Mit der bislang größten Pride-Tour seiner Karriere geht MKSM 2026 auf die CSD-Bühnen in ganz Deutschland. Zwischen großen Städten und kleineren Orten spricht der Künstler über die Bedeutung von Sichtbarkeit, den Wandel der Szene in Zeiten von wachsendem gesellschaftlichem Druck und darüber, warum CSDs heute mehr denn je Orte von Protest, Zusammenhalt und Empowerment sind. Im Gespräch mit Frontstage Magazine gibt MKSM persönliche Einblicke in seine Entwicklung, seine Musik und die Verantwortung, die mit jeder Pride-Bühne einhergeht.
Frontstage Magazine: Deine Pride-Tour 2026 ist deine bisher größte – was bedeutet es dir persönlich, diese vielen CSDs zu spielen, und was hat sich im Vergleich zu früheren Jahren verändert?
MKSM: Die CSD-Bühnen waren die ersten Orte, die mich als Künstler mit offenen Armen empfangen haben. Sie haben mir auch geholfen, mich als Künstler zu finden. 2022 war mein erstes intensiveres Live-Jahr, und diese Erfahrungen haben Ende 2023 zu einer wichtigen Entscheidung geführt: Ich wollte auf Deutsch schreiben und offener mit meiner Geschichte umgehen. Heute erzähle ich bewusst meine Perspektive als queerer Spätaussiedler – direkter und ehrlicher. Seit den ersten deutschsprachigen Releases spüre ich, wie viel näher ich dadurch dem Publikum komme. Diese Verbindung bedeutet mir viel, vor allem wenn Menschen sich in meinen Geschichten wiederfinden. Was sich verändert hat, ist aber auch die Realität drumherum: Gerade in Ostdeutschland ist die Polizeipräsenz stärker geworden, was in der aktuellen Lage notwendig ist. Gleichzeitig nehmen Gegenproteste zu. Und vor allem kleinere CSDs kämpfen immer häufiger mit unsicheren Förderungen und müssen viel mehr leisten, um ihre Veranstaltungen überhaupt möglich zu machen.
Frontstage Magazine: Du bist in zahlreichen Städten unterwegs – von Hamburg bis Cham. Wie unterscheidet sich die Energie der einzelnen Prides, und worauf freust du dich auf dieser Tour am meisten?
MKSM: Die Energie ist jedes Mal unterschiedlich – und genau das macht diese Tour so besonders. Mein Anspruch bleibt aber gleich: Ich möchte, dass sich alle vor der Bühne gesehen fühlen und dass für diesen Moment ein gemeinsamer Safe Space entsteht. Große CSDs haben natürlich eine enorme Wucht, und ich freue mich sehr auf diese großen Prides. Gleichzeitig haben kleinere CSDs eine ganz besondere Bedeutung. Ein Beispiel ist Cham, wo ich dieses Jahr zum dritten Mal spielen werde. Ein kleiner Ort, von dem ich nicht erwartet hätte, dass es dort überhaupt einen CSD gibt. Umso beeindruckender ist das Engagement vor Ort – und wie wichtig dieser CSD für die queere Community dort ist. Ich freue mich sehr auf die Reunion. Worauf ich mich besonders freue: Ich nehme alle Songs meiner ersten deutschsprachigen EP mit auf Tour und spiele auch neue, unveröffentlichte Tracks. Ich arbeite weiter daran, mich als queerer deutschsprachiger Pop-Artist zu etablieren – und diese Entwicklung live zu teilen, bedeutet mir extrem viel.
Frontstage Magazine: In Zeiten von wachsendem Rechtsdruck und zunehmendem Hass gegenüber queeren Menschen: Welche Rolle spielen CSDs heute für dich – sind sie eher Protest, Safe Space oder eine Feier?
MKSM: CSDs sind für mich in erster Linie Protest – Demonstrationen, die Sichtbarkeit schaffen und uns im öffentlichen Raum präsent machen. Gleichzeitig sind sie wichtige Safe Spaces, in denen wir uns sicher fühlen können. Und auch das Feiern hat seinen Platz: Gerade für Menschen aus kleineren Orten ist ein CSD oft ein Moment von Freiheit – ein Tag, an dem man loslassen kann. Außerdem stärken CSDs unser Gemeinschaftsgefühl als queere Community. Unterschiedliche Identitäten kommen zusammen und haben die Möglichkeit, einander zuzuhören. Diese Verbindung gibt Kraft – auch für einen Alltag, der für viele noch immer von Diskriminierung geprägt ist.
Frontstage Magazine: Welche Verantwortung siehst du als Künstler*in auf einer Pride-Bühne, und was möchtest du den Menschen mitgeben, die zu deinen Shows kommen?
MKSM: Meine Verantwortung ist es, einen Raum zu schaffen, in dem sich Menschen gesehen, sicher und ernst genommen fühlen. Ich möchte, dass sie spüren, dass ihnen zugehört wird – und dass sie mit ihren Geschichten nicht allein sind. Wenn sich Menschen in meinen Songs wiederfinden und sich verstanden fühlen, bedeutet mir das sehr viel. Besonders wichtig sind mir die Begegnungen nach den Shows: Wenn Menschen ihre Geschichten teilen oder erzählen, dass es ihr erster CSD war und dieser Tag für sie eine bleibende Erinnerung wird. Das zeigt mir, wie viel solche Momente bedeuten können. Genau dafür gebe ich alles – dass Menschen nicht nur ein Konzert erleben, sondern empowered nach Hause gehen.
Wer wissen möchte, wo MKSM spielt, dies erfahrt ihr hier.
Und hier gehts auch zu sienem neuen Track „Safe Space“.
Fotocredit: Singlecover / Artwork