Mit „Everything Matters, Nothing Matters“ veröffentlichen So Soon am 16. Oktober über Clouds Hill ihr zweites Studioalbum. Das Duo um die Multiinstrumentalisten David Stöbener und Marco Braun verbindet darauf Indie-Folk, Dream-Pop, Electronica und Alternative Rock zu einem abwechslungsreichen, überwiegend melancholischen Gesamtwerk. Inhaltlich beschäftigen sich die beiden Musiker mit persönlichen Veränderungen, Unsicherheiten und den Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Musikalisch setzen sie dabei auf eine Mischung aus zurückhaltenden, beinahe intimen Momenten und überraschend großen Arrangements. Dass So Soon dabei nicht nur ein gutes Gespür für eingängige Melodien, sondern auch für ungewöhnliche Klangideen besitzen, wird bereits nach wenigen Minuten deutlich.
Musikalisch bewegen sich So Soon irgendwo zwischen Indie-Folk, Dream-Pop, Electronica und atmosphärischem Alternative Rock. Und sie haben hörbar Spaß daran, diese Welten miteinander zu verbinden. Schon der Opener „Be My Guest“ macht deutlich, wohin die Reise gehen könnte. Zunächst beginnt die Nummer etwas getragen, beinahe vorsichtig, bevor sich immer mehr musikalische Schichten auftürmen. Besonders auffällig ist dabei ein ausgesprochen hoch singender Chor, der dem Song eine fast schon sakrale Atmosphäre verleiht. Ob hier tatsächlich Kinderstimmen zu hören sind, lässt sich nicht eindeutig sagen, aber die Wirkung ist jedenfalls beeindruckend. Darüber brezeln plötzlich herrlich verzerrte Gitarren, die durchaus Erinnerungen an Muse wachrufen. Eine Kombination, die auf dem Papier vielleicht etwas merkwürdig klingt, als Albumauftakt aber hervorragend funktioniert. So Soon zeigen direkt, dass sie nicht nur schöne Melodien schreiben, sondern auch ein ziemlich gutes Gespür für große musikalische Momente besitzen.
Mit „It’s Just Fear“ nehmen die beiden anschließend wieder etwas Tempo heraus. Hier fühlt man sich eher an die ruhigeren, verträumteren Momente von M83 erinnert. Elektronische Klangflächen, zurückhaltende Melodien und diese wunderbar schwebenden Gesangsharmonien sorgen für eine Atmosphäre, in der man sich ziemlich schnell verlieren kann. Bemerkenswert ist dabei, dass die Nummer sogar noch ein eigenes Outro spendiert bekommt. Wo andere Bands längst zum nächsten Song übergegangen wären, lassen So Soon ihre musikalischen Ideen lieber noch ein wenig nachwirken. Das ist durchaus bezeichnend für dieses Album: Hier scheint kaum ein Arrangement zufällig entstanden zu sein. Jeder zusätzliche Sound, jede kleine Veränderung und jeder Übergang wirkt sorgfältig durchdacht.
Dass die Musik von So Soon durchaus auch außerhalb der klassischen Indie-Blase funktioniert, zeigt „You Are“. Der Song hat mit seinen Videos auf Instagram und TikTok bereits Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Was angesichts der musikalischen Qualität auch nicht sonderlich überrascht. So Soon besitzen schließlich ein ausgesprochen gutes Händchen dafür, emotionale Melodien mit Größe auszustatten, ohne dabei gleich in die Pathos-Falle zu tappen.
Mit „Everywhere“ folgt dann einer der schönsten Kontraste des Albums. Wo zuvor noch elektronische Klangflächen und große Gitarrenarrangements dominierten, reichen plötzlich eine leise Gitarre und die Stimmen der beiden Musiker. Mehr braucht es offenbar nicht. Die Nummer erinnert in ihrer zurückgenommenen Art stark an Kings of Convenience und ist zugleich der wohl reduzierteste Song der gesamten Platte. Ein wunderschöner Moment, der nicht nur für sich genommen funktioniert, sondern auch einen musikalischen Wendepunkt markiert. Denn spätestens hier bewegt sich „Everything Matters, Nothing Matters“ zunehmend in ruhigere Gefilde.
„Would You Call Me“ knüpft an diese zurückhaltende Stimmung an, ist allerdings wieder etwas breiter instrumentiert. Inhaltlich geht es um jenen Anruf, den man seit Tagen vor sich herschiebt, obwohl man genau weiß, dass er irgendwann geführt werden muss. Eine Situation, die vermutlich jeder kennt. Musikalisch bleibt die Nummer wunderbar zart, lässt aber gleichzeitig genügend Raum für kleine Details und zusätzliche Klangfarben. Überhaupt verstehen es So Soon bemerkenswert gut, selbst vermeintlich einfache Songs mit zahlreichen kleinen Ideen anzureichern, ohne deren emotionale Wirkung zu zerstören. Auch „The Pace“, das sich mit dem Wunsch beschäftigt, dem ständigen Druck des Alltags einfach einmal zu entkommen, fügt sich in diese nachdenkliche Grundstimmung ein.
Und wer glaubt, dass die beiden Musiker damit ihr gesamtes Arsenal an ungewöhnlichen Sounds bereits ausgeschöpft hätten, wird kurz vor Schluss noch einmal eines Besseren belehrt. Da taucht plötzlich das Glockenläuten auf, das man unweigerlich mit einer Beerdigung verbindet. Ein ungewöhnliches Detail, das in der melancholischen Klangwelt des Albums allerdings erstaunlich gut aufgehoben ist. Solche Momente zeigen, wie viel Leidenschaft und Liebe zum Detail in dieser Platte stecken. David Stöbener und Marco Braun sind eben nicht nur Songwriter, sondern auch ausgesprochene Soundtüftler. Man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass hier einfach zwölf Songs aufgenommen und anschließend irgendwie aneinandergereiht wurden. Vielmehr wirkt jedes Arrangement sorgfältig überlegt, jeder Klang bewusst gesetzt und die Dramaturgie des gesamten Albums erstaunlich geschlossen.
„Everything Matters, Nothing Matters“ erscheint am 16.10.2026 via Clouds Hill auf LP, CD und digital auf allen Streaming- und Download-Plattformen. Das Album wird von einer umfassenden Tour begleitet.
LIVE DATES:
08.11.26 Berlin (DE) – Frannz Club
09.11.26 Kiel (DE) – Pumpe (Roter Salon)
10.11.26 Hamburg (DE) – Nochtspeicher
13.11.26 Dresden (DE) – Groove Station
15.11.26 Wien (AT) – Chelsea
17.11.26 Freiburg (DE) – Vorderhaus
18.11.26 Mainz (DE) – Kulturclub Schon Schön
19.11.26 Nürnberg (DE) – Club Stereo
05.04.27 Köln (DE) – Garagen
06.04.27 Münster (DE) – Café Sputnik
07.04.27 Leer (DE) – Zollhaus (Café)
08.04.27 Magdeburg (DE) – Moritzhof
09.04.27 Flensburg (DE) – Volksbad
13.04.27 München (DE) – Ampere
22.04.27 Leipzig (DE) – UT Connewitz
24.04.27 Karlsruhe (DE) – Tollhaus
Fotocredit: Albumcover / Artwork