Es gibt Konzerte, die bleiben wegen ihrer Musik in Erinnerung. Und es gibt Konzerte, die zusätzlich von den äußeren Umständen geprägt werden. Der Auftritt von Garbage am Donnerstagabend im Hamburger Stadtpark gehörte zweifellos zur zweiten Kategorie. Über weite Strecken des 90-minütigen Konzerts öffnete der Himmel seine Schleusen, doch weder die Band noch die rund 2.000 Besucher ließen sich davon beeindrucken.
Dabei war die Rückkehr der Alternative-Rock-Veteranen nach Hamburg längst überfällig. Mehr als zwei Jahrzehnte ist es her, dass Garbage zuletzt in der Hansestadt auftraten. Entsprechend groß war die Vorfreude bei den Fans, die sich trotz dunkler Wolken und kühler Temperaturen im Stadtpark versammelt hatten.

Von Beginn an setzte die Band auf eine Mischung aus neuem Material und den Songs, die sie in den 1990er-Jahren zu einer der prägendsten Gruppen des Alternative Rock machten. Frontfrau Shirley Manson präsentierte sich gewohnt schlagfertig, charmant und mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor. Immer wieder kommentierte sie das Wettergeschehen, das die Bühne und das Publikum gleichermaßen durchnässte.
Musikalisch zeigte sich Garbage in beeindruckender Form. Stücke wie „Stupid Girl“, „Vow“ oder „Only Happy When It Rains“ entwickelten im strömenden Regen eine fast schon surreale Wirkung. Besonders letzterer Song erhielt an diesem Abend eine Bedeutungsebene, die man kaum hätte inszenieren können. Die Zuschauer sangen lautstark mit, während Regenjacken, Ponchos und tropfende Kapuzen längst zum inoffiziellen Dresscode geworden waren.

Hinter Manson sorgten Schlagzeuger Butch Vig, Produzentenlegende und Mitbegründer der Band, sowie Duke Erikson und Steve Marker für den markanten Garbage-Sound zwischen Rock, Elektronik und düsteren Pop-Melodien. Technisch präzise und ohne große Showeffekte konzentrierte sich die Band ganz auf ihre Musik – und auf die Verbindung zum Publikum.
Als der Regen gegen Ende des Abends langsam nachließ, wirkte die Stimmung fast euphorisch. Die verbliebenen Wolken machten stellenweise sogar Platz für etwas Helligkeit über dem Stadtpark. Was blieb, war das Gefühl, einem besonderen Konzert beigewohnt zu haben: keineswegs perfekt, aber gerade deshalb authentisch. Garbage lieferten keine nostalgische Zeitreise, sondern den Beweis, dass ihre Songs auch drei Jahrzehnte nach Bandgründung nichts von ihrer Kraft eingebüßt haben.

Und so verließen 2.000 durchnässte, aber glückliche Fans den Stadtpark – mit nassen Schuhen, kalten Händen und einem breiten Grinsen im Gesicht.
Bilder & Text: Sascha Beckmann