Mit ihrer neuen Single „An dem Tag, der niemals kam“ geben HI! Spencer einen weiteren intensiven Einblick in ihr kommendes Album immernie, das am 21. August 2026 über Merchcowboy Records erscheint. Zwischen Indie, Pop und Punk bewegt sich die Band auf emotionalem Terrain zwischen Hoffnung, Zweifel und gesellschaftlicher Zerrissenheit. Im Gespräch mit Frontstage Magazine sprechen HI! SPENCER über den Entstehungsprozess der neuen Songs, Gegensätze auf „immernie“ und Kaugummiblasen mit Tücken.
Frontstage Magazine: Eure neue Single „An dem Tag, der niemals kam“ wirkt gleichzeitig hoffnungsvoll und ernüchternd – was war der Ausgangspunkt für den Song?
Hi! Spencer: Der Ausgangspunkt war dieses Gedankenspiel: Wie würde sich ein wirklich guter Tag anfühlen – einer, an dem alles stimmt? Wir sind hier quasi bei „Wünsch dir was“. 24 Stunden ohne all die Dinge, die aktuell an uns nagen. Wir haben versucht, dieses Gefühl so konkret wie möglich zu zeichnen. Und gleichzeitig stand ziemlich schnell im Raum, dass genau das vielleicht eine Utopie bleibt. Aus dieser Reibung ist der Song entstanden.
Frontstage Magazine: Der Track transportiert ein Gefühl von einer besseren Welt, die vielleicht unerreichbar bleibt. Ist das eher ein persönlicher Gedanke oder ein Kommentar zur aktuellen Zeit?
Hi! Spencer: Es ist beides. Natürlich spiegelt erstmal alltägliche Momente im Privaten. Aber man kann schwer ausblenden, was gerade gesellschaftlich passiert. Der Song ist kein politisches Statement im klassischen Sinne, aber er spiegelt schon eine Gegenwart, in der immer mehr Spaltung und Hass salonfähig wird. Und eben auch die Hoffnung, nicht aufgeben zu wollen für Vielfalt einzustehen.
Frontstage Magazine: War euch sofort klar, dass genau dieser Song der erste Vorbote für euer neues Album sein soll, oder gab es andere Kandidaten?
Hi! Spencer: Ganz witzig: Lange Zeit im Studio war der Song ein Wackel-Kandidat. Wir waren nicht sicher, ob er’s auf die Platte schafft. Dann haben wir musikalisch noch einmal gehörig was gedreht. Und auf einmal war durch die Bank dieses Gefühl im Raum: Hui! Der ist jetzt aber ganz schön „hittig“ geworden. Und dann war’s auch nur konsequent, ihn als Single zu veröffentlichen. Er vereint musikalisch und inhaltlich vieles, was „immernie“ ausmacht. Deshalb hat er sich irgendwann ganz organisch nach vorne geschoben.
Frontstage Magazine: Mit „immernie“ kündigt ihr ein Album an, das stark mit Gegensätzen spielt. Wie zieht sich dieses Spannungsfeld durch die gesamte Platte?
Hi! Spencer: Eigentlich durch die ganze Platte. Uns hat interessiert, wie viel Widerspruch man aushalten kann, ohne ihn aufzulösen. Also nicht zu sagen: Das Album ist jetzt nur traurig oder nur hoffnungsvoll – sondern beides gleichzeitig stehen zu lassen. Das passiert textlich, aber auch musikalisch: ruhige Momente, die plötzlich aufbrechen, oder sehr treibende Parts, die etwas Melancholisches in sich tragen.
Frontstage Magazine: Der Titel klingt fast wie ein Paradox – was bedeutet „immernie“ für euch, und wann hat sich dieser Titel als Leitidee herauskristallisiert?
Hi! Spencer: „immernie“ beschreibt genau dieses Gleichzeitige. Dinge fühlen sich oft ewig an – und sind dann plötzlich vorbei. Wie bei der ersten Single „Unsere Jahre“. Oder sie passieren nie, obwohl man lange daran festhält. Wie bei „An dem Tag, der niemals kam“. Oder Ängste und Sorgen bleiben vielleicht bei einem, obwohl man nichts mehr wünscht, als dass sie endlich verschwinden, wie in der dritten Single „Gespenster“, die als Nächstes kommt. Dieses Paradox hat sich während des Schreibprozesses immer wieder gezeigt, bis irgendwann klar war: Das ist die Klammer für alles.
Frontstage Magazine: Im Vergleich zu euren früheren Releases: Wo habt ihr euch auf diesem Album am meisten weiterentwickelt – musikalisch oder inhaltlich?
Hi! Spencer: Am stärksten wahrscheinlich darin, Dinge stehen zu lassen. Früher hatten wir öfter den Impuls, Gedanken oder Gefühle aufzulösen, ihnen eine klare Richtung zu geben. Jetzt halten wir mehr aus, dass etwas widersprüchlich bleibt. Musikalisch haben wir uns gleichzeitig mehr erlaubt – größere Melodien, bewusst einen Popsong wie „Unsere Jahre“ zugelassen. Weil uns das halt auch liegt. Auch bewusst reduzierte Momente kreiert – wie einen Lagerfeuer-Song. Und dann eben auch gitarrenlastige, tanzbare Indierocksongs. Auch hier haben wir das Gefühl verfolgt: Das darf bei uns nebeneinander stehen bleiben auf „immernie“ und wirkt gleichzeitig wie aus einem Guss. Was cool für uns ist.
Frontstage Magazine: Ihr geht mit dem neuen Material auf große Deutschlandtour – wie geht ihr dieses Mal an eure Shows heran? Was können die Leute erwarten?
Hi! Spencer: Das wird tatsächlich die größte Tour, die wir bislang gespielt haben. Die Clubs werden größer und damit möchten wir auch in Sachen Bühnenbild, Licht etc. spezielle Konzerterfahrungen schaffen. Gleichzeitig bleiben wir uns in unserer Kernkompetenz treu: eine sehr warmherzige, nahbare, dynamisch-schwitzige und stellenweise auch lustige Show auf die Bühne zu bringen, bei der sich alle Besuchenden wohl und gut aufgehoben fühlen.
Frontstage Magazine: Abseits von Musik: Gibt es etwas, das euch während der Entstehung des neuen Albums besonders geprägt oder überrascht hat?
Hi! Spencer: Wie schwer es für bestimmte Bandmitglieder sein kann, vernünftige Kaugummiblasen zu machen. Auf dem Cover der Platte platzt so eine Blase – wie Dinge, die manchmal eben nicht bleiben. Wir wollten das bei unseren neuen Promobildern natürlich nachmachen und 1. braucht man ungesund viele Kaugummis dafür und 2. ist es unmöglich, die Technik, wie solche Kaugummiblasen im Mundraum erzeugt werden, anderen Menschen zu erklären. Für uns jedenfalls. So ist es eben. Auch das gilt es wohl auszuhalten…
HI! SPENCER – „immernie“ Tour 2026
30.10.2026 Hannover, Faust
31.10.2026 Dresden, Beatpol
01.11.2026 Berlin, Lido
06.11.2026 Münster, Sputnikhalle
07.11.2026 Köln, Kantine
12.11.2026 Frankfurt, Das Bett
13.11.2026 Stuttgart, Club Cann
14.11.2026 München, Backstage
26.11.2026 Bochum, Bahnhof Langendreer
27.11.2026 Hamburg, Fabrik
28.11.2026 Bremen, Tower
19.12.2026 Osnabrück, Botschaft
Foto: Frederic Hafner