Mit dem dritten Studioalbum „Modern Life Is Lonely“ , das am 18. September 2026 über ihren neuen Labelpartner Sumerian Records erscheint, liefert das walisische Trio Holding Absence die wohl intimste und zugleich monumentalste Platte der bisherigen Bandgeschichte ab. Die Formation aus Cardiff, die sich seit ihrer Gründung 2015 einen Namen für hochemotionalen Alternative Rock und Post-Hardcore gemacht hat, hebt ihren Sound auf ein völlig neues Level. Das Album fungiert als tief menschliche Auseinandersetzung mit Trauer, Liebe, Identität und dem emotionalen Überleben in einer überreizten Welt. Entlang von Metaphern zerbrochener Spiegel, verblasster Erinnerungen und schemenhafter Verbindungen zeichnet das Werk den feinen Grat zwischen Verzweiflung und Neuanfang nach – ein wuchtiges Manifest über das Ringen mit Traumata und die stetige Suche nach Sinn.
Der Auftakt: Ein Wechselspiel aus Licht und Härte
Holding Absence starten das Album mit „Reanimate“ fulminant und voller Gefühl. Vogelgezwitscher und eine atmosphärische Melodie leiten das Stück ein, ehe die warme, markante Stimme von Sänger Lucas Woodland ruhig und gefühlvoll übernimmt. Die erste Strophe baut sich dynamisch auf, bis elektronische Glitch-Effekte überraschen und in einen hymnischen, schwebenden Refrain münden. Synthetische Sounds und digitale Texturen treffen auf treibendes Post-Hardcore-Instrumental, bevor der Song nach einer fulminanten zweiten Strophe und einem packenden Ausklang aus Drums, Gitarren und Elektronik perfekt auf den Rest der Platte einstimmt. Direkt im Anschluss zündet „Reflection“ als explosiver Post-Hardcore-Song. Der weit aufgerissene, befreiende Refrain bildet einen genialen Kontrast zu den düsteren, zurückhaltenden Strophen. Woodlands Gesang schwankt faszinierend zwischen Zerbrechlichkeit und gewaltiger Intensität, während die Produktion modern, kantig und fast schon im Alternative Metal verwurzelt wirkt.
GigantischeHymnen und pure Emotionen
Mit „Heaven“ folgt ein Anwärter auf den absoluten Lieblingssong der Fans. Atmosphärische Klänge weichen treibendem Schlagzeug und rockigen Riffs, über denen Woodlands glasklarer Gesang schwebt. Auf die harmonische Strophe folgt ein gigantischer Refrain mit massivem Ohrwurm-Potential. Nach einer zweiten Strophen- und Refrain-Runde verzaubert Lucas Woodland kurzzeitig ganz ohne Härte, nur um im nächsten Moment in einen brechend harten Metal-Part überzuleiten, in dem treibende Drums, wuchtige Riffs und druckvolle Shouts das Kommando übernehmen. Der Titelsong „Modern Life Is Lonely“ setzt diesen modernen Kurs fort. Der Track beginnt kontrolliert und baut über verfremdete Vocals und elektronische Texturen eine künstliche, beklemmende Spannung auf. Gitarren und Drums treiben das Stück voran, bis die melodische Oberfläche aufbricht und in einen ungewöhnlich aggressiven Breakdown mündet, bei dem der Sänger von Holding Absence die aufgestaute Wut und Verzweiflung herausbrüllt.
Frischer Sound durch digitale Experimente
Einen spürbaren Kontrast bietet „Take Me With You“ , das mit einem dezenten Beat startet. Der Fokus liegt ganz auf Woodlands warmer, charismatischer Stimme, die selbst in den höchsten Tönen glänzt. Das Instrumental bleibt leicht treibend und elektronisch angehaucht, während der schwebende Refrain pure Gänsehaut garantiert und bei kommenden Liveshows seine volle Wirkung entfalten wird. Es folgt „shells_like_us.int“ , ein kurzes Zwischenspiel von knapp zwei Minuten. Eine atmosphärische Akustikgitarre und elektronische Elemente tragen die unglaublich warme, tröstliche Gesangsstimme, die trotz der melancholischen Grundstimmung eine tiefgehende Geborgenheit ausstrahlt.
Mit „Whisper Of A Dream“ biegen Holding Absence in futuristische Gefilde ab. Synthesizer, digitale Texturen und hyperpop-artige Nuancen erzeugen eine cineastische, fast cyberpunkartige Atmosphäre, die auf harte Drums, wuchtige Gitarren und ein extremes Stimm-Spektrum zwischen Sanftheit und Schreien trifft. „Lucid Love“ führt diesen Weg konsequent weiter und markiert den bisher extremsten Hyperpop-Ausflug der Band. Glitch-Effekte und synthetische Sounds ersetzen durchgehende Gitarrenwände durch eine schwebende Klangästhetik, ohne dass der typische emotionale Markenkern von Holding Absence verloren geht.
Das große Finale: Gewitter, Zwischenspiele und der magische Kreisschluss
„Scorched Earth“ leitet die Zielgerade mit dem Geräusch von fallendem Regen ein. Nach einem schnellen Ausbruch aus Riffs und Drums beruhigt sich das Tempo für die Strophe, nur um im Refrain mit voller Wucht und enormem Ohrwurm-Charakter zurückzukehren. Der Song baut eine enorme Spannung auf, entlädt sich in einem harten Breakdown und klingt schließlich wieder mit leise prasselndem Regen aus. Direkt danach schließt „lullaby.int“ als verträumtes, kurzes Interludium an. Es greift die Sounds und die wohlige Wärme von „shells_like_us.int“ auf und entlässt die Hörerinnen und Hörer sanft in Richtung des großen Finales.
Mit „Kyoto Snow“ liefern Holding Absence den traditionell extrem emotionalen Schlusspunkt des Albums. Vogelgezwitscher und sanfter Gesang eröffnen das Stück, ehe ein treibender Beat und Glitch-Effekte hinzustoßen. Der hymneartige Refrain bündelt noch einmal sämtliche Stärken des Trios. Nach einem gewaltigen emotionalen Ausbruch aus schwebenden Riffs, kraftvollen Drums und Woodlands voller Stimmgewalt verblüht der Track leise zu den Klängen einer Akustikgitarre und dem Vogelgezwitscher des Albumstarts – ein magischer Kreis, der hier in bester Art und Weise geschlossen wird.
Fazit
„Modern Life Is Lonely“ist weit mehr als nur ein drittes Album: Es ist eine emotionale Offenbarung und ein reifeprüfendes Kunstwerk. Holding Absence gelingt die perfekte Balance aus knallharte Post-Hardcore-Wut, mitreißenden Melodien und mutigen, hochmodernen Sound-Experimenten, ohne dabei auch nur einen Funken ihrer tiefen Menschlichkeit einzubüßen. Die Platte spendet Trost, wühlt auf und hinterlässt ein Gefühl tiefer Verbundenheit in einer oft isolierenden Welt. Das Trio hat seinen einzigartigen Sound perfektioniert und liefert damit eines der ohne Zweifel stärksten und nachhaltigsten Rock-Alben des Jahres ab.
Fotocredit: Albumcover / Artwork