Mir fällt es immer unglaublich schwer nicht in Lobeshymnen auszubrechen, wenn ich über dieses kleine große Festival inmitten der Berner Alpen schreibe: das Greenfield Festival in Interlaken. Allein die Kulisse zieht einen jedes mal wieder aufs Neue in den Bann, ganz egal wie oft man schon vor Ort war.
Festival Opener waren natürlich wie immer ganz traditionell die Alphornbläser, die natürlich passend zum Festivalgenre ihren Hörnern Hymnen entlockten wie zum Beispiel In the end von Linkin Park. Immer wieder ein Vergnügen diesem Spektakel lauschen und zusehen zu dürfen!
Apropos Spektakel: das sind definitiv auch immer wieder Zebrahead aus Kalifornien. Absolutes Chaos (im positivsten Sinne) und die pure Energie beherrschen hier die Bühne und man fragt sich manchmal aus welcher Quelle die Herren diese schöpfen. (Ein kleiner Vogel zwitscherte mir während eines Interviews mit besagter Band, es handle sich um die „Red-Bull-Quelle). Ist ja auch egal wie es funktioniert, Fakt ist: es funktioniert und zwar so richtig! Diese Musiker versprühen einfach gute Laune, was definitiv auch an der Minibar liegt, die immer zum festen Inventar on stage gehört, aber viel mehr noch an Charisma und astreiner Mucke.

Das absolute Kontrastprogramm zu buntem Punk Rock haben im Anschluss Ice Nine Kills aus Boston gebildet. Klarer Metalcore Sound der aber auf der Bühne mit einer ziemlich verstörend wirkenden Szenerie begleitet wird. Von Horror Clowns, über die schauspielerisch sehr gut dargestellte Entnahme von Gedärmen war so einiges dabei, was ganz sicher bei dem Einen oder den Anderen für etwas Gänsehaut aus Grusel gesorgt hat.
Alter Bridge – muss ich nicht viel zu sagen, absolute Klassik Legenden, die die Perfektion auf jede Bühne bringen. So auch an diesem Festival Donnerstag auf die Greenfielder Jungfrau Stage.
Überraschung des Tages war für mich dann die schwedische Nu-Metal Thrown. Catchy ab dem ersten Ton und direkt auf die_muss-ich-mal-in-einem-kleinen-Club-sehen-Liste gepackt.
Von der kleinen Stage wieder rüber zur großen, denn dort war die Zeit für den Gig von A Day To Remember gekommen. Auf die Gruppierung rund um den Frontman Jeremy McKinnon ist einfach immer Verlass. Ein Brett hat das nächste gejagt und die Fans haben es absolut gefeiert. Paranoia, All My Friends, The Downfall of us All oder auch Have Faith in Me haben das Publikum definitiv zum Crowdsurfen und Pogen animiert. Nicht nur vor der Bühne, denn auch on stage war hinter der Band eine beachtliche Crowd, die den Gig von der Bühne aus feiern durften, weil sie dies gewonnen hatten.

Touché Amoré wollte ich schon immer einmal live sehen, deswegen war es nur logisch, dass ich mich um 20:30 Uhr nach Schweizer Ortszeit an der Eiger Stage einfand. Ohne viel Brimborium, dafür aber mit viel musikalischer Stärke haben die Jungs aus Los Angeles ihr Set gespielt
Zu The Offspring gibt es ja, egal auf welchem Festival man sich befindet, immer geteilte Meinungen. Die einen finden’s geil, die anderen sagen, die können einfach nicht live. Ich habe sie nun mit dem Greenfield ein zweites Mal live erleben dürfen und muss sagen, dass mir für meinen Teil The Offspring Spaß macht. Es gab zwar hier und da mal einen winzigen Part der nach Schulband im Proberaum klang aber der restliche Gig hat diese kleinen Schwachstellen wieder komplett rausgerissen. Die Setlist bestand eh nur aus Bangern, bei dem mindestens jede zweite Person ziemlich textsicher war. Stimmungsbarometer wurde definitiv nach oben gepetert.

„No photos“ das war erst einmal die Ansage, die viele Fotograf*innen vor dem Gig von President sehr traurig gestimmt hat, denn das kam schon arg kurzfristig (als alle sich schon im Fotograben befanden) und ist meiner Meinung nach ein wenig respektlos, da man diese Infos ja doch einen kleinen Tacken vorher hätte durchsickern lassen können. Kleine Entschädigung, das Konzert und die Leistung on Stage war schon vom Feinsten. Die Atmosphäre, die von der Bühne rüber sickerte hat einen richtig eingenommen, fast eingesaugt, so dass man sich selbst fast für ein paar Momente vergessen hat.
Sich selbst vergessen geht bei Sabaton schlecht. Denn die schwedischen Power-Metal-Riesen sorgen zu Beginn und während ihrer Show mit Kanonenschüssen immer wieder dafür, dass die geteilte Aufmerksamkeit eines jeden bei ihnen auf der Bühne liegt. Und egal ob man Fan von ihrem Bühnenbild und ihrer Musik ist, es ist schon beeindruckend, was die Schweden musikalisch und Performance-technisch abliefern. Sympathisch sind sie dabei auch noch, deswegen ein gelungener, runder Abschluss für Tag Eins des Greenfield Festivals in Interlaken.
Fotocredits: Johanna Lippke