TABYs EP „An scharfen Messern lernt man bluten“ verspricht eine Sammlung düsterer Erzählungen zwischen Mythologie, Körperlichkeit und Verfall- TABY’s neue Songs bewegen sich durch Labyrinthe, dunkle Gewässer und verborgene Räume, die zugleich verletzlich und bedrohlich erscheinen, und erschaffen dabei eine Atmosphäre zwischen Traum, Albtraum und Sage.
Was einst im Rap verwurzelt war, ist heute ein düsterer, genreübergreifender Kosmos: vielschichtige Vocals treffen auf schwere Bässe, verzerrte Texturen, wütende Gitarren und cineastische Klangflächen. TABY steht für einen düster geprägten Sound zwischen Experimentalität, melancholischer Darkwave und kompromissloser Emotionalität – getragen von einer unverkennbaren Stimme mit Tiefe, Kontrolle und Charakter.
Als Tochter einer Pianistin und eines Autors für Kinder-Musicals wächst die heute in Berlin lebende Künstlerin in einem Haushalt auf, der ihr schon früh die Möglichkeit verschafft, sich selbst kreativ zu verwirklichen. Ihre Fähigkeiten als Vocalistin präsentiert sie vor rund 10 Jahren erstmals dem Internet und startet damit ihre Karriere als Musikerin: Ihr virales YouTube-Video, ein Cover-Song-Medley des Rappers Alligatoah, verzeichnet mittlerweile beinahe 2 Millionen Aufrufe. Es folgen weitere Cover, Medleys und eigene Songs. Den Abschluss ihres ersten Karriere-Kapitels feiert die zu diesem Zeitpunkt bereits tausendfach gefeierte Künstlerin mit ihrem ersten ausproduzierten Song: “Hauptsache Content” (2019) ist eine Ode an das überspitzte Fangirl-Image, das TABY in ihrer Musik bis hier hin verkörperte und zeitgleich der Start in eine neue Ära. Rund vier Monate nach ihrer ersten Single kündigt TABY ihr Debütalbum “Pilgerreise” an.
Während ihres Master-Studiums für Filmproduktion und Sounddesign in London entsteht ein Album, welches sie selbst humorvoll als “im Studentenwohnheim in Eigenproduktion aufgenommenes ‘Deutsch’ ‘Rap’ ‘Album’ mit gekauften Beats und uninspirierten Texten voller schlechter Wortwitze” beschreibt. In Wahrheit performt sie clevere Zeilen, die stellvertretend für den Humor einer im Internet sozialisierten Jugend stehen – mit mehr Können und Charme als viele ihrer Szenekollegen (bewusst nicht gegendert), die seit Jahrzehnten mit vermeintlichen Rap-Technik-Skills flexen. Rund 100.000 monatliche Hörerinnen wissen das mittlerweile zu schätzen und auch deutsche Rapperinnen schauen nicht länger weg. Feature-Tracks mit beispielsweise MC Smook, The toten Crackhuren im Kofferraum, Peat, Thizzy, Kora Winter, Bluthund und CONNY sowie ein gemeinsames Projekt mit der Kölner Rapperin Liser sorgen für einen stetigen Output, der die Rapperin im Gespräch hält.
Mit Abebben der Pandemie spielen schließlich auch Live-Shows eine zunehmende Rolle in TABYs Karriere: Als Supportact auf den Touren von Juse Ju, Fatoni & Edgar Wasser, Mia Morgan oder Peat sowie auf diversen Festivals, unter anderem der FUSION und dem Reeperbahnfestival, und einer eigenen Headliner-Tour durch Deutschland beweist TABY, dass sie ihrem exzellenten Ruf trotz Wurzeln im Internet auch im Reallife gerecht werden kann. Doch so erfolgreich das Live-Business auch ist, zieht es TABY irgendwann zurück ins Home-Studio, wo sie selbst ihr zweites Album “Nest” produziert.
Der antreibende Motor hinter “Nest”: Die Diagnose Bipolarität. Während des Albumprozesses befindet sich TABY tiefer denn je in Therapie und macht das Album somit automatisch zum Teil eben dieser. Als Sinnbild für die Diagnose agiert das Leitmotiv des Parasiten. Ob auf Artworks, Musikvideos, in Texten oder auch in musikalischen Stilmitteln – das Ungeziefer begleitet TABY während des ganzen Albums. “Mein Kopf ist sein Nest und er lebt da und kaut an den Wänden, aber irgendwie gehört er auch zu mir und ist da zu Hause”. Dabei ist “Nest” aber kein Schrei nach Mitleid, sondern eine differenzierte Auseinandersetzung mit alten Gedanken und Geschichten, die TABY in den letzten Jahren wiederentdeckte und nun aufarbeitet. Hypomane Phasen und depressive Episoden stehen sich nicht nur lyrisch, sondern auch musikalisch gegenüber, sodass jedes Symptom in einem eigenen Song Platz findet. Rap-Songs mit experimentellen Einflüssen, die Geschichten von Selbstüberschätzung & -bewusstsein erzählen, stehen im direkten Kontrast zu ruhigen Songs über Selbstzweifel und Ängste. Der stilistische Cut in der Mitte des Albums ist nicht weniger als die authentische Abbildung TABYs innerster Gefühle. Für “Nest” orientiert Taby Pilgrim sich nicht nur musikalisch gänzlich neu, sondern wagt auch eine neue Ehrlichkeit. Das Album selbst ist Teil ihres Therapiefortschrittes, sich selbst zu verstehen und zu verzeihen und zeitgleich die Möglichkeit, ihren Zuhörer*innen zu sagen: Auch dein Lieblingsartist struggelt, aber das ist ok. Und trotzdem geht der letzte Song nahtlos in den ersten über, so wie die Phasen der Bipolarität selbst. Doch der Mensch ist mehr als seine Diagnose, sondern ein Individuum mit komplexen Erfahrungen und Geschichten – und wenn jemand diese Geschichte zu erzählen weiß, dann ist es TABY.
Für 2026 plant TABY steht nun der nächste große Schritt bevor: Mit der EP “An scharfen Messern lernt man bluten” verabschiedet TABY sich vollständig von ihrem früheren Image als Rapperin und betritt eine Welt zwischen melodischem Alternative Sound und experimentellem Darkwave, der an Mia Morgan, Poppy und LaFee erinnert. “An scharfen Messern lernt man bluten” gleicht einer Sammlung düsterer Erzählungen zwischen Mythologie, Körperlichkeit und Verfall. TABYs neue Songs bewegen sich durch Labyrinthe, dunkle Gewässer und verborgene Räume, die zugleich verletzlich und bedrohlich erscheinen, und erschaffen dabei eine Atmosphäre zwischen Traum, Albtraum und Sage.
Fotocredit: Peter Golm (zur Verfügung gestellt von MONA LINA Music Promotion)