Zum 20-jährigen Jubiläum ihres Albums „Château Schrottgrenze“ kehren Schrottgrenze für zwei exklusive Shows zurück auf die Bühne und bringen das Werk erstmals in voller Länge live auf die Bühne. Im Gespräch mit uns dem Frontstage Magazine spricht Saskia Lavaux über die intensive Entstehungszeit des Albums, den heutigen Blick auf die Songs sowie die besondere Emotionalität, die diese Jubiläumsshows mit sich bringen. Dabei wird schnell klar: Was damals unter hohem Druck entstand, entfaltet heute eine ganz neue Tiefe – sowohl für die Band als auch für die Fans.
Frontstage Magazine: 20 Jahre „Château Schrottgrenze“ – wenn ihr heute auf das Album zurückblickt, was bedeutet es euch persönlich im Vergleich zur damaligen Zeit?
Saskia Lavaux: Ich glaube, dass wir ein Album wie ‚Chateau‘ heute selbst mehr wertschätzen können, da wir damals als Band viel Stress ausgesetzt waren. Alles wurde in relativ kurzer Zeit geschrieben, aufgenommen, dann ging es lange auf Tour und sofort wieder ins Studio. Das war eine wichtige und großartige Zeit für uns, aber dennoch fehlte mir die Ruhe auch mal innezuhalten, die musikalischen Momente wirklich auf mich wirken zu lassen und genießen zu können. Das geht heute mit dem zeitlichen Abstand und weniger Stress viel besser. Als wir neulich begannen das Album im Proberaum zu spielen, fühlte sich das für mich wie die Neuentdeckung einer völlig vergessenen Zeit unseres Bandlebens an. Manche Songs hatte ich wirklich vergessen, bei anderen hatte ich das Gefühl, dass ich sie erst jetzt verstehe. Das fand ich eine besondere und schöne Erfahrung, wenngleich auch unerwartet emotional.
Frontstage Magazine: Für die Jubiläumsshows bringt ihr das Album zurück auf die Bühne – erwartet die Fans eine besondere Umsetzung oder vielleicht sogar Überraschungen im Set?
Saskia Lavaux: Wir spielen das Album zum allerersten Mal in voller Länge mit den Outtakes und B-Seiten aus der damaligen Zeit live. Viele Stücke haben wir auf den Touren 2006/2007 nicht live umsetzen können. Für Menschen im Publikum wird das, glaube ich, auch spannend sein, weil viele diese Songs noch nie so gehört haben, in einem Tempo, einer Ruhe und einer Klangtiefe, die uns früher schlicht nicht möglich war. Stücke wie „Wie ein Geist“ oder „Zu Staub“ waren damals vom langsamen Tempo für uns kaum umsetzbar, und die klingen erst heutzutage so wie wir sie damals bestimmt gerne gespielt hätten. Wir haben auch zum ersten Mal einen Moog mit auf der Bühne, den hatten wir uns damals nur für die Aufnahmen der Platte ausgeliehen. Timo hat alle Gitarren-Effekte aus der damaligen Zeit aufbewahrt und auch das war wie alte Freund*innen der Bandfamilie wiederzutreffen.
Frontstage Magazine: Berlin ist bereits ausverkauft – merkt ihr bei solchen Jubiläums-Shows nochmal eine andere Verbindung oder Energie vom Publikum?
Saskia Lavaux: Wir haben nur einmal 2015 eine Jubiläumstour gespielt und die war grandios. Auf jeden Fall spüren wir bei solchen Konzerten eine besondere Spannung. Sowohl auf wie vor der Bühne. Eine besondere Art der Vorfreude oder Aufmerksamkeit, aber für uns auch eine höhere Konzentration, da sehr viele Songs selten oder nie live gespielt wurden und im Live-Moment eben alles klappen muss.
Frontstage Magazine: Zwei Abende, zwei Städte – was macht für euch den Reiz aus, solche besonderen Shows heute noch zu spielen und wie unterscheiden sie sich von „normalen“ Konzerten?
Saskia Lavaux: Ich denke ich muss mich selbst etwas im Auge behalten, um bei den Shows nicht zu emotional zu werden. Viele Texte und Harmonien kommen aus ganz anderen Gefühlssphären als unsere queerpolitischen, empowernden Songs der letzten Jahre. Sie sind dunkler, verzweifelter und sehr vulnerabel. Aber wir haben auch schon für Relief vorgesorgt, es wird auch ausgewählte Classics aus noch älteren und auch jüngeren Zeiten zu hören geben. Ich wünsche mir, dass die Leute sich darauf einlassen können, diese Songs gemeinsam mit uns noch einmal zu betreten. Mit den eigenen Geschichten von damals und den Perspektiven von heute.
08. Mai 2026 – Kantine Berghain / Berlin
09. Mai 2026 – Die Börse / Wuppertal
In Kürze folgt hierzu noch ein Gewinnspiel auf Instagram 😉
Fotocredit: Veranstaltungsgrafik