Wenn die letzten Töne einer langen Tour verklingen, schwingt oft Wehmut mit – doch am 31. Januar 2026 war im Kölner Helios 37 kein Platz für Melancholie, sondern nur für pure, ungefilterte Energie. Die Würzburger Post-Hardcore-Instanz Devil May Care lud zum großen Finale ihrer „Downfall-Tour“ und verwandelte den Ehrenfelder Club in ein Epizentrum moderner Gitarrenmusik. Was als Abschluss einer intensiven Deutschlandtour geplant war, wurde zu einer Demonstration dessen, warum diese Band seit ihrer Gründung 2012 zu den wichtigsten Vertretungen ihres Genres in Deutschland zählt. Mit einem starken Line-Up, bestehend aus der Band Oceandvst und der Würzburger Band Call It A Day, erlebte die Domstadt einen Abend, der noch lange in den Ohren nachhallen wird.
Oceandvst überzeugen mit internationalem Sound
Schon beim Einlass um 18:00 Uhr strömten die ersten Fans in die Halle, um sich die begehrten Plätze direkt an der Bühne zu sichern. Die Vorfreude war greifbar, auch wenn sich der Raum zunächst gemächlich füllte. Es war die Ruhe vor dem Sturm, die kurz darauf von der griechischen Formation Oceandvst gebrochen wurde. Mit einer Mischung aus internationalem Alternative-Rock und einer Bühnenpräsenz, die man sonst nur aus großen Konzerthallen kennt, eroberte die Band aus Thessaloniki die Herzen im Sturm. Besonders die einzigartige Stimme von Sängerin Chrysa verlieh Songs wie „Ghost“ eine Tiefe, die fast schon an die große Dramatik des Eurovision Song Contests erinnerte. Als die Band schließlich den Paramore-Hit „Misery Business“ anstimmte, gab es kein Halten mehr: Das Helios 37 verwandelte sich in eine singende und tanzende Einheit, die Oceandvst nach einer halben Stunde unter tosendem Applaus verabschiedete.
Call It A Day sorgen für viel Tempo
Doch die Atempause war kurz, denn Call It A Day brachten den frischen Wind ihrer Heimatstadt Würzburg direkt auf die Bühne. Die junge Post-Hardcore-Band setzte auf modernen Post-Hardcore-Sound: Harte Breakdowns trafen auf messerscharfe Riffs, die sofort die ersten Moshpits des Abends provozierten. Dass Musik für sie mehr als nur Unterhaltung ist, machten sie durch eine eindringliche Ansage von Bassist Felix Spring deutlich, welcher sich klar gegen Rassismus und rechte Tendenzen positionierte – ein Moment der Haltung, der im Publikum lautstark bejubelt wurde. Ein besonderes Highlight markierte die Kollaboration mit der Deutschrap-Künstlerin Leya, die für einen unveröffentlichten Track die Bühne enterte und bewies, wie gut moderne Genre-Fusionen funktionieren können. Call It A Day haben den Job als Support-Act mit Bravour gemeistert und konnten das Publikum erfolgreich für den Headliner des Abends aufgewärmt. Sicherlich konnte die Band auch neue Fans für sich gewinnen.
Devil May Care liefern eine atemberaubende Performance
Um 20:30 Uhr erreichte die Stimmung schließlich ihren Siedepunkt. Nach einem atmosphärischen Intro stürmten Devil May Care die Bühne und machten mit dem Opener „Amen“ sofort klar, dass sie an diesem Abend keine Gefangenen machen würden. Trotz des Fehlens von Bassist Moritz Hillenbrand, der jedoch von Felix Spring (Call It A Day) mit beeindruckender Souveränität vertreten wurde, präsentierte sich die Band in Höchstform. Das visuelle Konzept mit leuchtenden Paneelen und stimmungsvollen Visuals hob die Produktion auf ein Level, das man in Club-Locations dieser Größe nur selten sieht. Frontmann Tim Heberlein peitschte die Menge bei „Into The Abyss“ zu einer gewaltigen Wall of Death auf und bewies bei Songs des neuen Albums „Limit“, wie sehr er sein Handwerk versteht – seine stimmliche Varianz zwischen brutalen Shouts und cleanen Passagen war schlichtweg atemberaubend.
Die emotionalen Wogen schlugen besonders hoch, als während des Songs „MANTRA“ hunderte Handylichter die Halle in ein Lichtermeer verwandelten. Es war ein seltener Gänsehaut-Moment der Stille inmitten des musikalischen Gewitters. Doch die Ruhe hielt nicht lange: Bei „Painter“ begab sich Heberlein samt Gitarre mitten in den Pit, um die Barriere zwischen Band und Fans endgültig einzureißen. Als mit „The Snow“ und „Dead Ember“ der letzte Vorhang des starken Sets von Devil May Care fiel, blieb ein erschöpftes, aber glückseliges Publikum zurück.
Fazit
Devil May Care haben mit diesem Tourabschluss im Helios 37 ein wahres Meisterstück abgeliefert. Sie haben eindrucksvoll unterstrichen, dass sie nicht nur eine Band der Stunde sind, sondern eine feste Größe, die mit technischer Präzision, visueller Finesse und tiefgreifender Emotionalität überzeugt. Zusammen mit den starken Support-Acts Oceandvst und Call It A Day wurde dieser Abend zu einem Plädoyer für eine lebendige, offene und energiegeladene Musikkultur. Wer diese Tour verpasst hat, sollte Devil May Care spätestens beim nächsten Mal ganz oben auf die Liste setzen. Eine absolute Empfehlung für alle, die Musik noch richtig fühlen wollen!
Fotocredit: Niklas Griebel
Review: Florian Chojetzki