfrontatives Album. Danger Dan braucht keine musikalische Materialschlacht, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ein Klavier, eine Stimme und eine klare Haltung reichen. Gerade in einer Zeit intensiver gesellschaftlicher Auseinandersetzungen erinnert dieses Album daran, dass Musik nicht nur unterhalten, sondern Diskussionen auslösen, Widerspruch provozieren und politische Zustände hinterfragen kann.
Fotocredit: Albumcover / Artwork