Hamburg. Es war ein Abend voller Emotionen, großer Gesten und prominenter Überraschungen: Johannes Oerding hat am vergangenen Samstag sein bislang größtes Konzert gespielt und sich damit einen lang gehegten Traum erfüllt. Vor 45.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion feierte der Sänger ein umjubeltes Heimspiel, das sich über mehr als drei Stunden erstreckte und zu einem musikalischen Familientreffen der deutschen Popszene wurde.
Bereits vor dem eigentlichen Konzert herrschte bei hochsommerlichen Temperaturen Festivalstimmung. Nach den Auftritten von Das Bo und Stefanie Heinzmann verwandelte sich das Stadion in einen riesigen Mitsing-Chor. Als Johannes Oerding schließlich auf einer kleinen Vorbühne erschien und mit seiner Akustikgitarre die ersten Töne anschlug, war die Begeisterung im Rund sofort spürbar. Mit „Hier gehör ich hin“ setzte er den passenden Auftakt für einen Abend, der ganz im Zeichen seiner Verbundenheit zu Hamburg stand.
Von Beginn an präsentierte sich Oerding als souveräner Entertainer. Zwischen großen Pop-Hymnen, persönlichen Geschichten und emotionalen Balladen gelang es ihm mühelos, die unterschiedlichen Generationen im Publikum mitzunehmen. Die Zuschauer dankten es ihm mit textsicherem Mitsingen und anhaltender Begeisterung.
Besonders beeindruckend war die Vielzahl prominenter Gäste, die Oerding auf die Bühne holte. Max Giesinger, Clueso, Wincent Weiss, Nico Santos, Stefanie Heinzmann, Michael Patrick Kelly und Deine Cousine sorgten für zahlreiche Höhepunkte. Immer wieder wechselte die Stimmung zwischen gefühlvollen Duetten, ausgelassenen Mitsingmomenten und überraschenden musikalischen Ausflügen in andere Genres.
Ein besonderer Moment des Abends gehörte Peter Maffay. Gemeinsam mit Oerding präsentierte er zunächst den Song „Eiszeit 2.0“, bevor beide mit einer Version von „Über sieben Brücken musst du gehen“ für Gänsehaut sorgten. Dabei zeigte sich eindrucksvoll, wie zeitlos die großen Klassiker deutscher Rock- und Popmusik sind: Jung und Alt sangen gleichermaßen mit.
Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte eine Ankündigung des 76-jährigen Rockmusikers. Gemeinsam mit Oerding arbeitet er an einem Album, das von ihrer gemeinsamen Leidenschaft für amerikanisch geprägte Country- und Americana-Musik inspiriert ist. Die Nachricht wurde vom Publikum mit großem Applaus aufgenommen und verlieh dem Abend einen weiteren besonderen Moment.
Trotz der außergewöhnlichen Länge wirkte das Konzert zu keinem Zeitpunkt überladen. Oerding verstand es, das Programm abwechslungsreich zu gestalten. Mal stand die Band im Mittelpunkt, mal rückten intime Akustik-Momente in den Vordergrund. Persönliche Songs über Freundschaft, Familie und das Älterwerden wechselten sich mit großen Stadionhymnen ab. Dabei wurde deutlich, warum sich der 44-Jährige in den vergangenen Jahren zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Live-Künstler entwickelt hat.
Auch optisch bot die Show alles, was man von einem Stadionkonzert erwarten darf: Lichteffekte, Videowände, Pyrotechnik und eine aufwendige Bühnenproduktion sorgten für eindrucksvolle Bilder. Spätestens bei den größten Hits des Abends verwandelte sich das Volksparkstadion in ein Meer aus Lichtern, erhobenen Armen und singenden Stimmen.
Als Johannes Oerding zum Finale noch einmal seinen Fans dankte, war ihm die Bedeutung dieses Abends sichtbar anzumerken. Das Heimspiel im Volksparkstadion war weit mehr als ein gewöhnliches Konzert. Es war die Krönung eines langen Weges – und ein Abend, der vielen Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Fotocredit & Review: Sascha Beckmann