Mit ihrem neuen Album „FRECH“ (VÖ: 14.05.2026) setzt Mariybu ein deutliches Statement gegen patriarchale Strukturen – in der Musik, im Alltag und online. Was nicht als Konzept geplant war, entwickelte sich aus persönlichen Erfahrungen zu einem Werk mit klarer Haltung und rotem Faden. Dabei verbindet Mariybu provokante Direktheit mit Humor und Ironie und schafft es, ernste Themen zugänglich und gleichzeitig wirkungsvoll zu transportieren. Als unabhängige Künstlerin, die ihre Musik selbst produziert und veröffentlicht, steht sie bewusst für Selbstbestimmung und gegen bestehende Machtstrukturen. Im Interview mit uns spricht Mariybu über die Entstehung von „FRECH“, die Rolle von Humor im Umgang mit gesellschaftlichen Themen und warum ihre Musik mehr ist als nur Unterhaltung.
Frontstage Magazine: Dein neues Album „FRECH“ wirkt wie ein sehr klares Statement gegen patriarchale Strukturen – in der Musikindustrie, im Alltag und auch im Internet. Wann hast du gemerkt, dass aus persönlichen Erfahrungen langsam ein ganzes Albumkonzept geworden ist?
Mariybu: Ich glaube, als ich etwa fünf Songs vom Album fertig hatte. Ich habe gar nicht aktiv versucht, ein Album mit diesem Schwerpunkt zu machen. Ich schreibe einfach Songs über Dinge, die mich beschäftigen, und schaue dann irgendwann, ob es einen roten Faden gibt – und welcher das ist. Eigentlich ist es traurig, dass daraus ein ganzes Album geworden ist, aber das Thema beschäftigt mich leider fast jeden Tag. Deshalb sind auch so viele Songs darüber entstanden.
Frontstage Magazine: Viele deiner Songs drehen die Perspektive bewusst um und spiegeln gesellschaftliche Doppelmoral gegenüber FLINTA*-Personen. War dir beim Schreiben von „FRECH“ wichtig, diese Erfahrungen nicht nur wütend, sondern auch mit Humor und Ironie zu verarbeiten?
Mariybu: Ja! Ich finde, wir (queere) FLINTA*s haben gerade in Bezug auf patriarchale Strukturen im Alltag oft zu wenig zu lachen. Da dachte ich mir, es schadet nicht, die ganze Sache auch mit Humor anzugehen und Partytracks darüber zu machen.
Frontstage Magazine: Du produzierst, schreibst und veröffentlichst deine Musik über dein eigenes Label. In einer Branche, die noch immer stark von männlichen Strukturen geprägt ist, wirkt das wie ein bewusst gewählter Gegenentwurf. Wie wichtig ist dir diese künstlerische und wirtschaftliche Unabhängigkeit?
Mariybu: Sehr wichtig! Ich bin sowieso ein Mensch, der gerne unabhängig ist – aber abhängig von solchen Leuten zu sein, ist für mich ein absolutes No-Go. Leider sind diese Strukturen oft von cis-Männern geprägt. Viele Producer sind cis-Männer und auch in Labels sitzen häufig Männer in den entscheidenden Machtpositionen. Ich sehe es einfach nicht ein, dass jemand an meiner Kunst mitverdient, die sich im Zweifel genau gegen solche Strukturen richtet. Ich habe das einmal kurz erlebt, als ich mit so jemandem gearbeitet habe, bin aber zum Glück schnell aus dem Vertrag rausgekommen. Das hat mir gereicht, um zu wissen: Das will ich nie wieder.
Frontstage Magazine: In der deutschsprachigen Szene entsteht gerade eine neue Generation von Künstlerinnen, die deutlich kompromissloser auftreten – etwa SXTN (auch wenn es sie nicht mehr gibt), 6euroneunzig oder Ikkimel. Fühlst du dich als Teil dieser Bewegung, die weibliche Perspektiven im Rap und Hyperpop neu formuliert?
Mariybu: Ja, auf jeden Fall! Ich würde sagen, wir sind alle Kinder von SXTN und wirbeln die Gesellschaft ordentlich durcheinander – und das ist auch gut so. Einfach mal den Stock aus dem Arsch ziehen und feministische Ansagen machen.
Frontstage Magazine: Auf „FRECH“ versammelst du auch mehrere Feature-Gäste aus genau dieser Szene. War es dir wichtig, das Album nicht nur als persönliches Statement zu sehen, sondern auch als eine Art kollektiven Raum für queerfeministische Stimmen?
Mariybu: Ich hätte sogar noch gerne mehr Features auf dem Album gehabt – natürlich nur FLINTA*s – aber die Songs sind zeitlich nicht mehr fertig geworden. Also ja, ich finde es super, mit anderen zusammenzuarbeiten, weil wir uns gegenseitig pushen. Außerdem macht es viel mehr Spaß, gemeinsam zu feiern, zu provozieren und die Songs zu zelebrieren. Gemeinsame Erfolge sind einfach schöner als allein.
Frontstage Magazine: Deine Texte sind oft provokant, sehr direkt und gleichzeitig stark satirisch. Denkst du, Humor kann manchmal mehr bewirken als reine Konfrontation, wenn es darum geht, patriarchale Denkmuster sichtbar zu machen?
Mariybu: Ich glaube, Humor ist eines der mächtigsten Stilmittel für Veränderung. Durch Lachen entsteht Leichtigkeit und Offenheit – und ich denke, so erreicht man oft mehr als mit erhobenem Zeigefinger. Wenn ich mich angegriffen fühle, mache ich auch erstmal dicht. Aber gute Comedy bringt mich oft zum Nachdenken, weil sie mich auf einer anderen Ebene abholt.
Frontstage Magazine: Wenn man sich „FRECH“ als Gesamtwerk anschaut: Ist dieses Album für dich eher ein Befreiungsschlag – oder eher der Startpunkt für eine noch radikalere künstlerische Phase deiner Karriere?
Mariybu: Haha, gute Frage. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Wir schauen einfach mal, was kommt – aber ich glaube, es wird ab jetzt nur noch frecher.
Mariybu auf Tour:
24.09.26 Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld
26.09.26 Frankfurt, Zoom
27.09.26 Göttingen, Musa
02.10.26 Leipzig, Werk2
03.10.26 Wien, Flex
04.10.26 München, Ampere
08.10.26 Hannover, Faust
09.10.26 Karlsruhe, Substage
10.10.26 Freiburg, Jazzhaus
11.10.26 Zürich, Exil
16.10.26 Hamburg, Übel & Gefährlich
17.10.26 Bremen, Lagerhaus
18.10.26 Münster, Skaters Palace
07.11.26 Berlin, Festsaal Kreuzberg
Fotocredit: Albumcover / Artwork