Mit dem vierten Studioalbum „Pylon“, welches am 18.09.2026 via Dirty Hit/Interscope Records erscheint, liefert die britisch-philippinische Ausnahmekünstlerin Beabadoobee ein Werk ab, das die eigene emotionale Zerrissenheit nicht glattbügelt, sondern feiert. Wut, Orientierungslosigkeit und nostalgische Wärme existieren hier gleichberechtigt nebeneinander. Die Quintessenz dieser Platte liegt im Mut zum Aushalten von Ungewissheiten: „Pylon“ ist das musikalische Manifest einer Weiterentwicklung, die schmerzt, heilt und mit mitreißender Energie nach vorne drängt. Nach mehr als 10 Milliarden Streams, unzähligen Preisen und ausverkauften Tourneen mit Größen wie Taylor Swift zeigt sich hier eine Ikone der modernen Gen-Z-Indie-Szene in absolut stilprägender Form.
Der Start in das neue Album: Moshpits, Sehnsucht und 90s-Vibes
Der Opener „Pylon“ beginnt mit einer belebten Alltagsszene voller Stimmen und Leben, ehe diese langsam verstummt und eine äußerst harmonische Gitarrenmelodie einsetzt. Sofort übernimmt Beabadoobee mit einer warmen, umarmenden und glasklaren Gesangsstimme, die dem Track eine enorme emotionale Tiefe verleiht. Nach einem kurzen Instrumental-Part in der Mitte, der fast in ein angenehmes Rauschen übergeht, entfaltet der verträumte Gesang eine melancholisch-nostalgische Stimmung, ohne vollends traurig zu wirken, ehe der Song sanft ausläuft.
Direkt im Anschluss bricht „Sun Has Set“ mit kompromissloser Energie hervor. Der kurze, druckvolle Alternative-Rock-Song mit deutlichen Grunge-, Midwest-Emo- und Pop-Punk-Einflüssen setzt auf verzerrte Gitarrenriffs, ein präsentes Schlagzeug mit kräftigen Fills und einen treibenden Bass. Beabadoobees Gesang wirkt hier ungewöhnlich aggressiv, rau und wütend – ein ungefilterter Frust-Ausbruch, der bewusst für moshpit-taugliche Dynamik sorgt und spürbar an die frühen Alternative-Wurzeln erinnert.
Mit „Estranged“ folgt ein frühes Highlight des Albums. Atmosphärische Klänge und eine angenehme Gitarrenmelodie leiten den Song ein, bevor ein leicht treibendes Schlagzeug das Tempo anzieht. Der Refrain bringt einen frischen, modernen Alternative-Rock-Sound mit enormem Ohrwurm-Potenzial mit sich. Nach einer zweiten Strophe und dem mitreißenden Hook geht das Instrumental in einen Teil über, in dem harmonische Gitarren auf sanftes Vogelgezwitscher treffen, ehe der Refrain das Stück vollendet.
Das im Hotelzimmer entstandene „Switchblade“ gibt sich fuzzy, grungig und unpoliert. Verzerrte, bewusst verwaschene Gitarren, ein treibender Bass und druckvolle Drums bauen eine unterschwellige Spannung auf. Der Song entlädt sich nicht in einem plumpen Rock-Ausbruch, sondern schraubt die Energie langsam hoch, während im späteren Verlauf prägnante Basslinien, kindlich wirkende Vocal-Chants und schrille Gitarrenmotive samt Feedback die Regie übernehmen.
„Write Me A Letter“ eröffnet überraschend mit einem kurzen, tinnitusartigen Pfeifton und einer dichten Geräuschkulisse. Ein treibender Beat sorgt für Tempo, zieht sich dann aber zurück, um der glasklaren Gesangsstimme von Beabadoobee viel Raum zu lassen. Im weiteren Verlauf wird das Instrumental rockiger: Verzerrte Gitarrenriffs und präsente Drums treffen auf gefühlvollen Gesang – ein spannender, dynamischer Gegensatz, der schließlich atmosphärisch ausklingt.
Mit „It’s Alright“ präsentiert Beabadoobee einen warmen Alternative-Rock-Song mit sommerlichem Groove. Gitarren, dezentes Schlagzeug und die feinfühlige Stimme verschmelzen zu einer wohligen Soundlandschaft, die gegen Ende immer dichter und rockiger wird, bevor sich das Arrangement langsam wieder lichtet.
Das leicht verträumte „In Motion“ ergänzt diesen Eindruck perfekt. Nach einer ruhigen ersten Strophe und einem angenehmen Refrain gewinnt der Track stetig an Härte. Es entsteht ein fuzzy, grungiger Track mit Midwest-Emo-Anleihen, dessen dichtes Instrumental-Geflecht erst ganz am Ende langsam ausläuft.
An achter Stelle setzt der Song „Memories“ einen beschwingten Kontrapunkt. Ein treibender Bass, knackige Live-Drums und luftige E-Gitarren erzeugen einen hellen, lebendigen Sound. Trotz des fröhlichen Vibe liegt eine spürbare Wehmut unter der Oberfläche – für Beabadoobee einer der glücklichsten und gleichzeitig nostalgischsten Momente der Platte.
Prominente Verstärkung und das große Sound-Gewitter
Ein absolutes Großereignis der neuen Platte ist der Song „Nothing To Prove“ (feat. Hayley Williams). Ein Feature mit der Paramore-Frontfrau unterstreicht den enormen Stellenwert von Beabadoobee in der internationalen Musikszene. Der Song beginnt als ruhiger Indie-Track mit treibendem Vibe und mündet in einen extrem melodischen, einprägsamen Refrain. Die Stimmen der beiden Ausnahmekünstlerinnen ergänzen sich perfekt und machen diese tiefe, hymnische Indie-Rock-Perle zu einem echten Meisterwerk.
„Radio“ zieht das Tempo mit fuzzy Gitarren, treibendem Bass und dezenten Drums direkt wieder an. Der raue, verwaschene Sound weckt Erinnerungen an vergangene Radio-Zeiten und trägt einen Refrain in sich, der sich sofort im Gehörgang festsetzt.
Gleich das nächste Highlight wartet bei „Powerlines“ (feat. Brendan Yates). Ab der Hälfte des Songs setzt die unverwechselbare Stimme des Turnstile-Sängers ein und gibt dem harmonischen Indie-Rock-Sound eine ganz eigene Note. Der Track gipfelt in einem fast schon funkigen Instrumental-Part, der zum Tanzen einlädt und sowohl alte Fans begeistert als auch neue Anhängerschaften hinzugewinnen dürfte.
„Spark“ weckt Erinnerungen an 2010er US-Teenie-Dramen. Eine ansteckende Gesangsmelodie trifft auf atmosphärische Gitarren und sorgt für echte Gänsehaut-Momente, bei denen Beabadoobees außergewöhnliches stimmliches Talent in vollem Glanz erstrahlt.
Mit nur 1:30 Minuten Spielzeit ist „Despite That“ das kürzeste Stück des Albums. Es beginnt ruhig mit warmen Gitarrenklängen und baut sich gegen Ende zu einem dichten Rauschen auf, das sich im letzten Moment wieder lichtet, um dem Gesang noch einmal die volle Bühne zu überlassen.
Das große Finale markiert schließlich „Satellite“, das mit 4:45 Minuten zugleich den längsten Song stellt. Ausgehend von sanften Akustikgitarren und gefühlvollem Gesang baut sich der Track über den Refrain zu einem ersten emotionalen Ausbruch auf. Nach einer weiteren Strophe entlädt sich die angestaute Spannung schlussendlich in einem gewaltigen, lauten Instrumental-Part voller Gitarren-Soundgewände und treibender Drums, ehe das Album leise und friedlich ausklingt.
Fazit
„Pylon“ ist weit mehr als eine bloße Aneinanderreihung starker Songs – es ist der eindrucksvolle Beweis artistischer Reife. Beabadoobee gelingt der Spagat zwischen rauer Alternative-Rock-Attitüde und extrem gefühlvollem Bedroom-Pop so mühelos wie selten zuvor. Die Symbiose aus nostalgischem 90s-Charme, mutigen Klangexperimenten und hochkarätigen Features macht das Werk zu einem absoluten Highlight des Musikjahres 2026. Ein ehrliches, mitreißendes und schlichtweg brillantes Album, das noch lange nachhallen wird.
Beabadoobee – The Powerlines Tour:
06.12.2026 – Berlin, Tempodrom
07.12.2026 – Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
Fotocredit: Albumcover / Artwork