Wenn die raue Urkraft der mongolischen Steppe auf das donnernde Fundament des modernen Heavy Metal trifft, entsteht eine Magie, der sich kaum jemand entziehen kann. Seit ihrer Gründung im Jahr 2016 hat die vierköpfige Kerngruppe THE HU die weltweite Musiklandschaft im Sturm erobert. Mit traditionellen Instrumenten wie der Pferdekopfgeige (Morin Khuur) oder der mongolischen Gitarre (Tovshuur) sowie ihrem tief vibrierenden Kehlkopfgesang (Hömij) kreierten sie ein eigenes Genre: den „Hunnu Rock“. Nach viralen Millionen-Erfolgen, weltweiten Chartplatzierungen und prestigeträchtigen Auszeichnungen – wie der Ernennung zu UNESCO-„Künstlern für den Frieden“ – steht nun der nächste Meilenstein an. Am 24. Juli 2026 veröffentlichen Galaa, Jaya, Enkush und Temka über Better Noise Music ihr heiß ersehntes drittes Studioalbum „HUN“. Benannt nach dem mongolischen Wurzelwort für „Mensch“, zeigt das Werk eine Band auf dem absoluten Höhepunkt ihrer kreativen Schaffenskraft, bereit, das Publikum auf eine epische, elfteilige Reise mitzunehmen.
Urgewalt und moderne Brüche: Der furiose Albumstart
Der Einstieg in das Album gelingt The HU mit „Warrior Chant“ absolut kompromisslos. Der Track verzichtet auf verspielte Schnörkel und etabliert nach einem kurzen instrumentalen Einstieg ein klares, rhythmusbetontes Fundament. Strukturierte Strophen mit tiefem Kehlkopfgesang wechseln sich mit chorischen Antworten ab, während die markanten „Hu“-Rufe wie ein Refrain immer wiederkehren. Die Dynamik steigert sich schrittweise durch zusätzliche Gesangsschichten und kurze Solopassagen der Pferdekopfgeige, deren Melodien den Bewegungsrhythmus eines galoppierenden Pferdes imitieren, bevor der Song in einem kraftvollen Schlussabschnitt gipfelt – eine kriegerische Hymne auf Tugenden wie Ehre, Loyalität und innere Stärke.
Diese unbändige Energie wird in der digitalen Bonus-Version von „Lost Soul“ durch das Feature mit Jonny Hawkins (Nothing More) um eine moderne, hochemotionale Rock-Komponente erweitert. Dem klassischen Aufbau aus atmosphärischem Intro, Strophen und eingängigen Refrains verleiht Hawkins‘ melodischer Gesang eine packende Emotionalität, die sich im Zusammenspiel mit den rauen Kehlgesängen von The HU intensiv mit inneren Kämpfen und der Suche nach Orientierung auseinandersetzt.
Zwischen Ritual und cinematischen Kontrasten
Majestätisch und tief in der mongolischen Philosophie des inneren Geistes verwurzelt, schließt sich „The Men“ an. Der Song beginnt mit traditionellen mongolischen Saiteninstrumenten, bevor schwere, groovende Gitarren und rhythmische Trommeln einsetzen, die dem Stück einen fast zeremoniellen Charakter verleihen, der sich über mehrere Strophen und Chant-Passagen bis zu einem gewaltigen Finale steigert.
Einen bewussten atmosphärischen Gegenpol setzt daraufhin „Echoes Of My Father“. Das Stück besticht durch ein sehr eingängiges, warmes Instrumental, zu dem sich eine tiefe Gesangsstimme gesellt. Zur Songhälfte sorgt eine zweite, extrem tiefe Gesangsstimme für Gänsehaut-Abwechslung, ehe sich am Ende eine tief gesprochene Stimme über die treibenden Klänge legt und den Song fließend in das energiegeladene „Shadow“ übergehen lässt. Hier bestimmen treibende Drums, perfekt eingespielte Gitarrenriffs und eine leicht aggressive, eindringliche Stimme die Szenerie, wodurch The HU eine ganz eigene, packende Grundstimmung kreieren, die abrupt endet.
Das Gaspedal im Anschlag: Härte und Ohrwurm-Garantie
Das Tempo bleibt auch bei „Horsemen“ hoch, das nach einem atmosphärischen Beginn mit extrem treibenden Drums und technisch anspruchsvollen Metal-Riffs aufwartet, die wunderbar mit den tiefen mongolischen Vocals kontrastieren, bevor das Instrumental zum Ende noch einmal massiv an Fahrt aufnimmt und jäh abbricht. Dem folgt das hypnotische „Greed“, dessen ansteckender Rhythmus und die tiefen Stimmen für viel emotionale Tiefe sorgen. Besonders im Refrain nisten sich die perfekt eingespielten Gitarrenriffs und die packende Melodie sofort im Gehörgang ein, ehe die Nummer langsam ausläuft.
Dass The HU auch die härtere Gangart beherrschen, beweist das temporeiche „The Real You“. Mit einem klassischen Metal-Aufbau aus treibenden Gitarren, schnellem Tempo, kraftvollen Trommeln und instrumentalen Zwischenteilen entsteht ein dichtes, fast bedrohliches Klangbild, das inhaltlich zu ehrlicher Selbstreflexion auffordert.
Das große Finale: Die Unendlichkeit des Kosmos
Einen helleren, landschaftlich weiten Vibe transportiert „Grey Hun“. Über einen klassischen Rockaufbau mit wiederkehrenden Chant-Passagen und dynamischen Instrumentalteilen erzeugen tiefe Kehlgesänge und kraftvolle Percussion das Bild eines Reiters in der Steppe – eine positive Hymne auf die Selbstakzeptanz.
Das unbestrittene Herzstück des Albums ist jedoch das monumentale, fast neunminütige „Universe“. Der Song nimmt sich zu Beginn viel Zeit für ein cineastisches, atmosphärisches Intro, ehe die warme, raue Stimme und der hypnotische Kehlkopfgesang einsetzen. Meisterliche Gitarrenriffs sorgen für Abwechslung, während sich der dichte, rituelle Sound immer weiter aufbaut und die Hörenden sanft zum großen Finale des Albums leitet. Den krönenden Abschluss bildet schließlich „Second Face“. Die Nummer bündelt noch einmal alle Trademarks von The HU in einem hymnenartigen Uptempo-Ritt aus treibenden Drums, ansteckenden Riffs und markanten Rhythmen, begleitet das Publikum bis zum letzten Ton und entlässt es nach einem abrupten Stopp und einem abschließenden Lachen tief beeindruckt zurück in die Realität.
Fazit
Mit „HUN“ ist The HU ein absolut packendes und rundum stimmiges Gesamtkunstwerk gelungen. Die Band schafft es meisterhaft, die Brücke zwischen jahrhundertealter Kultur und modernem, druckvollem Rock-Sound noch ein Stück breiter zu bauen. Das Album wirkt reifer, dynamischer und in den entscheidenden Momenten noch epischer als seine Vorgänger. Wer diese cineastische Energie live erleben möchte, hat auf der anstehenden Europatournee im Herbst oder als Support der legendären Iron Maiden im Juli die perfekte Gelegenheit dazu. „HUN“ ist ein Pflichtkauf für Fans und ein faszinierendes Statement für die universelle Kraft der Musik.
The HU – Live im deutschsprachigen Raum:
15.10.2026 – Hamburg, Sporthalle
17.10.2026 – München, Tonhalle
18.10.2026 – Berlin, Columbiahalle
22.10.2026 – Köln, Palladium
30.10.2026 – Zürich, X-tra
Fotocredit: Albumcover / Artwork