25 Jahre Massendefekt. Zehn Alben. Wenn eine Band nach einem Vierteljahrhundert ihr neues Album einfach nach sich selbst benennt, kann das zwei Dinge bedeuten: Entweder sind nach neun Platten endgültig die Ideen für Albumtitel ausgegangen. Oder man ist an einem Punkt angekommen, an dem man ziemlich genau weiß, wer man eigentlich ist. Bei Massendefekt spricht einiges für Variante zwei.
Der Weg zum Album begann dabei schon ziemlich früh im Jahr. Bereits im Januar erschien mit „Allein“ die erste Single und wurde in Fankreisen ausgesprochen wohlwollend aufgenommen. Verständlich, denn der Song zeigt ziemlich gut, wohin die Reise gehen sollte: Massendefekt bleiben Massendefekt, erlauben sich aber mehr Pop, mehr moderne Produktion und ein paar elektronische Spielereien.
„Brandung“ beispielsweise fischt lyrisch ziemlich unverkennbar in MADSEN-Gefilden. Große Gefühle, große Bilder, große Melodie – und natürlich darf es im Refrain auch gerne ein bisschen größer werden. Das funktioniert, weil Massendefekt inzwischen ziemlich genau wissen, wie man solche Songs schreibt, ohne dabei komplett im Deutschrock-Baukasten zu verschwinden. Noch deutlicher wird die Entwicklung bei „Voll Daneben. Halb OK.“. Das Ding melkt den Pop-Punk mal so richtig. Mit englischem Text könnte das problemlos als ziemlich guter Blink 182-Knaller durchgehen. Melodie, Tempo, Gitarren, Refrain – alles sitzt genau dort, wo es sitzen soll. Natürlich kann man das als wenig revolutionär abtun. Man kann aber auch einfach anerkennen, dass ein verdammt guter Pop-Punk-Song zunächst einmal genau eine Aufgabe hat: ein verdammt guter Pop-Punk-Song zu sein.
Überhaupt ist „Massendefekt“ weniger spannend, wenn man danach sucht, was die Band plötzlich vollkommen anders macht. Interessanter ist, wie selbstverständlich sie mittlerweile unterschiedliche Spielarten ihres Sounds zusammenbekommt. Punkrock, Alternative, Pop-Punk, elektronische Elemente und diese zunehmend großen Rockmomente stehen nebeneinander, ohne dass die Platte zu sehr „gewollt“ klingt.
Zum Silberjubiläum gibt es auch den Blick auf die eigene Geschichte. „Zu alt für Rock’n’Roll“ ist dafür wahrscheinlich der offensichtlichste Kandidat. Nach mehr als zwei Jahrzehnten auf Tour darf morgens schließlich auch mal irgendetwas wehtun. Punkrock mit Rücken also. In eine ähnliche Richtung geht auch „Revolution x Alltag“, welches zudem Bläser und Ska ins Spiel bringt. Und mit Dritte Wahl hat man bei „Unbedingt verpassen“ auch noch einen Feature-Gast eingeladen, der in sich logisch und konsequent ist.
„Massendefekt“ ist keine Neuerfindung und sicherlich kein Meilenstein des deutschsprachigen Punkrocks. Dafür ist vieles zu vertraut und manches schlicht zu erwartbar. Aber es ist eine ziemlich gute Standortbestimmung einer Band, die längst verstanden hat, dass Weiterentwicklung nicht zwangsläufig bedeutet, die eigene Vergangenheit über Bord zu werfen.
MASSENDEFEKT LIVE 2026
- 11.09. Köln – Gebäude 9 (Record Release Show)
- 23.10. Nürnberg, Hirsch
- 24.10. München, Backstage
- 30.10. Frankfurt a.M., Das Bett
- 31.10. Stuttgart, ClubCann
- 13.11. Hamburg, Knust
- 14.11. Berlin, Hole44
- 20.11. Hannover, Musikzentrum
- 21.11. Leipzig, Werk 2
- 27.11. Bremen, Tower
- 28.11. Münster, Sputnikhalle
- 12.12. Düsseldorf, Stahlwerk („25 Live“ inkl. 15 Jahre „Tangodiesel“-Jubiläumsset)
Fotocredit: Albumcover / Artwork