Mit „HOUNDSTOOTH“ legt SIIICKBRAIN ihr zweites Studioalbum vor und präsentiert sich darauf deutlich selbstbewusster & vielseitiger als noch auf ihrem Debütalbum. Die US-amerikanische Künstlerin bewegt sich dabei mühelos zwischen Alternative, Industrial, elektronischen Klanglandschaften, Hip-Hop-Einflüssen und modernen Pop-Strukturen, ohne jemals den Eindruck zu erwecken, sich einem bestimmten Genre unterordnen zu wollen.
Was „HOUNDSTOOTH“ besonders macht, ist die permanente Spannung zwischen Gegensätzen. Das Album wirkt gleichzeitig düster und zugänglich, aggressiv und verletzlich und doch tief in persönlichen Erinnerungen verwurzelt. Diese Kombination zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Platte und sorgt dafür, dass sie auch nach mehreren Durchläufen immer wieder neue Momente offenbart.
Dabei gelingt es SIIICKBRAIN, eine sehr eigene welt zu schaffen. Die Produktion wirkt modern und detailreich. Statt auf offensichtliche Trends zu setzen, entwickelt das Album eine eigene Dynamik, die von atmosphärischen Momenten ebenso lebt wie von impulsiven Ausbrüchen und energiegeladenen Passagen geprägt ist. Die unterschiedlichen Einflüsse verschmelzen dabei überraschend gut miteinander und verleihen dem Werk einen ganz eigenen Charakter.
Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie SIIICKBRAIN ihre persönliche Entwicklung in die Musik einfließen lässt. Während viele Genre-Crossover-Projekte häufig wie eine Sammlung unterschiedlicher Ideen wirken, besitzt das Album eine bemerkenswerte Geschlossenheit. Das Album erzählt weniger eine konkrete Geschichte, sondern vermittelt vielmehr das Gefühl einer Künstlerin, die ihren Platz gefunden hat und sich nicht länger zwischen verschiedenen Identitäten entscheiden muss.
Die Themen Selbstfindung, Selbstvertrauen und persönliche Emanzipation werden nicht plakativ präsentiert, sondern fließen selbstverständlich in die Gesamtatmosphäre ein.
Wer bereits das Debüt „MY MASSOCHISTIC MIND“ mochte, wird auf „HOUNDSTOOTH“ eine konsequente Weiterentwicklung entdecken. Gleichzeitig dürfte die Platte auch neue Hörer*innen ansprechen, die sich für moderne Alternative-Musik jenseits klassischer Genregrenzen interessieren. SIIICKBRAIN gelingt es, experimentelle Elemente mit einer bemerkenswerten Eingängigkeit zu verbinden, ohne dabei ihre künstlerische Eigenständigkeit aufzugeben.
Am Ende steht ein mutiges, vielseitiges und selbstbewusstes Album, das seine Stärken vor allem in seiner Atmosphäre und seiner stilistischen Offenheit ausspielt. „HOUNDSTOOTH“ ist kein Werk, das sich sofort vollständig erschließt – genau das macht seinen Reiz aus.
Fotocrecit: Albumcover / Artwork