Mit ihrer neuen EP „Nicht mehr weh“, die am 08. Mai erscheint, schlägt das deutschsprachige Duo Fullax, bestehend aus Julian Giese und Jonas Hoppe, ein Kapitel auf, das weniger grübelt und dafür umso mehr glänzt. Das Duo aus Kassel verabschiedet sich von der schweren Indie-Melancholie und tauscht diese gegen Bewegung, Überzeichnung und einen kontrollierten Exzess, der sich anfühlt wie der Soundtrack zu einem unbeschwerten, aber leicht flimmernden Sommernachtstraum. Musikalisch öffnet sich die Band dabei weit: French-House-Ästhetik trifft auf warme 70s-Streicher, während sich der hedonistische Geist der goldenen Ed-Banger-Ära mit der zeitlosen Pop-Eleganz von ABBA paart. Fullax seziert hier nicht mehr die Welt, sondern zelebriert die Oberfläche – ein mutiger Schritt, der die EP zu einem glänzenden Plädoyer für den puren Pop macht.
Ein Klangbild zwischen Club-Ekstase und emotionaler Distanz
Diese neue musikalische Ausrichtung von Fullax zeigt sich in der Dynamik der fünf Songs, die eine enorme Sogwirkung entfalten. Den Auftakt macht „Du willst es“, das mit einem stoischen, minimalistischen Loop die moderne Suche nach Intensität inmitten von emotionaler Abstumpfung perfekt einfängt. Nahtlos daran schließt „Weh“ an, das zur Hymne einer neuen, euphorischen Gleichgültigkeit avanciert; der Mix aus rohem Indie-Rock-Drive und opulenten Streichern liefert den idealen Rahmen für die Geschichte eines emotionalen Burnouts, der hier zynisch, aber unglaublich tanzbar verhandelt wird. Das zentrale Spannungsfeld zwischen pulsierender Party-Oberfläche und innerer Müdigkeit erreicht seinen Höhepunkt in „Sad Disco“, das die Dancefloor-Ästhetik der 2000er Jahre gekonnt zitiert und den Wunsch, Gefühle durch Bewegung zu überdecken, atmosphärisch dicht untermalt. Einen glanzvollen Moment bietet daraufhin „Côte d’Azur“, das mit Disco-Vibes und einer bewussten Überzeichnung von Kitsch in eine Traumwelt entführt, nur um gegen Ende in einer wunderschönen, ruhigen Melancholie zu versinken. Den experimentellen Abschluss bildet schließlich „Epilogue“, das dem elektronischen Instrumental über zwei Minuten Raum gibt, bevor leiser Gesang und ein treibender Beat in einen psychedelischen Schwebezustand führt, der den Zuhörenden abrupt, aber passend zurück in die Realität entlässt.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fullax mit „Nicht mehr weh“ ein beeindruckender Wandel gelungen ist. Indem das Duo die ironische Club-Attitüde perfektioniert und Melodieseligkeit zum Leitmotiv erhebt, beweist es, dass Pop keine tiefschürfende Erklärung braucht, um tief zu berühren. Diese EP ist ein mutiger Befreiungsschlag, der unterstreicht, dass es manchmal gerade die Pose ist, die die größte Wahrheit offenbart. „Nicht mehr weh“ macht nicht nur Lust auf den nächsten Clubbesuch, sondern etabliert Fullax als eine Band, die es meisterhaft versteht, das Schwere leicht aussehen zu lassen – eine rundum gelungene Produktion, die man gehört haben muss.
FULLAX – NICHT MEHR WEH TOUR 2026
19.05.2026 – Berlin, Kulturhaus Insel
20.05.2026 – Göttingen, Nörgelbuff
21.05.2026 – Frankfurt am Main, Ponyhof
22.05.2026 – Kassel, Schlachthof
Fotocredit: Albumcover / Artwork