Wer die magische Anziehungskraft der Kölner Band AnnenMayKantereit hautnah erleben wollte, musste am 18.07.2026 den Weg in den restlos ausverkauften SparkassenPark in Mönchengladbach antreten. Unter einem sommerlich bewölkten Himmel braute sich bereits Stunden vor dem offiziellen Einlass eine spürbare Elektrizität zusammen, als Musikbegeisterte jeden Alters das Gelände stürmten, um sich die besten Plätze vor der Bühne zu sichern. Das Versprechen dieses Abends war schlichtweg zu verlockend: Die Kölner Pop-Rock-Größen AnnenMayKantereit luden im Rahmen ihrer Live-Tour 2026 zum kollektiven Träumen und Tanzen – und hatten mit der Ausnahmekünstlerin Dilla ein Vorprogramm im Gepäck, das die ohnehin riesige Vorfreude endgültig ins Unermessliche steigerte. Zwischen kühlen Getränken und frisch ergattertem Merchandise lag ein kollektives Lächeln in der Luft, das den perfekten Nährboden für ein unvergessliches Open-Air-Erlebnis bildete. Pünktlich um 17:30 Uhr öffneten sich die Tore, und das Areal füllte sich in Windeseile mit einer spürbar glücklichen und erwartungsvollen Menge.
Dilla: Genre-Feuerwerk und intime Gänsehaut
Pünktlich um 20 Uhr wurde das bereits dicht gedrängte Publikum von einer der spannendsten Stimmen der aktuellen Pop- und Indie-Szene abgeholt. Dilla, die mit Genregrenzen von Elektropop über Techno-Punk bis hin zu NDW-Vibes spielt, betrat nach ihrer zweiköpfigen Band mit einem Weinglas, einem strahlenden Lächeln und einer unübersehbaren Bühnenpräsenz das Rampenlicht. Schon beim Opener „Star“ zeigte sich die enorme Live-Qualität der Musikerin, die jeden Zentimeter der Bühne dynamisch ausnutzte, ununterbrochen auf und ab wirbelte und die Menge im Handumdrehen auf ihre Seite zog. Beim zweiten Song griff sie selbst zur Gitarre und fesselte die Anwesenden, die ihr fortan förmlich an den Lippen hingen und jede Sekunde dieser hochemotionalen Darbietung aufsaugten. Für einen ersten, zutiefst intimen Moment sorgte die verletzliche und zugleich kraftvolle Ballade „Mensch“, die Dilla mit herausragendem Gesang sitzend an der Bühnenkante performte und damit die erste kollektive Gänsehaut des Abends erzeugte. Später verwandelte der brandneue Track „Kamera Blitzlicht“ den Park in ein glitzerndes Lichtermeer aus tausenden Smartphones, was die Künstlerin sichtlich rührte. Vor ihrem letzten Song animierte sie das Publikum kurzerhand zu gemeinsamen Gesangsübungen: Die Menge sollte die Melodie durchgehend mitsingen – ein Aufruf, dem der SparkassenPark mit voller Kraft folgte und für ein wunderschönes Gemeinschaftserlebnis sorgte. Nach einer guten halben Stunde entließ Dilla unter tosendem Applaus eine perfekt aufgewärmte Menge und bewies eindrucksvoll, warum ihr die Zukunft der deutschen Musiklandschaft gehört.
AnnenMayKantereit liefern einen fulminanten Start in die Nacht
Als sich schließlich um 21 Uhr der blaue Vorhang aufgrund des starken Windes vorzeitig und ungeplant lüftete, damit das Equipment nicht beschädigt wurde, brach im restlos gefüllten SparkassenPark ein ohnehin ohrenbetäubender Jubel aus. Christopher Annen an der Gitarre, Sophie Chassée am Bass und Severin Kantereit am Schlagzeug bezogen ihre Positionen, bevor Sänger Henning May voller Energie auf die Bühne stürmte und mit „Nur Wegen Dir“ den Startschuss für eine musikalische Meisterklasse gab. Von der ersten Sekunde an vibrierte das Gelände unter der unverkennbaren, tiefen Reibeisenstimme, während AnnenMayKantereit einen Sound an den Tag legte, der der Studioqualität in absolut nichts nachstand. Henning May suchte sofort den direkten Blickkontakt zu den vorderen Reihen, interagierte unglaublich nahbar mit den Fans und brachte die Menge umgehend zum Tanzen und Mitsingen.
Beim anschließenden Klassiker „Wohin Du Gehst“ zeigte sich, wie viele langjährige Weggefährten im Publikum vertreten waren – die Menge sang den älteren Song in einer beeindruckenden Lautstärke mit, während eine stilvoll von Gardinen verdeckte Riesenleinwand im Hintergrund die Szenerie in ein perfektes optisches Gewand tauchte. Für puren Rhythmus sorgte direkt danach „Marie“: Henning May positionierte sich mit der Akustikgitarre im Zentrum der Bühne und schmetterte den Song derart kraftvoll in Richtung Zuschauerbereich, dass das textsichere Publikum kollektiv zu springen und zu klatschen begann, während die Bandmitglieder angesichts dieser Energie über das ganze Gesicht strahlten. Auch „Lass Es Kreisen“ hielt das Energielevel ganz oben und elektrisierte die Fans bis in die allerletzten Reihen.
Exklusive Einblicke: Das Live-Studio auf der Bühne
Für den nachfolgenden Song „Vielleicht Vielleicht“ wechselte Henning May an das Keyboard im hinteren Bühnenbereich. Sich selbst begleitend und sichtlich gerührt von der enormen Lautstärke des Publikums, brachte er den SparkassenPark mit seiner stimmlichen Wucht zum Beben. Kurz darauf folgte eine absolute Besonderheit der Tour: AnnenMayKantereit kündigten an, live auf der Bühne neue, unveröffentlichte Stücke für ihr kommendes Album einzuspielen. Dafür hatten sie auf der linken Seite der Bühne ein detailgetreues Tonstudio aufgebaut. Das Publikum wurde somit Teil des Entstehungsprozesses, was eine spürbare Exklusivität in die Luft zauberte. Die neuen Klänge wurden begeistert aufgenommen, und die Menge klatschte sofort fehlerfrei im Takt. Besonders der neue Song „Kleine Wolken“ geriet zu einem optischen Highlight, als treue Fans in den ersten Reihen selbstgebastelte Pappwolken in die Höhe streckten – eine Aktion, die von der Band auf der Bühne euphorisch gefeiert wurde. Nach diesem kreativen Exkurs kehrten AnnenMayKantereit zu ihren Wurzeln zurück und zündeten mit „Pocahontas“ eine absolute Hymne. Der zeitlose Klassiker ließ die Menge endgültig auf- und abspringen, während Henning May alles in seine Stimme legte. Direkt im Anschluss folgte mit „Oft Gefragt“ der wohl emotionalste Kern des Abends. Henning May widmete das Lied allen Vätern im Publikum und spielte es erneut am Keyboard. Die spürbare, fast greifbare Intimität und die tiefe Melancholie in seiner Stimme ließen niemanden kalt und sorgten flächendeckend für feuchte Augen.
Akustische Nähe und opulente Blasinstrumente
Für die Songs „Ozean“ und „Als Ich Ein Kind War“ rückte die Band ganz nah an der Bühnenvorderkante zusammen. Severin Kantereit verließ sein Schlagzeug, um gemeinsam mit Henning May zur Akustikgitarre zu greifen, während Christopher Annen den Gesang harmonisch begleitete. Auf den Aufruf der Band hin, sich bei „Ozean“ gegenseitig zu umarmen, entstand ein zutiefst berührender, kollektiver Moment der Verbundenheit, untermalt von einem gewaltigen Lichtermeer aus Handylampen. Das nostalgische „Als Ich Ein Kind War“ erzählte im Anschluss stimmgewaltig von einer analogen Kindheit ohne Social Media und traf den emotionalen Nerv des Publikums perfekt. Nach einem weiteren Abstecher in das aufgebaute Live-Studio für einen noch namenlosen neuen Song, der mit lautem Jubel quittiert wurde, veränderte sich die musikalische Dynamik des Konzerts grundlegend.
Gitarrist Christopher Annen stimmte den Song „Du Bist Anders“ an, bevor Henning May mit gewohnter Tiefe einstieg. Plötzlich füllte sich der hintere Bühnenbereich mit Gastmusikerinnen und Gastmusikern an verschiedenen Blasinstrumenten, während die Leinwand die Szenerie in ein atmosphärisches, tiefes Rot tauchte. Die Bläser verliehen dem Sound eine fantastische Opulenz. Henning May packte seine besten Tanzmoves aus und steckte das Publikum im gesamten Zuschauerraum mit seiner Bewegungslust an. Diese fulminante Energie trug sich direkt weiter zu „21, 22, 23“. Da die Bandmitglieder mittlerweile älter geworden sind, präsentierten sie ein charmantes neues Intro, bei dem Henning May augenzwinkernd bis 34 hochzählte. In gleißendes, weißes Licht gehüllt und peitschend von den Bläsern unterstützt, wurde dieser Klassiker zu einer nostalgischen Tanzparty. Auch bei „Jenny Jenny“ blieb die visuelle und akustische Komponente hoch: Eingebettet in ein warmes Orange vor blauem Hintergrund bekamen die einzelnen Bläser im Verlauf des Songs Raum für umjubelte Soli im Scheinwerferlicht. Als besonderes Geschenk an die internationalen Fans im Park folgte eine mitreißende Coverversion des Zutons-Klassikers „Valerie“, bei der Henning May mit humorvollen Tanzeinlagen für Lacher sorgte und sein ganzes stimmliches Talent ausspielte. Mit dem stimmungsvollen „3 Tage Am Meer“, das erneut ein riesiges Lichtermeer entflammte, und dem regulären Set-Finale „Ich Geh Heut Nicht Mehr Tanzen“ bog die Show auf die Zielgerade ein. Zum krönenden Abschluss stiegen zwei der Bläser sogar von der Bühne hinab auf die Barrikaden der ersten Reihe, um ihre Instrumente direkt vor den Gesichtern der feiernden Menge zu spielen – ein absoluter Geniestreich, der den SparkassenPark in frenetischen Jubel stürzte, bevor die Band im Dunkeln verschwand.
Das große Finale eines unvergesslichen Abends
Doch das emotionale Herzstück sollte erst noch folgen. Für die Zugabe kehrte Henning May zunächst ganz allein an das Keyboard zurück und spielte das verletzliche „Barfuß Am Klavier“. Begleitet von einem überwältigenden, ehrfürchtigen Lichtermeer aus tausenden Smartphones sang er förmlich um sein Leben, was für kollektive Gänsehaut und tiefe Ergriffenheit sorgte. Zum anschließenden Kulthit „Tommi“ gesellte sich der Rest der Band mit einem traditionellen Kölsch dazu. Während Henning May am Keyboard saß, machten es sich die anderen beiden Bandmitglieder davor gemütlich, genossen ihr Kaltgetränk und unterstützten ihn stimmlich bei der Hymne auf die Heimat. Nach diesem Gänsehautmoment bewies Henning May erneut seine Fannähe und verschenkte sein getragenes Merch-Trikot an eine überglückliche Person in der ersten Reihe.
Nach dem Song „Legende“, den die Band einem im Publikum anwesenden Freund widmete und nochmals im Studio auf der linken Seite spielte, mobilisierten AnnenMayKantereit für das finale „Ausgehen“ die allerletzten Kraftreserven. Sie forderten die Menge ein letztes Mal zum kollektiven Springen, Feiern und Klatschen auf – und der SparkassenPark bebte bis in seine Grundfesten in einer ausgelassenen Partystimmung. Gegen 22:45 Uhr endete das Konzert unter tiefen, dankbaren Verbeugungen der Band und einem donnernden Abschlussapplaus des Publikums, das glücklich in die kühle Sommernacht entlassen wurde.
Fazit
Was AnnenMayKantereit und Dilla in Mönchengladbach auf die Beine gestellt haben, war weit mehr als ein gewöhnliches Sommerkonzert – es war eine triumphale Feier der Live-Musik, die an emotionaler Tiefe und handwerklicher Perfektion kaum zu übertreffen ist. Das harmonische Zusammenspiel aus intimen Gänsehautmomenten, innovativen Showelementen wie dem Live-Studio und einer unbändigen Spielfreude hat ein zutiefst glückliches Publikum in die Sommernacht entlassen. Dieses Konzert hat eindrucksvoll unterstrichen, dass AnnenMayKantereit völlig zu Recht an der Spitze der hiesigen Musikwelt stehen und dass die Energie echter, handgemachter Pop-Rock-Musik die Kraft hat, Menschen tief im Herzen zu berühren und nachhaltig zu verbinden. Ein absolut grandioser und unvergesslicher Abend!
Fotocredit: Martin Lamberty