13SUNS, das Dresdner Quintett setzt auf genau jene Mischung aus Unruhe, Melancholie und trockenem Witz, die schon auf der Debüt-EP angelegt war, hier aber deutlich größer, breiter und zugleich schiefer ausfällt. Wo früher noch Teenagerhymnen mit Kneipencharme gegeneinander antraten, ist nun ein „richtiges“ Album entstanden.
Der Titel wirkt erst einmal wie eine Ansage aus einem surrealen Theaterstück, und genau so bewegt sich die Platte auch. 13SUNS lassen ihre Songs durch Räume stolpern, in denen Erinnerung und Gegenwart nicht sauber voneinander zu trennen sind. 90er-Indie-Unruhe trifft auf neonschwarze Melancholie. Ein bisschen Nostalgie, eine Prise Gegenwart. Geordnet wurde das alles von Kurt Ebelhäuser, der hier seine Hand angelegt hat, und das ist bei einer Platte wie dieser ein uneingeschränktes Qualitätsmerkmal. Seine Beteiligung sorgt für Glaubwürdigkeit, weil man sofort spürt, dass hier rohe Ideen nicht glattgebügelt, sondern mit Erfahrung und Gespür in Form gebracht wurden.
Der instrumentale Opener „Samba & Iboprofen“ klingt dabei ziemlich genau so, wie man es vom Titel erwarten würde: ein bisschen schief, ein bisschen beschwingt, leicht angeschlagen und mit diesem eigenwilligen Charme, der sofort klar macht, dass 13SUNS keinen geraden Einstieg suchen. Bereits bei „Confidental Matter“ wird es dann kniffliger. Der Song hat ordentlich Wumms und genügend Melodie, um hängen zu bleiben, doch bei der Gesangsstimme braucht man zunächst etwas Geduld. Die Refrains gehen deutlich leichter ins Ohr und sorgen für eine gewisse Zugänglichkeit.
Dennoch ziehen sich durch das gesamte Album immer wieder Brüche, die es dem unbedarften Hörer nicht einfach machen. Instrumentalstücke („Enttäuschte Herzen haben scharfe Zähne“) oder verkopfte Titelnamen („Die stummen Gesänge der Höhlenzikaden“) stellen den Konsumenten vor die ein oder andere ungeahnte Herausforderung.
Musikalisch verweigert sich das Album jeder sauberen Schublade. Britpop-Verwandtschaft, Indie-Kantigkeit, melodischer Popappeal und aufgeschürfte Gitarren laufen hier nicht gegeneinander, sondern ineinander. Dazu kommt dieser trockene Humor, der verhindert, dass die Platte jemals in Pathos erstarrt.
Dass „Särge, Erde, Damen & Herren“ im bandeigenen Tortenklang Studio entstanden und später von Kurt Ebelhäuser (Mix) sowie Andi „Doc Young“ Jung (Master) weiter veredelt wurde, hört man der Platte an. Sie klingt nicht poliert, sondern bewusst geformt.
Fotocredit: Axel Matz