Es gibt Bands, die einen über Jahre begleiten, und trotzdem irgendwann aus dem eigenen musikalischen Blickfeld verschwinden. Genau so erging es mir mit Blood Red Shoes. Ihren persönlichen Höhepunkt hatte das Duo für mich bereits mit dem Debütalbum „Box of Secrets“ und insbesondere mit „It’s Getting Boring By The Sea“. Danach konnte mich die Band zwar noch punktuell erreichen, doch über die Jahre wurde sie für mich immer weniger greifbar und verschwand zunehmend in der Versenkung. Umso überraschender ist, was Laura-Mary Carter und Steven Ansell nun mit ihrem siebten Album „Stay Lonely“ abliefern.
Denn plötzlich ist dieses Gefühl wieder da. „Stay Lonely“ klingt für mich genau so, wie moderner Indie- und Alternative-Rock klingen sollte: kantig, unmittelbar und gleichzeitig melodisch genug, um hängen zu bleiben. Garage Rock und Post-Punk treffen auf poppigere Momente, ohne dass Blood Red Shoes dabei ihre Ecken und Kanten verlieren. Vor allem die Balance funktioniert erstaunlich gut. Die Platte wirkt weder wie der verzweifelte Versuch, an frühere Erfolge anzuknüpfen, noch wie eine Band, die unbedingt beweisen möchte, wie sehr sie sich weiterentwickelt hat.
Dass Blood Red Shoes das Album komplett selbst geschrieben, aufgenommen, produziert und gemischt haben, ist dabei deutlich spürbar. Nach mehr als 20 gemeinsamen Jahren besitzen Carter und Ansell eine musikalische Vertrautheit, die „Stay Lonely“ ausgesprochen geschlossen wirken lässt. Die Produktion ist direkt und stellenweise angenehm roh, gibt den Melodien aber trotzdem genügend Raum.
Gerade nach meiner persönlichen Distanz zu den vergangenen Veröffentlichungen hätte ich nicht erwartet, dass mich ein neues Blood Red Shoes-Album noch einmal derart abholt. Natürlich erfindet „Stay Lonely“ weder Indie noch Alternative Rock neu. Das muss es aber auch überhaupt nicht. Stattdessen erinnert die Platte daran, warum dieses Duo einmal so spannend war, und überträgt genau diese Qualitäten überzeugend ins Jahr 2026.
Für mich ist „Stay Lonely“ deshalb tatsächlich so etwas wie ein Comeback – nicht, weil Blood Red Shoes jemals weg waren, sondern weil sie musikalisch für mich zurück sind. Und ein besseres hätte ich mir kaum vorstellen können.
Fotocredit: Albumcover / Artwork