Wer erwachsen wird, merkt schnell: Der Weg nach vorne führt oft erst einmal tief nach innen. Es ist kein glatter Sprint in die Freiheit, sondern eher das mühsame Sortieren der eigenen Scherben, ein Innehalten im Chaos und das bewusste Sammeln von Sauerstoff für das, was noch kommt. Genau in diesem Zwischenraum – dort, wo die Last der Vergangenheit auf die Ungewissheit der Zukunft trifft – schlagen HIMITZU ihr Lager auf. Mit ihrem Debütalbum „EXHALE THE PAST // INHALE THE FUTURE“ (VÖ: 10.04.2026) liefert das Düsseldorfer Quartett keine Instant-Lösungen für die Krisen unserer Zeit. Stattdessen beweisen sie den Mut, den Finger in die Wunden zu legen und eine Klangwelt zu erschaffen, die gleichzeitig wehtut und heilt.
Authentizität trifft auf atmosphärische Wucht
HIMITZU vereinen in ihrem Sound Alternative Rock, Dark Pop und Elektronik zu einem ehrlichen Safe Space, der an die Energie von Nothing But Thieves oder PVRIS erinnert. Zwischen analogen Synths und treibenden Drums verarbeitet die Band Themen wie Mental Health und gesellschaftliche Entfremdung, ohne dabei in Klischees zu verfallen – getragen von Marisas Stimme, die souverän zwischen Intimität und Power wechselt. Diese kompromisslose Authentizität spiegelt sich auch im handgemachten Artwork wider: Ein bewusstes Statement für Menschlichkeit und gegen digitale Beliebigkeit, das zum Innehalten und Mitfühlen einlädt.
HIMITZU nehmen uns mit auf eine Reise durch Licht und Schatten
Der Opener „LITTLE GIRL“ zieht uns sofort in den Bann: Nach einem atmosphärisch-elektronischen Intro entlädt sich der Song mit einer Wucht, die Marisas glasklare Stimme perfekt in Szene setzt. Der Refrain ist ein regelrechter Ohrwurm. Direkt im Anschluss folgt der Streaming-Erfolg „PREDATOR“. Mit seinem ansteckenden Rhythmus und einem perfekt austarierten Instrumental beweist der Track, warum er bereits 2025 Wellen schlug – live dürfte dieser Song mit seinem enormen Spannungsaufbau und der stimmlichen Range ein absoluter Garant für Bewegung sein.
Mit „GASOLINE“ zeigen HIMITZU ihre moderne Seite. Der Song beginnt mit einem zarten, an Billie Eilish erinnernden Gesang, bricht dann aber in einen tanzbaren, modernen Sound aus, der erfrischend unkonventionell wirkt. Es folgt „SIREN“ , das mit hohen Gesangsparts und rockigen Alternative-Gitarren punktet. Der hymnenartige Refrain setzt sich gnadenlos im Gehörgang fest und leitet fließend in das atmosphärische „HAUNTED“ über. Gemeinsam mit Friedrich Rexer erschaffen HIMITZU hier eine wohlige Klanglandschaft, in der Marisa ihre Fähigkeit für komplexe Melodiebögen voll ausspielt, bevor der Track in elektronisch verzerrten Vocal-Experimenten ausklingt.
Dass die Band auch die „Wand aus Sound“ beherrscht, zeigt „NEVERMORE“ . Ein perfekt eingespieltes Schlagzeug trägt Marisas Gesang durch eine dichte Klanglandschaft, die zum Treibenlassen einlädt. Ein echtes Highlight ist „TREAT ME BAD (LIKE I’M NO ONE’S DAUGHTER)“: Hier dominieren zunächst tiefe Bässe und ein dezentes Instrumental, um den hochemotionalen Lyrics Platz zu machen, bevor der Song in einem epischen Alternative-Gewitter mit der verzweifelten Wiederholung der Zeile „You don’t know the way I feel“ endet.
Das emotionale Herzstück bildet der über fünfminütige Longtrack „MY LOVE“. Eine deutsche Telefonansage – die Nachricht an eine verstorbene Person – leitet dieses hochemotionale Stück über Verlust und Vermissen ein. Der Kontrast zwischen intimen, fast stillen Textpassagen und dem plötzlich hereinbrechenden, rockigen Refrain macht den Schmerz fast physisch greifbar. Den Abschluss bildet das konfrontative „HUM4N 3RR0R“ (feat. Fabian Jochum von The Narrator). Hier zeigen HIMITZU ihre politischste Seite. Aggressive Klangfarben und die Shoutparts von Jochum eskalieren zu einem Aufruf für Zivilcourage und gegen gesellschaftliche Spaltung, bevor das Album so abrupt endet, wie die Realität uns manchmal trifft.
Fazit
„EXHALE THE PAST // INHALE THE FUTURE“ ist das beeindruckende Ergebnis einer fünfjährigen Findungsphase. HIMITZU liefern ein abwechslungsreiches, modernes Werk ab, das den Zeitgeist nicht nur einfängt, sondern ihm eine tiefe, menschliche Ebene hinzufügt. Es ist ein Album zum Treibenlassen, zum Tanzen und zum Reflektieren. Wer Musik mit Botschaft und klanglicher Strahlkraft sucht, kommt an diesem Debüt nicht vorbei. HIMITZU zeigen hier eindrucksvoll ihr riesiges Potenzial – man darf gespannt sein, was diese Band in Zukunft noch bewegen wird.
HIMITZU – Live 2026
09.04.2026 – Oberhausen, Druckluft (mit VINTA)
10.04.2026 – Leipzig, Bandhaus (mit VINTA)
11.04.2026 – München, Backstage (mit VINTA)
12.04.2026 – Frankfurt, Nachtleben (mit VINTA)
16.05.2026 – Wesel, Eselrock
12.09.2026 – Kamp-Lintfort, Klangrevier Festival
Fotocredit: Albumcover / Artwork