Am Samstagmorgen lag etwas in der Luft, das es nur am letzten Festivaltag gibt. Niemand sprach es wirklich aus, aber jeder wusste, dass die Zeit langsam knapp wurde.
Vor den Zelten wurde gemütlich gefrühstückt, manche räumten bereits die ersten Sachen zusammen, andere verdrängten den Gedanken an die Heimreise noch erfolgreich mit einem Kaffee oder dem ersten Kaltgetränk des Tages. Dazwischen wurde gelacht, gefachsimpelt und immer wieder dieselbe Frage gestellt: „Welche Band darf ich heute auf keinen Fall verpassen?“
Frischer Wind auf dem Haldenberg
Auch das Wetter zeigte sich zum Abschluss von einer ganz anderen Seite. Nach zwei sonnigen und schweißtreibenden Tagen zogen nun immer wieder Wolken über den Haldenberg, begleitet von einem frischen Wind. Kaum jemand dürfte die Hitze vermisst haben. Statt hektisch den nächsten Schattenplatz zu suchen, ließ sich der letzte Festivaltag deutlich entspannter genießen. Und so füllte sich das Infield schon am Vormittag langsam wieder mit Leben.
Den Auftakt machten Goatfather, die mit ihrem entspannten Stoner- und Doom-Rock genau den richtigen Ton für den Start in den Tag trafen. Noch war reichlich Platz vor der Bühne, doch nach und nach fanden immer mehr Besucher den Weg aus dem Campingbereich auf das Infield. Snakebite übernahmen anschließend und sorgten mit klassischem Heavy Metal dafür, dass die ersten Fäuste in die Höhe gingen. Spätestens jetzt war der Samstag endgültig angekommen.
Dass das Dong auch am dritten Tag noch für Überraschungen gut ist, bewiesen wenig später Gangrena Gasosa. Die Brasilianer verwandelten ihren Auftritt in eine herrlich schräge Mischung aus Thrash Metal, Horror-Show und jeder Menge Selbstironie. Zwischen Kunstblut, Masken und jeder Menge Chaos wusste man manchmal gar nicht, wohin man zuerst schauen sollte. Vor der Bühne wurde gelacht, gefeiert und ungläubig mit dem Kopf geschüttelt.
Zwischen Neuentdeckung und Nackenbrecher
Musikalisch blieb der Samstag angenehm abwechslungsreich. Synsnake brachten mit ihrem modernen Metalcore ordentlich Druck auf die Bühne. Harte Breakdowns wechselten sich mit eingängigen Refrains ab und sorgten dafür, dass vor der Bühne wieder deutlich mehr Bewegung aufkam. Trotz des bewölkten Himmels und des frischen Winds wurde kräftig mitgegangen, die ersten Moshpits ließen nicht lange auf sich warten.
Einen spannenden Kontrast dazu boten Impureza. Die Franzosen verbinden technischen Death Metal mit spanischen Flamenco-Einflüssen und schufen damit einen der außergewöhnlichsten Auftritte des gesamten Wochenendes. Zwischen rasanten Gitarrenläufen, traditionellen Melodien und brutalen Growls blieb man immer wieder einfach stehen und hörte zu. Begleitet wurde die Band von einer Flamenco Tänzerin, was auf interessante Weise zeigte, dass man auch auf härtere Melodien durchaus klassische Tänze performen kann. Kein gewöhnlicher Festivalauftritt, aber genau deshalb einer, der im Gedächtnis blieb.
Direkt im Anschluss wurde es mit Detartrated kompromisslos hart. Brutaler Death Metal, tiefe Growls und eine gewaltige Soundwand forderten das Publikum noch einmal auf eine ganz andere Art. Sicherlich nicht die zugänglichste Band des Wochenendes, doch gerade vor der Bühne zeigte sich, dass auch die härteren Spielarten des Metals auf dem Dong ihr Publikum finden. Die Fans feierten jeden Breakdown und eröffneten einen Pit nach dem anderen, während andere Besucher das Geschehen lieber mit etwas Abstand beobachteten.
Langsam rückte der Abend näher und mit ihm füllte sich das Gelände ein letztes Mal. Vor den Getränkeständen bildeten sich Schlangen, auf den Bierbänken wurde noch gemeinsam gegessen und immer wieder traf man Bekannte, mit denen man in den vergangenen Tagen ins Gespräch gekommen war. Es war diese besondere Mischung aus Vorfreude auf die letzten Konzerte und dem Wissen, dass das Wochenende viel zu schnell vorbeigegangen war.
Die letzten Takte eines besonderen Wochenendes
Mit Bonded begann schließlich der letzte große Abendblock. Die Thrash-Metal-Band machte vom ersten Song an klar, dass jetzt keine Energie mehr für die Heimreise gespart werden musste. Vor der Bühne flogen die Haare, die Circle Pits drehten sich noch einmal ordentlich und die Stimmung erreichte pünktlich zum Sonnenuntergang ihren nächsten Höhepunkt.
Direkt danach wurde es mit Gaerea deutlich düsterer. Der atmosphärische Black Metal der Portugiesen harmonierte beinahe perfekt mit dem grauen Himmel und dem stetigen Wind, der über den Haldenberg zog. Die intensive Bühnenpräsenz der Band zog das Publikum spürbar in ihren Bann. Statt großer Ansagen ließ die Musik für sich sprechen und schuf einen der eindrucksvollsten Momente des Tages.
Dann war es Zeit für eine echte Thrash-Metal-Legende. Overkill betraten die Bühne und bewiesen einmal mehr, warum sie zur Spitze ihres Genres gehören. Bobby „Blitz“ Ellsworth wirbelte mit ungebrochener Energie über die Bühne, suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum und riss die Menge förmlich mit. Vor der Bühne wurde noch einmal alles gegeben. Circle Pits, lautstarke Chöre und unzählige gereckte Fäuste machten deutlich, dass hier niemand auch nur einen Moment verpassen wollte.
Doch mit dem letzten Ton war das Wochenende noch nicht vorbei. Im Partyzelt wurde bis tief in die Nacht weitergefeiert, auf dem Campingplatz saßen die letzten Gruppen zusammen und ließen die vergangenen Tage Revue passieren. Zwischen Musik, Gelächter und der letzten Bierdose fiel immer wieder derselbe Satz: „Bis nächstes Jahr.“
Fazit: Mehr als nur ein Festival
Das Dong Open Air 2026 hat einmal mehr bewiesen, dass ein gutes Festival weit mehr ist als ein starkes Line-up. Natürlich bleiben Auftritte von Amorphis, Satyricon, Overkill oder Skindred in Erinnerung. Genauso wertvoll sind aber die kleinen Überraschungen zwischendurch: Bands, die man vorher vielleicht gar nicht auf dem Schirm hatte und die am Ende zu den persönlichen Entdeckungen des Wochenendes wurden.
Vor allem aber sind es die Menschen, die das Dong ausmachen. Die Gespräche mit den Zeltnachbarn, das gemeinsame Anstoßen nach einem gelungenen Konzert, spontane Begegnungen auf den Wegen über den Haldenberg und dieses Gefühl, dass hier jeder sofort dazugehört. Trotz namhafter Bands hat sich das Dong seinen familiären Charakter bewahrt und genau das macht den Unterschied.
Und genau deshalb beginnt für viele wahrscheinlich schon auf der Heimfahrt die Vorfreude auf das nächste Wiedersehen auf dem Haldenberg.
Text: Hannah Lea Fritz
Fotocredit: Keke Dombrowski