Hamburg. Was kurz vor Konzertbeginn noch nach einer Absage aussah, entwickelte sich am Freitagabend zu einem stimmungsvollen Reggae-Fest. Ein heftiges Unwetter setzte den Hamburger Stadtpark zeitweise unter Wasser und ließ viele Besucher um den Konzertabend bangen. Doch pünktlich zum Beginn verzogen sich die dunklen Wolken, die Sonne kam zurück – und rund 3.000 Fans konnten einen Abend erleben, der ganz im Zeichen von Frieden, Liebe und der zeitlosen Musik Bob Marleys stand.
Den Auftakt machte der australische Singer-Songwriter Ben Camden, der mit seiner sympathischen Art und seinen eingängigen Folk- und Pop-Songs das Publikum schnell auf seine Seite zog. Nach dem Wetterchaos sorgte sein entspannter Auftritt für die passende Einstimmung auf den Hauptact und leitete den Wechsel von Regenstimmung zu Sommerfeeling ein.
Seit über fünf Jahrzehnten steht der Name The Wailers für Reggae-Geschichte. Auch wenn längst kein Musiker der ursprünglichen Bob-Marley-Besetzung mehr zur Band gehört, lebt deren musikalisches Erbe weiter. Besonders Aston Barrett Jr., Sohn des legendären Bassisten Aston „Familyman“ Barrett, führt diese Tradition fort und prägt den Sound der aktuellen Formation.
Mit Mitchell Brunings steht seit 2022 ein Frontmann am Mikrofon, der durch seine Teilnahme bei „The Voice of Holland“ internationale Bekanntheit erlangte. Seine Stimme erinnert unverkennbar an Bob Marley, gleichzeitig bringt er genügend eigene Persönlichkeit mit, um den Klassikern eine frische Note zu verleihen. Immer wieder suchte Brunings den Kontakt zum Publikum, sprach auf Deutsch mit den Fans und erinnerte zwischen den Songs an die Botschaft, die Bob Marley einst in die Welt trug: „Peace, Love & Unity“.
Musikalisch ließ die Band kaum Wünsche offen. Bereits zum Auftakt mit „Lively Up Yourself“ sprang der Funke sofort über. Es folgten Reggae-Klassiker wie „Is This Love“, „Stir It Up“, „No Woman, No Cry“, „I Shot The Sheriff“, „Jammin’“, „Get Up, Stand Up“ oder „Buffalo Soldier“, die vom Publikum begeistert mitgesungen wurden. Immer wieder verwandelte sich der Stadtpark in ein großes Freiluft-Chorkonzert, bei dem Jung und Alt gemeinsam tanzten und feierten.
Auch die Bandmitglieder rückten immer wieder ins Rampenlicht. Aston Barrett Jr. präsentierte mit „Only In Jamaica“einen neueren Titel aus dem Repertoire der Band, während Gitarrist Wendel „Junior Jazz“ Ferraro bei mehreren Songs selbst den Gesang übernahm und das Publikum mit seiner lockeren Art begeisterte.
Besonders emotional wurde es während der Zugaben. Bei „Redemption Song“ leuchteten zahlreiche Handylichter über den Köpfen der Besucher, ehe „Roots, Rock, Reggae“, „Buffalo Soldier“ und schließlich „Could You Be Loved“ für einen ausgelassenen Abschluss sorgten. Spätestens jetzt war vom Unwetter nichts mehr zu spüren – stattdessen tanzte der gesamte Stadtpark in den Hamburger Sommerabend.
Der Konzertabend zeigte eindrucksvoll, warum die Musik von Bob Marley auch 45 Jahre nach seinem Tod nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat. The Wailers bewahren dieses Vermächtnis nicht als nostalgisches Museumsstück, sondern tragen seine Botschaft mit spürbarer Leidenschaft in die Gegenwart. Nach einem denkbar schwierigen Start wurde der Freitag im Stadtpark so zu einem Abend voller positiver Energie – ganz im Sinne der „Positive Vibrations“.
Fotocredit & Review: Sascha Beckmann