Mit ihrer aktuellen EP „STERBEN“ zeigen KAAK eine neue Facette ihrer Musik. Weg von verkopften Metaphern, hin zu mehr Direktheit, klaren Aussagen und einer spürbaren emotionalen Wucht. Die Songs wirken roher, unmittelbarer und lassen bewusst weniger Raum für Interpretation – stattdessen stehen Haltung, Gefühl und Atmosphäre im Mittelpunkt. Zwischen Post-Hardcore, Indie und spürbaren 90s-Einflüssen entsteht dabei ein Sound, der gleichermaßen druckvoll wie vielschichtig ist. Gleichzeitig bleibt sich die Band in ihrer Arbeitsweise treu: intuitiv, ehrlich und ohne starres Konzept. Im Gespräch mit uns dem Frontstage Magazine geben KAAK Einblicke in den Wandel ihres Songwritings, die Entstehung von „STERBEN“ und warum echte Emotion manchmal wichtiger ist als jede ausgeklügelte Idee.
Frontstage Magazine: Eure EP „STERBEN“ wirkt inhaltlich deutlich düsterer und direkter – was hat euch thematisch in diese Richtung gezogen?
Kaak: Bei unserem Debut-AlbumSchrei Doch war ich als Texter thematisch eher introspektiv unterwegs und stand auf verschachtelte Metaphern und wilde Assoziationen. Ich hatte gerade erst Heisskalt, Van Holzen und Fjort für mich entdeckt und habe mich insbesondere davon inspirieren lassen. In den letzten Jahren haben mich zunehmend auch direktere und erzählerische Texte interessiert. Amerikanische Bands wie Drug Church und Touche Amore zum Beispiel waren da große Einflüsse. Der Twist kam für mich mit dem Bonustrack zum Album, Krone, der als letztes geschrieben und aufgenommen wurde. Da wollte Ich mal nicht nach innen, sondern nach außen gehen und so richtig abkotzen. Ich habe dann sehr viel Zeit und Mühe in diesen Text investiert, weil Ich schon wollte, dass es richtig wehtut und zynisch ist, aber ohne dabei Plump zu sein. Und von da aus hat sich das dann weiterentwickelt.
Frontstage Magazine: Ihr habt die EP als gestaffelte Singles veröffentlicht – wie hat dieses Release-Konzept eure Herangehensweise an die Songs beeinflusst?
Kaak: Ehrlich gesagt kaum. Die Songs lagen sehr lange als Demos auf meiner Festplatte und das Projekt lag auf Eis. Dann hat sich eine neue Bandbesetzung ergeben und wir haben gemeinsam aus meinem Demo Ordner vier Favoriten gewählt, die miteinander stimmig waren und losgelegt. Das ist eher intuitiv passiert, als dass da viel Konzept gesponnen wurde. Klar war nur, Sterben muss die erste Single mit Long-Form Video sein, weil der Song so anders ist, als alles, was bisher veröffentlicht wurde und klarmacht, dass jetzt ein neues Kapitel losgeht.
Frontstage Magazine: Eure Tracks bewegen sich zwischen Atmosphäre, Groove und rohen Riffs – startet ihr beim Schreiben eher mit einem Gefühl, einem Sound oder einem konkreten Gedanken?
Kaak: Früher hat mich oft die Musik, die Ich höre zu Riffs oder Parts inspiriert. Bei Predigt war zum Beispiel gerade Glow On von Turnstile raus, das hat mich zum Refrain und zum Bridge-Riff inspiriert. Sterben war anfangs ein Witz, lag fünf Jahre lang halbfertig in der Schublade, fiel mir beim Umziehen in die Hände. Die vorletzte Soulblind und die damals aktuelle Drug Church haben den Rest in Gang gebracht. Ich will dann immer verstehen, warum diese Musik, die Ich da entdecke, so geil ist, spiele das nach und versuche rauszufinden, wie die das hinkriegen. Dabei entstehen dann neue Ansätze, die ein Eigenleben entwickeln und zu KAAK-Songs werden. Texte und Melodien kamen bisher eher zum Schluss. Sterben und Ventilator, die erst kurz vor der EP fertig wurden, sind allerdings mit der Akustikgitarre auf der Couch entstanden und fingen eher an mit einem Gefühl an, als mit einer konkreten Inspiration von außen. Jetzt gerade ändert sich das aber alles, weil wir in der neuen Besetzung zusammen neue Musik schreiben. Da ziehen wir eher irgendwie irgendwas aus dem Ärmel und probieren daran herum, bis es geil ist. Am Ende bleibt die ganze Sache ohnehin genau das: inspirierte Momente festhalten und dann rumprobieren bis es geil ist. Den Rest dazwischen hat man eh nur begrenzt unter Kontrolle, glaube Ich. Aber die Atmosphäre ist glaube Ich der Knackpunkt bei jedem Song. Das Gefühl, dass dahintersteht, dirigiert letztendlich den Text, die Parts, die Sounds und den Mix. Mit welchem Aspekt eines Arrangements man sich dem als erstes annähert, ist glaube Ich bloß Geschmacks- und Gewohntheitssache.
Frontstage Magazine: Man hört auf „STERBEN“ auch Einflüsse aus dem melodischen 90er-Rock – welche Bands oder Sounds haben euch dabei besonders geprägt?
Kaak: Am meisten kommt das glaube Ich von aktuellen und 2010er Bands, die selbst direkt von den Neunzigern inspiriert beziehungsweise zu der Zeit aufgewachsen sind. Drug Church, Militairie Gun, Turnstille, Touche Amore, Title Fight und solche Sachen. Aus dem Jahrzehnt selbst würde Ich sagen sind Fugazi, frühe Foo Fighters und Nirvana schon immer Thema gewesen für mich. In der zweite Reihe kommen dann aber auch so etwas nischigere Sachen wie Hum oder Lemonheads und auch DC Hardcore aus den Achtzigern, vor allem Scream, Bad Brains und Minor Threat – letztere in Bezug auf KAAK aber vor allem was die Texte angeht.
Frontstage Magazine: Neben dem digitalen Release habt ihr euch bewusst für limitierte Kassetten und DIY-Merch entschieden – wie wichtig ist euch dieser physische, greifbare Aspekt eurer Musik heute noch?
Kaak: Dieser Teil der Musikveröffentlichung verbindet finde Ich viele Dinge. Zum einen hat man am Ende von einem langen Kreativprozess ein haptisches Ergebnis in der Hand – das ist ein sehr bereicherndes Gefühl. Zum anderen sind Merch und Tonträger Dinge, bei denen man in echten Kontakt kommt mit den Leuten, die sich etwas davon kaufen. Egal ob es der kurze Schnack am Merch-Tisch nach einem Konzert oder der kleine handgeschriebene Brief ist, den Ich zu jeder Online Bestellung lege, ist dieser Kontakt auch sehr bereichernd. Man spürt dann die Resonanz und die Verbundenheit, die die eigene Musik erzeugt, und jede:r Musiker:in kann bezeugen, dass die ganze Sache ohne dieses Gefühl deutlich witzloser ist, als mit. Und ganz ehrlich: die Verkäufe sind wichtige Einnahmen als Basis für all die Dinge, die einen als Band Geld kosten, gerade jetzt im Moment, wo kleinen Bühnen rarer und die Logistik teurer wird.
Fotocredit: Jacco Herhaus