Manchmal ist weniger tatsächlich mehr. Eine Weisheit, die in Pressemitteilungen ungefähr genauso häufig behauptet wird wie „mitreißend“, „authentisch“ und „Genregrenzen sprengend“. Bei Dressed Like Boys darf man sie dieses Mal allerdings durchaus stehen lassen. Denn Jelle Denturck braucht für seine neue Single „And Then I Woke Up“ über weite Strecken tatsächlich nicht viel mehr als ein Klavier, seine Stimme und eine ziemlich zurückhaltende Hi-Hat.
Dabei hätte Denturck durchaus Gründe, jetzt die große Produktionsmaschine anzuwerfen. Erst im August 2025 erschien das selbstbetitelte Debütalbum seines Projekts Dressed Like Boys. Danach ging es ziemlich schnell: Songs wie „Lies“, „Pinnacles“, „Jaouad“ und „Stonewall Riots Forever“ sorgten für Aufmerksamkeit, sechs Nominierungen bei den belgischen MIA Awards wurden am Ende zu zwei Auszeichnungen. Dazu kamen ausverkaufte Konzerte und Festivalauftritte unter anderem beim Rock Werchter und Best Kept Secret.
Die logische Reaktion auf diesen Erfolg wäre also vermutlich gewesen: größerer Refrain, mehr Instrumente, noch ein paar Streicher drauf und irgendwo findet sich bestimmt noch Platz für einen Chor. Dressed Like Boys macht das Gegenteil:
„And Then I Woke Up“ ist eine wunderbar reduzierte Klavierballade, die sich Zeit nimmt. Sehr viel Zeit sogar. Denturcks Anschlag und Stimme stehen beinahe alleine im Raum und erinnern dabei durchaus an die frühen, noch deutlich weniger glamourösen Momente eines Elton John. Nicht, weil hier jemand versucht, dessen Songs nachzubauen, sondern weil auch Dressed Like Boys darauf vertraut, dass ein Klavier und eine gute Melodie manchmal vollkommen ausreichen.
„And Then I Woke Up“ von Dressed Like Boys ist am 2. September 2026 über Mayway Records erschienen. Das gleichnamige zweite Album folgt im Frühjahr 2027.
Fotocredit: offizielles Pressefoto