MAIKA meldet sich mit „Senza Padrone Baby“ mit einem Album zurück, das sich nicht entscheiden will, ob es Club, Protest, Kunstlied oder Pop sein möchte — und genau darin liegt seine Stärke. Das zweite Soloalbum von Maika Küster wirkt wie ein Gegenentwurf zu glatter Zugänglichkeit: komplex, rhythmisch nervös, aber immer wieder von Melodien durchzogen, die sich hartnäckig festsetzen.
Schon der Opener „Michek’s House Party“ macht klar, dass dieses Album nicht gemütlich einsteigt. Spoken-Word, ein textliches Fundament irgendwo zwischen Klassenbewusstsein und Dancefloor-Manifest, dazu dieser Überlapp von Intro und Stimme – das ist kein klassischer Songbeginn. MAIKA baut erst Atmosphäre, dann Druck auf. Der Track atmet 90er-Jahre-Energie, ohne nostalgisch zu werden, und wirkt eher wie ein verdichteter Beginn eines größeren Gedankens als wie ein „normaler“ Opener.
„Levitate“ rückt anschließend etwas stärker in Richtung vertrauter Songstruktur, ohne das Album zu glätten. Hier blitzt Pop auf, aber eben in einer Form, die sich nicht anbiedert. Jazz-Anteile bleiben spürbar und doch ist das kein Stück, das auf sofortige Gefälligkeit zielt. Wer nach Radiotauglichkeit fragt, wird eher bei anderen Momenten des Albums landen — vielleicht bei „Hello“ — aber das wäre bei MAIKA ohnehin der falsche Maßstab. Eingängigkeit ist hier Mittel, nicht Zweck.
Der eigentliche Kern von „Senza Padrone Baby“ liegt im Quasi-Titeltrack „Senza Padroni Baby“ . Hier verdichtet sich das Album zu dem, was es im besten Fall sein will: kunstvoller, schmissiger Pop mit italienischer Leichtigkeit, der sprachlich und musikalisch zwischen mehreren Räumen pendelt. Wenn MAIKA singt — „Noi ci leviamo dalle ceneri“ — dann klingt das nicht wie ein Parolenrefrain der dem Italotrend nacheifert, sondern vollkommen organisch.
Was „Senza Padrone Baby“ so interessant macht, ist die Art, wie MAIKA Komplexität nicht versteckt, sondern ausstellt. Das Album klingt nach einer Künstlerin, die genau weiß, was sie tut, und die trotzdem nichts von ihrem Risiko verliert. Die Einflüsse aus 90er-Sounds, Jazz, Pop und Spoken Word werden nicht säuberlich getrennt, sondern in einen Zustand gebracht, in dem sie miteinander arbeiten müssen.
Am Ende bleibt ein Album, das sich nicht klein machen will, um leicht verdaulich zu sein. „Senza Padrone Baby“ ist weder bloß experimentell noch bloß poppig, sondern beides mit voller Absicht. Und genau deshalb bleibt es hängen.
Fotocredit: Lenja Kempf