Zehn Jahre nach ihrem Debüt „Seit an Seit“ blickt dArtagnan nicht nur auf eine beeindruckende Karriere zurück, sondern nutzt das Jubiläum zugleich für ein Album, das sich bewusst von den bisherigen Veröffentlichungen abhebt. Mit „Helden x Hymnen“ schlägt die fränkische Folkrock-Band einen ungewöhnlichen Weg ein und präsentiert keine klassische Sammlung neuer Eigenkompositionen, sondern interpretiert bekannte Werke der Musikgeschichte auf ihre ganz eigene Art.
Damit entsteht weniger ein reguläres Studioalbum als vielmehr eine musikalische Hommage an Künstler und Songs, die die Band über die vergangenen Jahre geprägt haben.
Wer dArtagnan seit „Seit an Seit“ begleitet, erkennt schnell, wie stark sich die Band entwickelt hat. Während das Debüt vor allem vom rauen Charme, eingängigen Folk-Melodien und einer großen Portion Abenteuerromantik lebte, hat sich der Sound über die folgenden Alben stetig weiterentwickelt. Produktionen wurden flüssiger, Arrangements detailreicher und der typische Mix aus Rock, Folk und mittelalterlichen Einflüssen immer selbstverständlicher und cleaner. Gleichzeitig blieb die Band ihrem Markenzeichen treu: eingängige Melodien, große Refrains und eine Atmosphäre, die sowohl auf Festivals als auch in Konzerthallen funktioniert.
Mit „Helden x Hymnen“ setzt dArtagnan diese Entwicklung fort, verzichtet jedoch darauf, einfach den bekannten Erfolgsweg weiterzugehen. Stattdessen steht die Neuinterpretation bekannter Musik im Mittelpunkt. Dabei versucht die Band nicht, Vorlagen möglichst originalgetreu nachzuspielen. Vielmehr werden die Stücke konsequent in den eigenen Folkrock-Kosmos übertragen. Dudelsäcke, Flöten, Fiedeln und druckvolle Gitarren verschmelzen zu einem Soundbild, das sofort als dArtagnan erkennbar bleibt.
Gerade dieser Ansatz macht das Album interessant. Coveralben laufen häufig Gefahr, wie eine lose Aneinanderreihung bekannter Titel zu wirken. „Helden x Hymnen“ verfolgt dagegen das Ziel, ein geschlossenes Gesamtwerk zu sein. Die Band bleibt ihrer musikalischen Identität treu und schafft dadurch einen roten Faden, der sich durch das gesamte Album zieht.
Im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen dürfte das Album dennoch unterschiedlich aufgenommen werden. Wer an dArtagnan vor allem die eigenen Geschichten, historischen Motive und eigens geschriebenen Hymnen schätzt, wird möglicherweise den Anteil neuer Eigenkompositionen vermissen. Gleichzeitig zeigt die Band Mut, sich zum Jubiläum bewusst gegen den einfachsten Weg zu entscheiden. Anstatt lediglich ein weiteres klassisches Studioalbum zu veröffentlichen, entsteht ein Werk, das den Blick auf musikalische Vorbilder richtet und dabei dennoch unverkennbar die Handschrift der Franken trägt.
Rückblickend zählt insbesondere „Seit an Seit“ für viele Fans noch immer zu den wichtigsten Veröffentlichungen der Band, weil dort die Grundlagen des heutigen Sounds gelegt wurden. Die späteren Alben bauten dieses Fundament konsequent aus und verfeinerten Produktion sowie Songwriting. „Helden x Hymnen“ reiht sich deshalb weniger als logische Fortsetzung ein, sondern eher als besonderes Jubiläumsprojekt, das innerhalb der Diskografie einen eigenen Platz einnimmt.
So richtet sich das Album gleichermaßen an langjährige Wegbegleiter wie auch an Hörer, die den charakteristischen Folkrock von dArtagnan einmal aus einer anderen Perspektive erleben möchten. Es ist kein Album, das die Geschichte der Band neu schreibt – vielmehr fasst es zehn Jahre musikalischer Einflüsse zusammen und übersetzt diese in den unverwechselbaren Stil der Nürnberger.
Unter dem Strich wirkt „Helden x Hymnen“ wie ein musikalisches Dankeschön zum Bandjubiläum. Statt ausschließlich nach vorne zu schauen, würdigt dArtagnan die Acts und Werke, die sie auf ihrem bisherigen Weg begleitet haben, ohne dabei den eigenen Charakter aus den Augen zu verlieren. Genau das macht das Album zu einer besonderen Veröffentlichung innerhalb ihrer inzwischen zehnjährigen Bandgeschichte.
Fotocredit: Holger Fichtner