36 Jahre später: Warum der Blick zurück zeigt, wie weit BETONTOD gekommen sind
Es ist ein ungewöhnlicher Vergleich, aber genau deshalb wollten wir ihn ziehen: Nach 36 Jahren Bandgeschichte stellen wir das neue Album „Wir fangen jetzt erst an!“ ganz bewusst den ersten Schritten von BETONTOD gegenüber. Nicht, weil sich eine Band nach mehr als drei Jahrzehnten an ihren Anfängen messen lassen müsste, sondern weil kaum etwas die Entwicklung deutlicher sichtbar macht als Anfang und Gegenwart. Dazwischen liegen unzählige Konzerte, Erfahrungen, Veränderungen und eine Karriere, die aus einer Punkband eine feste Größe der deutschen Szene gemacht hat.
Wo die ersten Werke noch von der unmittelbaren Energie einer jungen Band lebte, wirkt „Wir fangen jetzt erst an!“ wie die Arbeit von Musiker:innen, die genau wissen, wer sie sind und wo die Reise hingeht. Die Grundhaltung ist geblieben, doch die Art, sie auszudrücken, hat sich verändert. BETONTOD müssen heute weder besonders laut auftreten, um Entschlossenheit zu vermitteln, noch ihre Vergangenheit kopieren, um nach sich selbst zu klingen. Das neue Album besitzt Selbstbewusstsein, ohne sich auf dem eigenen Status auszuruhen.
Gerade im direkten Vergleich mit den Anfängen fällt auf, wie sehr sich das emotionale Spektrum erweitert hat. Die Energie des Punkrocks bildet weiterhin das Fundament, bekommt inzwischen jedoch deutlich mehr Raum für Nachdenklichkeit, Verletzlichkeit und Zwischentöne. Verlust, Freundschaft, Abschied, Hoffnung und das Weitermachen prägen die Platte, ohne dass daraus ein sentimentaler Rückblick auf eine lange Karriere wird. Stattdessen entsteht der Eindruck einer Band, die ihre Erfahrungen nicht als Gepäck, sondern als Bestandteil ihrer heutigen Identität versteht.
Auch musikalisch zeigt sich die Distanz zwischen damals und heute. Was am Anfang zwangsläufig rauer und unmittelbarer wirkte, besitzt auf der aktuellen Platte eine wesentlich größere Kontrolle über Dynamik und Wirkung.
Genau hier wird unser bewusst gewählter Vergleich zwischen dem ersten und dem aktuellen Werk besonders interessant. 36 Jahre verändern zwangsläufig eine Band. Entscheidend ist jedoch, was diese Veränderung mit ihrem Kern macht. Bei BETONTOD ist dieser Kern weiterhin deutlich erkennbar. Die Direktheit der Anfangsjahre ist nicht verschwunden, sondern erwachsener geworden. Aus jugendlicher Dringlichkeit ist eine Haltung entstanden, die von tatsächlicher Erfahrung getragen wird.
Vielleicht ist das Album deshalb gerade kein klassisches Spätwerk. Es klingt nicht danach, als wollten BETONTOD ihre Geschichte zusammenfassen oder einen Schlussstrich unter irgendeine Epoche ziehen. Vielmehr nutzt die Band ihre Vergangenheit als Ausgangspunkt für das, was noch kommen kann und verpackt dies in 13 Songs.
Wer die ersten Tracks von Betontod und „Wir fangen jetzt erst an!“ unmittelbar hintereinander hört, begegnet zwei vollkommen unterschiedlichen Zeitpunkten derselben Band. Dazwischen liegen bis zu 36 Jahre – und genau diese Distanz macht den Vergleich spannend.
„Wir fangen jetzt erst an!“ ist damit vor allem ein Album über Bewegung. Nicht zurück zu früher, sondern weiter. BETONTOD versuchen nicht, noch einmal die Band ihrer Anfangstage zu sein. Sie zeigen vielmehr, was aus dieser Band geworden ist. Nach 36 Jahren ist das vielleicht die überzeugendste Form von Punkrock: nicht krampfhaft jung bleiben zu wollen, sondern sich weiterzuentwickeln, ohne die eigene Haltung zu verlieren.
BETONTOD – WIR FANGEN JETZT ERST AN! TOUR 2026
Special Guests: Rogers & Janiz (ausgew. Termine) 02.10. Venlo (NL) · Grenswerk
03.10. Osnabrück · Rosenhof
09.10. Wiesbaden · Schlachthof
10.10. München · Tonhalle
16.10. Leipzig · Haus Auensee
17.10. Berlin · Columbiahalle
23.10. Köln · Palladium
24.10. Hamburg · Georg Elser Halle
30.10. Stuttgart · Wagenhallen
31.10. Zürich (CH) · Komplex 457
Tourveranstalter: FKP Scorpio
Fotocredit: Albumcover / Artwork