Ist die Welt eigentlich kollektiv am Ende oder bilden wir uns das nur ein? Diese provokante Frage stellen TYNA auf ihrer neuen EP „SO LALA“, die am 10. April 2026 via Redfield Records das Licht der Welt erblickt. Die Hamburger Formation, die sich über die letzten Jahre einen Ruf als unermüdliches Live-Monster erspielt hat, präsentiert sich hier in einem völlig neuen Glanz. Wer die Band um Frontfrau Tina, Murphy am Bass, Mia an der Gitarre und David am Schlagzeug bisher nur als klassischen Indie-Punk abgespeichert hat, darf sich nun auf eine gewaltige Sound-Evolution freuen. Es ist moderner, elektronischer und mutiger geworden – ohne dabei die gewohnte Haltung oder den Kern zu verlieren, der die Band auszeichnet.
Synthies, Wut und tanzbares Chaos
Die EP startet mit dem programmatischen „ADHS“ direkt in die Vollen. Treibende Rhythmen treffen auf eine durch Autotune veredelte Gesangsperformance von Tina, die zeigt, welch stimmliches Talent hier am Werk ist. Trotz des ernsten Themas der Selbstzweifel zwingt der Song durch sein druckvolles Instrumental und den tanzbaren Rhythmus förmlich zur Bewegung – eine Hymne für alle Betroffenen, die sich im Chaos wiederfinden. Nahtlos schließt sich „CHAOS“ an, ein Track, der die mentale Überforderung in einer Welt der Selbstoptimierung thematisiert. Hier fusioniert moderner Punk-Rock mit NDW-infizierten Synthies zu einem Sound, der nach Cyber-Punk und Rebellion klingt.
Mit „KAMEHAMEHA“ folgt ein kathartischer Befreiungsschlag. Inspiriert von der popkulturellen Dragon-Ball-Referenz entlädt die Band hier geballte Energie gegen toxische Dynamiken und gesellschaftliche Missstände. Es ist ein „In-your-face“-Moment, in dem Tina gekonnt zwischen melodischem Gesang und wütenden Ausbrüchen wechselt. Diese Energie wird in „A****“konsequent weitergeführt. Der Song ist eine Abrechnung mit manipulativen Menschen und lädt mit seinen scharfen Synthesizer-Hooks gleichermaßen zum Pogo wie zum Mitsingen ein.
Den krönenden Abschluss bildet der Titeltrack „ALLEN GEHT ES“, der als Vorbote für das kommende Album fungiert. Mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus entlarven TYNA hier die „Toxic Positivity“ unserer Zeit. Das Mantra „So lala, aber danke, dass du fragst“ hält der Leistungsgesellschaft den Spiegel vor, verpackt in einen rohen Rock-Vibe mit spielerischen Electro-Elementen.
Fazit
Mit „SO LALA“ haben TYNA nicht nur eine EP, sondern ein echtes Statement abgeliefert. Die Band beweist, dass man sich musikalisch extrem experimentierfreudig weiterentwickeln kann, ohne die eigene politische Kante zu verlieren. Es ist der perfekte Soundtrack für unsere Zeit: Man kann zu diesen Songs hervorragend die Welt vergessen und tanzen, während man gleichzeitig dazu angeregt wird, die Fassaden des Alltags zu hinterfragen. Vor allem live dürften diese Nummern die Clubs in ein Tollhaus verwandeln. Eine absolute Empfehlung für alle, die Musik mit Hirn, Herz und ordentlich Wumms suchen. Man darf mehr als gespannt sein, was uns auf dem kommenden Album erwartet – TYNA sind definitiv bereit für die ganz großen Bühnen!
TYNA – ALLEN GEHT ES TOUR 2026
10.04.2026 – Oberhausen, Druckluft
11.04.2026 – Bremen, Zollkantine
17.04.2026 – Hannover, Lux
18.04.2026 – Berlin, Privatclub
01.05.2026 – Düsseldorf, Ratinger Hof
02.05.2026 – Kassel, Goldgrube
08.05.2026 – Leipzig, Bandhaus
09.05.2026 – München, Kranhalle
Fotocredit: Albumcover / Artwork