Der Sonntag brachte das, worauf viele nach zwei intensiven Festivaltagen gehofft hatten: endlich kein Regen mehr und gegen Mittag wurde es sogar richtig warm, hellere Momente über der Eifel und ein Gelände, das noch einmal komplett aufdrehte.
Trotz müder Beine und heiserer Stimmen wirkte das Infield überraschend wach – als wolle niemand den letzten Tag dieses Wochenendes zu früh enden lassen. Auch am Finaltag zeigte sich der Timetable erneut gnadenlos voll. Wer hier unterwegs war, musste Entscheidungen treffen. Doch genau das gehört doch zu Rock am Ring dazu, wie eben auch der ein oder andere Regenschauer. Umso schöner, dass diese am Sonntag ausblieben.
Auf der Orbit Stage spielten als eine der ersten Bands Ego kill Talent aus Brasilien und zeigten eine tanzbaren Alternativ-Rock. Im Anschuss wurde es deutlich härter und Boundaries aus Connecticut brachten den ersten härteren Moshpit vor die Orbit Stage.
Einen der auffälligsten Auftritte des Tages lieferten Hollywood Undead auf der Utopia Stage. Die Band aus Los Angeles ist bekannt für ihre Mischung aus Rap, Rock und Nu-Metal-Elementen. Besonders auffällig war , wie mühelos die Jungs zwischen Party und aggressiveren Passagen wechseln. Songs wie „Undead“ oder „Riot“ funktionierten mit tausenden Stimmen vor der Bühne einfach perfekt. Die Show war laut, direkt und genau auf Festivalgröße ausgelegt – ein Auftritt, der das Publikum ohne Umwege abholte.
Im Anschluss folgte ein deutlicher Stilbruch, der sich dennoch als einer der bestbesuchten Momente des Tages entpuppte. Finch brachte seine ganz eigene Mischung aus Rap, Schlager-Referenzen und auch der ein oder anderen Techno Einlage auf die Bühne. Seine Songs werden auf den Zeltplätzen hoch und runter gespielt, dabei ist es völlig egal ob es ein Rock Festival ist oder eben auch Setting wie beim Parookaville. Daher war es nicht verwunderlich, dass die Utopia Stage bis weit in den C Bereich gefüllt war. Schon bei seinem Auftritt 2023 hatte Finch auf der Mandora Stage für absolute Eskalation gesorgt, doch diesmal wirkte alles noch eine Nummer größer. Egal zu welcher Uhrzeit: Das Konzept funktioniert. Das Publikum feierte es und selbst Skeptiker mussten anerkennen, dass dieses Konzept live erstaunlich konsequent aufgeht.
Während die Utopia Stage an diesem Tag ein sehr gemischtes Programm bot, dominierte auf der Mandora Stage klar der klassische Rock. Mit Social Distortion und Alter Bridge folgten zwei Acts, die den Sonntag musikalisch erdeten und gleichzeitig eine Brücke zu den Wurzeln des Genres schlugen. Zwischen Punkrock-Energie und moderner Hard-Rock-Perfektion entstand ein Programmblock, der bewusst weniger auf Trends und mehr auf größen des Genres setzte.
Zwischen diesen großen Namen zog es einige Besucher zur Orbit Stage, wo mit President einer der geheimnisvollsten Acts des gesamten Line-ups auftrat. Bis heute ist die genaue Identität der Gruppe nicht vollständig geklärt – ein Umstand, der die Faszination eher verstärkt als schwächt. Die wachsenden Shows und die Ankündigung des ersten vollständigen Albums zeigen deutlich, dass hier ein Projekt entsteht, das sich bewusst entscheidet diesen Hype mitzunehmen und stetig größer wird.
Den finalen Höhepunkt des Wochenendes lieferte schließlich ein echter Klassiker. Iron Maiden betraten als Headliner die Bühne der Utopia Stage und zeigten eindrucksvoll, warum sie seit Jahrzehnten zu den größten Namen der Rockgeschichte gehören. Rund um Frontmann Bruce Dickinson präsentierte die Band eine Show, die in ihrer Routine, Präzision und Energie kaum zu übertreffen ist. Dabei war es nicht nur die Musik, die den Abend prägte, sondern auch das gesamte visuelle Konzept. Das ikonische Symbol der Band „Eddie“ ist längst ein fester Bestandteil jeder Iron Maiden Show und findet sich in der Crowed auf Zahlreichen Shirts. Es ist diese Mischung aus Tradition, Größe und absoluter Live-Erfahrung, die Iron Maiden zu einem der zuverlässigsten Headliner macht. Hier stehen viele vor der Bühne die, die Band bereits vor Jahrzehnten gesehen haben – aber auch viele jungen Besucher, die eine absolute Legenden Band nicht verpassen wollten.
Zum Abschluss durfte mit Sondaschule eine Band die Orbit Stage übernehmen, die sich diesen Slot kaum mehr hätte verdienen können. Nach unzähligen Shows und Festivalauftritten in den vergangenen Jahren, einer stetig wachsenden Fanbase und der Ankündigung einer großen Show in der Dortmunder Westfalenhalle war klar: Hier steht eine Band, die ihren Weg immer weitergeht und sich den erfolg maximal erspielt haben.
Rock am Ring verabschiedete sich 2026 mit einem Sonntag, endlich ohne Regen, dafür mit umso mehr musikalische Höhepunkte bereithielt. Wir sind jetzt schon gespannt was hier im kommenden Jahr neben Blink-182 aufgefahren wird.
Fotocredit: Lara Krämer