„A Room Within A Room“ heißt das neue Gia Ford Album, erscheint am 18. September über Chrysalis Records und soll genau das zurückbringen, was Gia Ford anderswo vermisst: Menschen, Räume, Spuren, kleine Unsauberkeiten und dieses schwer zu definierende Gefühl, dass Musik tatsächlich irgendwo passiert ist und nicht einfach nach dem 42. Plug-in irgendwann fertig war.
Und direkt mit „Liberty“ setzt Ford zum Albumstart ein Ausrufezeichen. „A Room Within A Room“ beginnt nicht mit einem vorsichtigen Klavieranschlag sondern es wird direkt groß aufgefahren. Instrumente schieben sich übereinander, der Song wächst und wächst, und irgendwo zwischen Art-Pop, Alternative und Siebzigerjahre-Grandezza öffnet sich diese Platte ziemlich beeindruckend. Vor allem zeigt der Song gleich zu Beginn, was Gia Ford mit ihrer Kritik an moderner Perfektion eigentlich meint. „Menschlich“ bedeutet hier nämlich nicht automatisch minimalistisch. Diese Platte darf groß, üppig und sorgfältig arrangiert sein.
Das folgende „Diamonds Coming Down“ bestätigt diesen Eindruck sofort. Funky Gitarre, flirrende Synthesizer, Bläser – eigentlich passiert hier eine ganze Menge. Trotzdem wirkt nichts überladen. Der Song wird von einer lässigen Selbstverständlichkeit getragen. „At Least For Now“ geht anschließend stark in Richtung 70er-Jahre-Pop. Doch auch hier ist das Retroelement kein Selbstzweck. Gia Ford bedient sich zwar an Sounds und Stimmungen vergangener Jahrzehnte, baut daraus aber etwas, das ziemlich eindeutig im Hier und Jetzt steht. Dass Ford den Song selbst zu ihren bisherigen Favoriten zählt, kann man nachvollziehen.
Überhaupt ist „A Room Within A Room“ ein Album, das erstaunlich selbstverständlich zwischen verschiedenen Stimmungen wechselt. „Cathy“ nimmt Tempo heraus, mit „A Spy In The House Of Love“ geht es wieder nach vorne, bevor „Shell“ am Piano zeigt, dass Gia Ford diesen ganzen instrumentalen Überbau überhaupt nicht zwingend braucht. Wenn die Arrangements kleiner werden, bleibt ihre Stimme stehen.
Und eine Sache steht außer Frage, Gia Ford ist eine ziemlich gute Songwriterin ist. „A Room Within A Room“ funktioniert nicht deshalb, weil man beim Hören begeistert Bowie, Kate Bush, Radiohead oder irgendwelche anderen Namen auf einen Zettel schreiben kann. Es funktioniert, weil hinter den Arrangements Songs stehen, die diese Vergleiche überhaupt aushalten.
Das eigentlich Beeindruckende an „A Room Within A Room“ ist ohnehin, wie wenig es nach dem berüchtigten schwierigen zweiten Album klingt. Nach dem gefeierten Debüt „Transparent Things“ hätte Ford problemlos versuchen können, dessen Erfolgsformel nachzubauen. Stattdessen stellt sie gleich die grundsätzliche Frage, wie ihre Musik überhaupt klingen soll. Die Antwort lautet offenbar: nach Menschen.
Fotocredit: Albumcover / Artwork