Am 29. September 2026 wurde das Münchner Zenith zum Schauplatz eines Abends, der kaum unterschiedlicher hätte beginnen können: Mit Dying Wish, Jinjer und schließlich Spiritbox standen drei Bands auf dem Programm, die auf ihre ganz eigene Art für Härte, Intensität und eine außergewöhnliche Bühnenpräsenz stehen. Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch ganz klar eine Band: Spiritbox.
Bereits die ersten beiden Support-Acts sorgten dafür, dass die Stimmung im Zenith stetig anstieg. Dying Wish eröffneten den Abend und brachten die ersten Reihen ordentlich in Bewegung. Anschließend übernahmen Jinjer und machten deutlich, weshalb die ukrainische Band längst zu den technisch beeindruckendsten Acts der modernen Metal-Szene gehört. Präzise Instrumentierung, schwere Riffs und Tatiana Shmayluks außergewöhnliche Stimme sorgten für einen intensiven Auftritt.
Doch nach dem Ende des Jinjer-Sets war schnell zu spüren, dass das Publikum eigentlich nur noch auf eines wartete: Spiritbox.
Kurz vor 21:10 Uhr wurde es dunkel. Dann setzte „Fata Morgana“ ein – und mit den ersten Tönen war klar, dass Spiritbox nicht einfach nur ein Konzert spielen würden.
Die Band betrat die Bühne mit einer Produktion, die deutlich machte, wie sehr Spiritbox mittlerweile über den klassischen Metalcore-Rahmen hinausgewachsen ist. Licht, Nebel und visuelle Elemente tauchten das Zenith immer wieder in eine düstere, beinahe surreale Atmosphäre. Im Zentrum stand Courtney LaPlante, die mit einer Mischung aus kontrollierter Ruhe und explosiver Energie die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zog.
Mit „Black Rainbow“, „Perfect Soul“ und „Keep Sweet“ folgten gleich mehrere Songs vom aktuellen Album Tsunami Sea. Besonders auffällig war dabei, wie selbstverständlich Spiritbox zwischen atmosphärischen, beinahe zerbrechlichen Momenten und brutalen Breakdowns wechselten. Genau diese Gegensätze sind es, die den Sound der Band so charakteristisch machen.
Spätestens bei „Soft Spine“ wurde aus der düsteren Atmosphäre pure Energie. Das Publikum sang, sprang und bewegte sich gemeinsam mit der Band, während LaPlante zwischen cleanem Gesang und aggressiven Screams wechselte. Ihre Stimme war dabei eines der absoluten Highlights des Abends: innerhalb weniger Sekunden konnte sie von einer beinahe zarten Melodie in einen wuchtigen Schrei wechseln.
Mit „Cellar Door“, „Jaded“ und „The Void“ ging es anschließend weiter zurück in die jüngere Vergangenheit der Band. Besonders „Cellar Door“ entwickelte sich zu einem der intensivsten Momente des Abends. Die Kombination aus elektronischen Elementen, schweren Gitarren und LaPlantes Vocals zeigte einmal mehr, wie vielseitig Spiritbox inzwischen geworden sind.
Nach „The Void“ wurde es kurz ruhiger. Das „Tsunami Sea Poem“ erklang vom Band, bevor mit „Tsunami Sea“ der nächste große Moment folgte. Danach ging es mit „Circle With Me“ weiter – einem der Songs, bei denen das Publikum die Band lautstark unterstützte.
Natürlich durfte auch „Holy Roller“ nicht fehlen. Der Song verwandelte das Zenith endgültig in einen Hexenkessel. Schwere Gitarren, aggressive Vocals und die Energie des Publikums trafen hier perfekt aufeinander.
Mit „Sew Me Up“ folgte anschließend ein weiterer Ausflug in die Vergangenheit, bevor ein Drum-Solo für eine kurze Verschnaufpause sorgte.
Doch lange hielt diese Ruhe nicht an.
„Crystal Roses“ und „Ride the Wave“ führten den Abend langsam seinem Ende entgegen, bevor Spiritbox mit „Mourning“ schließlich den letzten Song des Abends präsentierten.
Nach rund einer Stunde voller Licht, Härte, Melodie und Atmosphäre war klar: Spiritbox hatten das Zenith nicht einfach nur beschallt – sie hatten einen eigenen Kosmos erschaffen.
Was den Abend besonders machte, war dabei nicht nur die musikalische Qualität. Spiritbox verstehen es, ihre Songs auch visuell und emotional zu inszenieren. Zwischen massiven Soundwänden und ruhigen, fast intimen Momenten entstand eine Dynamik, die das Konzert über die gesamte Spielzeit hinweg spannend hielt.
Courtney LaPlante erwies sich dabei einmal mehr als Mittelpunkt einer Band, die musikalisch längst ihren eigenen Weg gefunden hat. Spiritbox verbinden Metalcore mit elektronischen, atmosphärischen und poppigen Elementen, ohne dabei ihre Härte zu verlieren.
Der Auftritt im Münchner Zenith zeigte eindrucksvoll, warum Spiritbox zu den spannendsten Bands der modernen Metal-Szene gehören. Ein Konzert, das gleichermaßen brutal, atmosphärisch und wunderschön sein konnte – und damit genau das verkörperte, was Spiritbox seit Jahren auszeichnet.
Fotocredit: Alex Bemis