Mit ihrem fünften Studioalbum „Dear God“, das am 26.06.2026 erscheint, beweisen The Pretty Reckless, dass sie nicht nur zu den beständigsten Größen des modernen Hard Rock und Post-Grunge gehören, sondern ihr eigenes Schaffen noch einmal auf ein völlig neues Level hieven können. Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 in New York City hat sich die Band um das stabile Kern-Line-up mit Ben Phillips, Mark Damon und Jamie Perkins eine historische Chart-Dominanz erarbeitet. Doch dieses Album ist kein bloßes Verwalten alter Erfolge. Es ist eine radikale, schonungslose Offenbarung der seelischen Tiefen von Frontfrau Taylor Momsen, verpackt in einen Sound, der sich gleichermaßen gefährlich wie tröstlich anfühlt.
Der Start einer emotionalen Achterbahnfahrt
Das Album entfaltet seine Magie am besten, wenn es in seiner Gesamtheit erlebt wird, da die Songs musikalisch und thematisch wie Zahnräder ineinandergreifen.
Der Einstieg gelingt The Pretty Reckless feinfühlig: „Life Evermore Pt. 2“ eröffnet das Werk als nur 43 Sekunden kurzes, intimes Intro. Getragen von einer Akustikgitarre und der warmen, umarmenden Gesangsstimme von Taylor Momsen, die von dezenten Drums und E-Gitarren abgefangen wird, schürt dieser Track sofort die Spannung auf das Kommende. Er geht nahtlos über in die monumentale Vorabsingle „For I Am Death“, die der Band bereits den achten Nummer-1-Hit im Rock-Radio einbrachte. Der düstere Hard-Rock-Song besticht durch markante Riffs und eine bedrückende Atmosphäre, in der die erzählende Person metaphorisch in die Rolle des Todes schlüpft, um über Vergänglichkeit und Einsamkeit zu reflektieren.
Direkt im Anschluss folgt mit „When I Wake Up“ ein fiebriger, nächtlicher Rausch. Der punkige Hardrock-Groove versprüht ungezähmte Energie und fängt das Gefühl eines drohenden Absturzes mitten im Exzess perfekt ein. Diese rohe Verletzlichkeit setzen The Pretty Reckless in „Love Me“ fort. Nach einem zurückhaltenden, melancholischen Beginn entfaltet der Refrain eine verzweifelte Wucht aus Alternative Rock, die existenzielle Fragen nach Liebe und Anerkennung direkt an eine höhere Instanz richtet.
Mit „Dragonfire“ bricht sich danach eine packende Dynamik Bahn: Das atmosphärische Zusammenspiel aus Akustikgitarre und rauer, warmer Stimme mündet in treibende Rhythmen, bevor der Track abrupt endet und Platz macht für das Herzstück des Albums: Den Titeltrack „Dear God“. Hier fusionieren Alternative und Hard Rock zu einer Hymne der Verzweiflung, die sich über schwere Gitarren zu einem emotionalen Solo hocharbeitet und das Flehen nach Erlösung in pure Musik verwandelt.
Groovy Rock-Hymnen und intime Studio-Momente
Einen geschickten Wendepunkt markiert „Life Evermore Pt. 3“, der das akustische, beruhigende Schema des Intros aufgreift und dem Album als 42-sekündige Atempause enorme musikalische Tiefe verleiht. Daraus bricht „About You“ mit wuchtigen E-Gitarren-Riffs und treibenden Drums hervor. Der hymnische Refrain verweist direkt auf die großen Bühnen der Welt, während ein leiser, cleverer Spannungsaufbau gegen Ende in einer finalen Energieladung explodiert – inklusive eines charmanten Studio-Lachers von Taylor Momsen am Ende, der die pure Spielfreude der Band unterstreicht.
Der Ohrwurm-Garant „Spell On You“ startet mit einem nostalgischen Retro-Kindersample, bevor es in einen mitreißenden Rhythmus und eine beeindruckende Gesangseinlage übergeht, die live für kollektive Gänsehaut sorgen dürfte. Auch „Rollercoaster Of Life“ schlägt in diese Kerbe: Ein groovy Schlagzeug-Rhythmus leitet eine melancholisch-düstere Atmosphäre ein, die sich im Refrain zu einem echten Hit mit großem Mitsing-Potenzial entwickelt.
Die Ruhe nach dem Sturm: Gänsehaut-Balladen zum Finale
Das letzte Viertel des neuen Albums von The Pretty Reckless widmet sich den leisen, intensivsten Momenten. „Eye Of The Storm“ glänzt als wunderschöne, hymnische Rock-Ballade, bei der die verletzliche Stimme im Fokus steht und das Mantra „I’m still Alive“ das emotionale Fundament gießt. Noch intimer wird es bei „Devil In Disguise (Michelle’s Song)“. Die extrem langsame Ballade setzt auf eine harmonische Akustikgitarre und einen fragilen Gesang, der eindrucksvoll beweist, dass die Band die leisen Töne ebenso perfekt beherrscht wie die lauten Bretter.
Mit dem Sound eines nahenden Gewitters leitet „Dark Days“ das Ende ein. Ein sauber eingespieltes, dezent gehaltenes Instrumental gibt der warmen Stimme Raum, während ein Gitarrensolo in der zweiten Hälfte für die nötige Abwechslung sorgt. Der Kreis schließt sich schließlich meisterhaft mit dem finalen Track „Life Evermore Pt. 1“. Nach exakt demselben Muster der vorherigen Parts verabschiedet das Album die Zuhörerschaft mit einer sanften Akustikgitarre und dezenten E-Gitarren-Klängen nach nur 44 Sekunden in eine versöhnliche Stille.
Fazit
The Pretty Reckless haben mit „Dear God“ nicht nur ein neues Kapitel aufgeschlagen, sondern ein echtes Monument des modernen Rock geschaffen. Das Album besticht durch seine perfekte Balance zwischen brachialer Energie, ansteckenden Grooves und einer fast schmerzhaften, aber tröstlichen Ehrlichkeit. Die geschickte Aufteilung durch die wiederkehrenden Fragmente verleiht dem Werk einen cineastischen Fluss. Wer Rock ’n’ Roll in seiner authentischsten, verletzlichsten und gleichzeitig kraftvollsten Form erleben möchte, kommt an diesem Meilenstein im Jahr 2026 definitiv nicht vorbei. Ein absolutes Highlight, das noch lange nachhallen wird!
The Pretty Reckless – Dear God Tour:
18.11.2026 – Berlin, Huxley’s Neue Welt
21.11.2026 – Köln, Carlswerk Victoria
Fotocredit: Albumcover / Artwork