Das Trio GiGi Girls besteht aus Laura Mancini, Janosch Pugnaghi und Hannah Berle. Erstere beiden lernten sich 2021 in einer Kölner Tanzbar kennen. 2023 entstand aus ihrer gemeinsamen Begeisterung für Italo-Pop und visueller Popästhetik dann die Idee, eine eigene Band zu gründen, woraus sich noch im selben Jahr das Projekt GiGi Girls entwickelte. Anlässlich ihres Album-Releases standen uns die GiGi Girls Rede und Antwort.
Frontstage Magazine: Italo-inspirierter Pop erlebt gerade einen ziemlichen Hype. Bands wie Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys feiern große Erfolge. Da liegt schnell der Vorwurf nahe, man springe einfach auf einen Trend auf. Wie geht ihr damit um und was macht euren Ansatz eigenständig?
GiGi Girls: Das Projekt ist aus einem spontanen Impuls heraus entstanden, nicht weil Italo-Pop gerade ein Ding ist. Für uns ist es ein Raum, in dem wir unsere Leidenschaft für Italo-Pop frei und spielerisch ausleben können – mit Humor und ohne uns an irgendetwas orientieren zu wollen. Unser Sound entsteht aus ganz unterschiedlichen Einflüssen und ist von verschiedenen
Jahrzehnten inspiriert. Dabei gehört für uns zur Musik immer auch eine visuelle Ebene – wir denken Songs fast schon in Bildern. Laura: Ich singe auf Italienisch, weil ich Halb-Italienerin bin. Das ist nichts Konstruiertes, sondern Teil meiner Geschichte, die ich kreativ weiterleben möchte
GiGi Girls: Am Ende geht es uns darum, einfach das zu machen, worauf wir Lust haben.
Frontstage Magazine: Woran erkennt man sofort: Das sind die GiGi Girls und nicht einfach „noch eine Italo-Pop-Band”?
GiGi Girls: Unsere Songs erzählen viel von Romantik und Erinnerungen – meist mit einem Augenzwinkern. Dabei überzeichnen wir das Romantische oft und gleichzeitig liegt darunter immer auch etwas Melancholisches. Wir haben dabei keine Angst vor Kitsch oder emotionaler Direktheit, das gehört für uns zur Retro-Ästhetik dazu und spiegelt sich auch in unserer Bühnenperformance wider. Auch die visuelle Ebene spielt eine große Rolle: Mit unseren Videos, die Janosch konzipiert und
mit viel Liebe umsetzt, entsteht unser „GiGi-Mondo“- eine Welt, in der wir musikalisch und audiovisuell kleine Geschichten erzählen.
Frontstage Magazine: Gab es einen konkreten Moment oder Song, bei dem ihr gemerkt habt: Das ist jetzt wirklich unser Stil?
GiGi Girls: Einen klaren Moment gab es eigentlich nicht. Wir haben eher gemerkt, dass unser Weg darin liegt, verschiedene Facetten von Italo-Pop auf unsere eigene Art zu interpretieren und unseren Stil dabei frei weiterzuentwickeln.
Was sich durch alle Songs zieht, ist ein bestimmtes Grundgefühl – etwas Verspieltes und Melancholisches. Genau das macht für uns die GiGi Girls aus.
Frontstage Magazine: Wie findet ihr die Balance zwischen 80s-Nostalgie und dem Anspruch, etwas Neues zu schaffen?
GiGi Girls: Wir sind große Retro-Fans und lieben die 80er, lassen uns aber von ganz unterschiedlichen Jahrzehnten inspirieren – von den 60ern bis in die 2000er. Die Balance entsteht ganz intuitiv, indem wir Einflüsse aufgreifen, aber immer versuchen, daraus etwas Eigenes zu machen.
Frontstage Magazine: Euer Debütalbum heißt „Greatest Hits” – steckt dahinter Humor, Kritik an Popmechanismen oder ein künstlerisches Statement?
GiGi Girls: Vor allem Humor: Die Idee, direkt mit einem „Best-of“-Titel zu starten, fanden wir einfach witzig – auch als kleine Hommage an die großen Popstars der 80er.
Frontstage Magazine: Wie entsteht bei euch ein typischer Song aus einem Beat, einer Melodie oder einer Stimmung heraus?
GiGi Girls: Meistens ziemlich spontan. Wir setzen uns zusammen, spielen herum und lassen uns von den Songs überraschen. Janosch bringt erste Beats und Soundideen ein, wir jammen zusammen, Laura singt erste Melodien und Textideen ein und daraus entwickeln sich die Songs. Die Produktion übernimmt am Ende Janosch. Unser Album ist hauptsächlich in unserem „GiGi- Bootcamp” entstanden: im Haus von Lauras Familie in Italien. Dort hatten wir Zeit und Ruhe, uns ganz auf die Musik zu konzentrieren.
Frontstage Magazine: Euer mehrstimmiger Gesang ist sehr prägend, war das von Anfang an geplant? GiGi Girls: Laura übernimmt bei uns die Lead-Stimme, während Hannah auf dem Album die Backings singt zwei weibliche Stimmen waren von Anfang an Teil der Idee. Live singen wir viele Songs gemeinsam. Wir haben große Lust, noch intensiver mit mehrstimmigen Gesangsharmonien zu experimentieren.
Parallel dazu sind unsere ersten Kollaborationen entstanden: „Il Futuro“ gemeinsam mit Jaakko Eino Kalevi, „L’Anima“ mit John Moods. Die Zusammenarbeit hat uns viel Spaß gemacht und wir träumen schon von weiteren Kollaborationen.
Frontstage Magazine: Ihr sprecht von der „GiGi Energy” auf der Bühne, unterscheidet sich eure Musik live bewusst von den Studioaufnahmen?
GiGi Girls: Ja, ganz klar. Wir wollen Tanzchoreografien und Performance-Elemente immer stärker in unsere Shows einbauen, das gibt der Musik live eine ganz andere Dynamik. Zusammen mit Hannah wollen wir Bühnenpräsenz und Choreografien weiter ausbauen. Auch die Outfits sind Teil der Show. Wir performen zum Beispiel in 80s-Hochzeitskleidern, weil wir den Look lieben. Aber nicht, weil wir ans Heiraten denken. Das alles gehört zur “GiGi Energy”.
Das Wichtigste aber: Unsere Fans sollen sich als Teil dieser „GiGi Energy” fühlen. Sie entsteht im gemeinsamen Moment, zwischen uns und dem Publikum.
Frontstage Magazine: Eure Musik wirkt gleichzeitig verspielt und melancholisch. Wie wichtig ist euch dieses Spannungsfeld?
GiGi Girls: Für uns liegt genau darin die Ehrlichkeit, dass Dinge gleichzeitig leicht und schwer sein können. Gerade bei Themen wie Liebe, Identität oder Erinnerungen ist selten alles eindeutig. Dieser Kontrast gibt uns musikalisch viel Freiheit – und genau das reizt uns
Frontstage Magazine: Wenn der Italo-Pop-Hype irgendwann abebbt: Glaubt ihr, dass eure Musik trotzdem Bestand hat?
GiGi Girls: Weil sie aus etwas Persönlichem heraus entsteht und nicht aus einem Trend. Wir wollen uns unabhängig von aktuellen Hypes weiterentwickeln und Neues ausprobieren. Laura spricht verschiedene Sprachen – dadurch kann sich die GiGi-Welt immer weiter ausweiten. Einen festen Plan gibt es nicht. Wir schauen, was kommt – mit Neugier und „Leggerezza“, also
einer gewissen Leichtigkeit. So gehen wir eigentlich an alles heran.
Fotocredit: Marcel Sygula