Das Dong war endgültig erwacht. Auf den Campingplätzen roch es nach frischem Kaffee, irgendwo brutzelte bereits das erste Frühstück, während andere den Abend offensichtlich nie beendet hatten. Zwischen Zelten und Pavillons hörte man überall dieselben Sätze: „Na, gut geschlafen?“ oder „Weißt du noch gestern Abend?“
Spätestens jetzt fühlte es sich an, als wäre die kleine Festivalstadt auf dem Haldenberg komplett.
Der Berg kommt langsam in Bewegung
Der Donnerstag begann erneut mit sommerlichen Temperaturen. Zwar zogen immer wieder Wolken über den Haldenberg, wirklich Abkühlung brachten sie aber nicht. Nach der ersten Nacht auf dem Campingplatz ließ man es vielerorts trotzdem noch ruhig angehen und nur langsam zog es die Besucher nach und nach in Richtung Bühne.
Dort machten Hold Your Ground schnell klar, dass der Freitag keine lange Aufwärmphase brauchen würde. Die ersten Circlepits ließen nicht lange auf sich warten und auch die Zuschauer, die sich zunächst noch vorsichtig am Rand hielten, rückten langsam näher. Direkt im Anschluss schlugen VORGA eine völlig andere Richtung ein. Ihr futuristisch angehauchter Black Metal wirkte unter strahlend blauem Himmel fast surreal und gerade deshalb faszinierend. Es sind genau solche Kontraste, die das Dong jedes Jahr aufs Neue spannend machen.
Mit jeder Stunde füllte sich das Festivalgelände mehr. Vor den Getränkeständen wurde gelacht, zwischen den Zelten tauschte man Geschichten vom Vorabend aus und auf den Wegen blieb man ständig stehen, weil schon wieder ein bekanntes Gesicht vorbeikam. Es dauerte nie lange, bis aus einem kurzen „Hallo“ das nächste Gespräch wurde. Genau dieses Gefühl macht den Freitag aus. Man ist nicht mehr nur Gast auf einem Festival, sondern mittendrin.
Das Festival nimmt Fahrt auf
Musikalisch zeigte sich das Line-up dabei genauso abwechslungsreich wie das Treiben auf dem Gelände. Vansind sorgten mit ihren Folk-Einflüssen für die ersten ausgelassenen Momente des Tages. Vor der Bühne wurde getanzt, mitgesungen und die ersten Bierbecher flogen im Takt nach oben. Kurz darauf bewiesen SubMasq, dass es nicht immer maximale Härte braucht, um das Publikum zu fesseln. Mit ihrem atmosphärischen Progressive Metal schufen die Niederländer einen ruhigen Gegenpol, bevor Night in Gales den Härtegrad wieder spürbar anhoben und das inzwischen dicht gefüllte Infield erneut in Bewegung versetzten.
Spätestens jetzt war auf dem Haldenberg überall Festivalstimmung. Egal ob vor der Bühne, auf dem Campingplatz oder an den Essensständen – überall wurde gelacht, diskutiert und gefachsimpelt. Welche Band war bisher die stärkste? Worauf freute man sich am meisten? Und wer hatte eigentlich schon wieder vergessen, genug Wasser zu trinken?
Zwischen Humor, Gänsehaut und Black Metal
Einer der wohl unterhaltsamsten Momente des Tages ließ nicht lange auf sich warten. Als die Grailknights die Bühne betraten, wurde aus dem Metalfestival für einen Moment eine riesige Superheldenshow. Mit viel Selbstironie, jeder Menge Humor und ihrer unverwechselbaren Art schafften sie es mühelos, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Man musste die Band vorher nicht einmal kennen, um nach wenigen Minuten grinsend vor der Bühne zu stehen. Solche Auftritte zeigen, dass ein Festival nicht nur von musikalischer Perfektion lebt, sondern vor allem von Momenten, die einfach Spaß machen.
Doch das Dong wäre nicht das Dong, wenn es dabei geblieben wäre. Nur wenig später änderte sich die Stimmung erneut. Creeper brachten mit ihrem düsteren Mix aus Horror-Punk und Gothic Rock eine überraschend emotionale Note auf den Haldenberg und zeigte, dass auch melodischere Töne ihren Platz zwischen all den harten Riffs haben.
Als langsam die Dämmerung einsetzte, wurde es vor der Bühne merklich ruhiger. Die Gespräche verstummten, die Blicke richteten sich nach vorne und Satyricon übernahmen das Kommando. Ohne große Worte, ohne übertriebene Inszenierung, dafür mit genau der Atmosphäre, für die die Norweger seit Jahrzehnten geschätzt werden. Während der Himmel immer dunkler wurde, entfalteten Songs wie Mother North eine Wirkung, die perfekt zu diesem Sommerabend auf dem Haldenberg passte.
Ein Finale, das niemanden stillstehen ließ
Wer danach dachte, der Freitag würde langsam ausklingen, hatte die Rechnung ohne Skindred gemacht. Innerhalb weniger Minuten war von der düsteren Stimmung nichts mehr übrig. Stattdessen verwandelte sich das Infield in eine einzige riesige Party. Benji Webbe hatte das Publikum vom ersten Song an fest im Griff und spätestens beim legendären Nobody gab es kein Halten mehr. Hunderte Menschen tanzten, hüpften und feierten gemeinsam, als gäbe es keinen nächsten Morgen.
Natürlich war mit dem letzten Song noch lange nicht Schluss. Auf dem Campingplatz wurde auch in dieser Nacht wieder bis in die Morgenstunden weiter gefeiert. Und natürlich durfte auch die Afterparty im Partyzelt nicht fehlen. Immer wieder hörte man dieselbe Frage: „Und, was war heute deine Band des Tages?“ Die Antworten fielen ganz unterschiedlich aus, mein persönliches Highlight war ganz klar Skindread. Die Atmosphäre hat den ganzen Tag abgerundet und perfekt gemacht.
Der Freitag zeigte eindrucksvoll, was das Dong Open Air so besonders macht. Zwischen atmosphärischem Black Metal, progressiven Klangwelten, augenzwinkerndem Power Metal und einer völlig eskalierenden Party zum Abschluss war für jeden etwas dabei. Vor allem aber war es dieser Tag, an dem aus einem Festival endgültig ein Zuhause auf Zeit wurde und dabei wartet der Samstag noch immer darauf, alle Erwartungen zu übertreffen.
Text: Hannah Lea Fritz
Fotocredit: Keke Dombrowski