Neuer Tag, neue Perspektiven. Das ist in den Bergen wirklich immer wörtlich zu nehmen, denn schon die kleinste Licht-oder Wolkenveränderung am Himmel lässt die Berge ganz anders erscheinen. Und so ist Tag Zwei am Greenfield Festival in Interlaken wieder mit viel Bewunderung für die Umgebung aber natürlich auch besonders für die Musik gestartet.
Der erste Moment auf der Jungfrau Stage wurde ein Moment of Madness – denn so nennen sich die Local Heroes aus der Schweiz die den Festivaltag Nummer eröffnet haben.
14:45 Uhr Jungfrau Stage: The Butcher Sisters sind an der Reihe. Zwei Erkenntnisse habe ich dort gewonnen. 1. ja die Jungs machen verdammt gute Stimmung. 2. Meine neue Lieblingsband werden sie aber dennoch nicht. Mir war der Auftritt, wenn es höchstwahrscheinlich so gewollt war, einfach ein wenig zu prollig und ein Touch zu albern – aber nichts desto trotz kann ich absolut nachvollziehen, dass The Butcher Sisters viele Fans anziehen und von den meisten einfach abgefeiert werden.

Mein Tageshighlight waren definitiv All Time Low. Ich habe sie schon immer arg gern gemocht und quasi meine Jugend mit ihnen verbracht (also musikalisch) und irgendwie ist bei mir ein bisschen in Vergessenheit geraten, wie musikalisch fein und vor allem sehr sympathisch diese Pop Punk Band aus den Staaten doch ist. Auch wenn viele Bands in dieser besonderen Bergkulisse immer wieder erwähnen, wie unglaublich die Aussicht doch ist und man es auch jedem einzelnen Act abkauft, habe ich heute bei All Time Low Sänger Alex Gaskarth ganz besonders das Gefühl gehabt, dass er vom Ausblick überwältigt ist. „It’s the most beautiful place we played in our lives – ever“ – so die Aussage.
Wieder rübergeswitcht zur Eiger Stage. Denn da wurde Adam Angst von der Crowd schon freudig erwartet und gebührend empfangen. Kein Wunder, denn tatsächlich mussten ja alle Greenfielder Adam Angst Fans ein jahr warten, denn aufgrund von Krankheit hatte die Band ihren Gig im letzten Jahr leider absagen müssen. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben, dieses Sprichwort hat hier ordentlich reingeballert und Band und Publikum waren sehr zufrieden oder um es passender auszudrücken: sehr glücklich!
Ein Glücks-Garant sind auch jedes mal die Schwaben Itchy, die gleichermaßen mit Sympathie, Witz und natürlich feinstem Punk auf Deutsch und Englisch punkten. Sie haben neben nem richtig guten Auftritt auch noch Geschichten vom Zoll zum Besten gegeben und natürlich auch die wunderschöne Aussicht ausführlich gelobt.
Wir gehen ein bisschen weiter weg vom Schwabenland und machen mit Brasilien weiter. Denn daher sind Sepultura angereist. Die Metal Band aus Belo Horizonte hat mich persönlich musikalisch nicht abgeholt, da es mir ein wenig zu heavy war aber an den Publikumsströmen zur Bühne hin war ich zum Glück eher allein mit dieser Meinung. Auch wenn Sepultura mich musikalisch nicht vom Hocker gehauen haben, haben sie trotzdem eine mitreißende und sympathische Show auf die Bühne gelegt.

Dann ein weiteres Highlight für viele Festivalbesucher*innen, wie ich aus mehreren Mündern vernehmen konnte: Architects. Aber nicht die Greenfield Crowd war absolut hyped, Sänger Sam Carter hatte nichts als lobende Worte für dieses Festival – „The most beautiful festival in the world“ – absolut wahr – mehr braucht man hier gar nicht hinzuzufügen.
Und wie ist es beim Greenfield so üblich: ein Highlight jagt direkt das nächste. Die Headlinerzeit war an diesem Freitag angebrochen und damit nahmen Bad Omens die Jungfrau Stage komplett für sich ein. Ich habe vorab schon viel über die band gehört, von allen Menschen, die mir die Band empfohlen haben nur Positives versteht sich. Und ich kann bestätigen Bad Omens gehören zu den ganz Großen! Mir fällt wirklich kein anderes Wort außer „krass“ ein, wenn ich beschreiben möchte was Sänger Noah Sebastian für eine stimmliche Range hat. Selbst wenn man vorab keinen einzigen Bad Omens kannt, nach dem Gig möchte man sie kennen und zwar alle!
Fotocredits: Johanna Lippke