Mit ihrem dritten Album „Christin Nichols“ öffnet sich Christin Nichols so persönlich wie nie zuvor und verbindet dabei rohe Ehrlichkeit mit kraftvollem Empowerment. Zwischen Selbstzweifeln, mentaler Gesundheit und gesellschaftlichen Themen entsteht ein Werk, das nicht nur musikalisch neue Wege geht, sondern auch tief in ihre eigene Identität eintaucht. Im Interview mit uns dem Frontstage Magazine spricht die deutsch-britische Künstlerin über die Entstehung des Albums, ihren unverwechselbaren Sound zwischen Post-Punk und Indie-Rock sowie darüber, warum sie ihre Musik heute selbstbewusst als „Hopecore“ bezeichnet.
Frontstage Magazine: Dein drittes Album „Christin Nichols“ trägt deinen eigenen Namen – was bedeutet es für dich, dieses Werk so direkt mit deiner Identität zu verknüpfen?
Christin Nichols: Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich so sehr bei mir selber bin wie noch nie in meinem Leben. Das war einfach die ganz logische Konsequenz, dass ich das Album so genannt habe wie ich heiße.
Frontstage Magazine: Das Album bewegt sich zwischen Selbstzweifeln und Empowerment – wie bist du beim Songwriting mit diesen Gegensätzen umgegangen?
Christin Nichols: Diese Gegensätze bestimmen mein Leben seit ich denken kann. Ich fühle unheimlich stark. Es passiert immer sehr viel emotional bei mir. Und das ist zwar oft heftig, aber eben auch oft sehr schön. Ohne diese Dialektik geht es nicht.
Frontstage Magazine: Themen wie PMDS, mentale Gesundheit und gesellschaftliche Strukturen spielen eine große Rolle – wie wichtig ist es dir, solche Inhalte bewusst in deine Musik einfließen zu lassen?
Christin Nichols: Auch das passiert mir eher, als dass ich es plane. So richtig bewusst plane ich meine Inhalte und Themen gar nicht. Ich freu mich aber sehr, dass Leute über neurologische Erkrankungen wie PMDS sprechen oder sich informieren, wenn sie davon durch mich erfahren. Verbindungen schaffen ist essenzieller Bestandteil meiner Kunst. Verbindungen und Hoffnung. Ich nenne meine Musik mittlerweile „Hopecore“.
Frontstage Magazine: Musikalisch verbindest du Post-Punk, Indie-Rock und Popmelodien – wie hat sich dein Sound im Vergleich zu „I’m Fine“ weiterentwickelt?
Christin Nichols: Ich glaube, der Sound ist noch roher, noch kompromissloser und weniger poppig. Obwohl ich eingängige Melodien sehr mag. Und solche finden sich auch auf dem Album. Diese treffen dann auf Gitarrenwände, kompromittierendes Schlagzeug und schiebenden Bass mit etwas Synthies. Und das gefällt mir daran. Da wird es spannend und ich habe Lust, zu entdecken.
Frontstage Magazine: Du sprichst davon, dass dieses Album deine Essenz einfängt – gab es Momente im Studio, in denen du besonders gemerkt hast, dass du etwas sehr Persönliches erschaffst?
Christin Nichols: Aber klar. Immer wieder. Bei jeden Song. Die Songs sind alle sehr anders in ihren Emotionen und Farben, aber alle fangen einen Teil von mir ein. „Alles ist falsch“ liebe ich zum Beispiel gerade besonders. Der Song handelt davon, plötzlich zu denken „Ich habe nur falsche Entscheidungen im Leben getroffen und nun komm ich nicht mehr hier raus“. Und „Spotlight“ – der geht unheimlich nach vorne. Da liebe ich die Gitarren so. Oder „Chelsea Boots“. Da singe ich mehr als bei jedem Song bislang. Der Song gibt mir das Gefühl, dass ich fliege. Die Synthies schieben einen in den Modus „Heute ist mal wirklich alles gut“. Perfekter Dachterassen Song! Hilfe ich kann mich nicht entscheiden.
Frontstage Magazine: Mit der kommenden „Heute ist mal wirklich alles gut“-Tour bringst du das Album auf die Bühne – wie möchtest du diese emotionale Bandbreite live transportieren?
Christin Nichols: Live geben meine Band und ich immer 110%. Ich wünsche mir, dass das Publikum jeden Abend glücklich, verschwitzt, lächelnd und beseelt nach Hause geht. Wir vergessen kurz zusammen den Alltag und connecten uns alle und vertrauen uns. Das wird groß.
22.04. – München – Milla
Christin Nichols Live 2026
23.04. – Stuttgart – Werkstatthaus
24.04. – Mainz – Schon Schön
01.05. – Husum – Speicher
02.05. – Münster – Gleis 22
06.05. – Leipzig – Neues Schauspiel
07.05. – Berlin – Lido
08.05. – Erlangen – Unter einem Dach Festival
04.06. – Hannover – Faust
05.06. – Köln – Jaki
06.06. – Hamburg – Molotow
Fotocredit: Bella Lieberberg