Mit „Saferooms & Healing Frequencies“ veröffentlicht PLUME ihr Debütalbum und öffnet damit erstmals vollständig die Tür zu ihrer eigenen musikalischen und visuellen Welt. Zwischen Metal, Rock, Pop und elektronischen Einflüssen verbindet die Band persönliche Erfahrungen mit einer düsteren, mystischen Ästhetik und Themen wie Rückzug, Freiheit und Heilung. Im Interview mit uns dem Frontstage Magazine sprechen PLUME über die Entstehung des Albums, ihren Proberaum als persönlichen „Saferoom“, kreative Grenzen – oder deren Abwesenheit – und darüber, warum die Band für sie weit mehr als nur Musik ist.
Frontstage Magazine: „Saferooms & Healing Frequencies“ ist euer Debütalbum. Wenn ihr das Album als Gesamtwerk betrachtet: Welche Geschichte erzählt es über PLUME und darüber, wo ihr als Band gerade steht?
Plume: Unser erstes Album anzugehen, war für uns ein großer Schritt. Wir haben uns bewusst etwas Zeit gelassen und auf den richtigen Moment gewartet. „Saferooms & Healing Frequencies“ ist unsere eigene Interpretation von Gefühlen und Erfahrungen, die wir aus dem Leben mitnehmen. Wir wollten diese nicht einfach nur in Songs verpacken, sondern eine eigene Welt darum erschaffen. Eine Welt, die gleichzeitig sakral und mystisch, aber dennoch nahbar und persönlich ist. Auch klanglich wollten wir genau diese Atmosphäre einfangen. Neben unseren musikalischen Einflüssen haben uns dabei auch bestimmte visuelle und atmosphärische Welten inspiriert. Zum Beispiel die düstere, melancholische Ästhetik von „Silent Hill 3“. All diese Einflüsse fließen für uns zu etwas Eigenem zusammen. Das Album steht also für eine musikalische und visuelle Welt, die wir mit „Saferooms & Healing Frequencies“ zum ersten Mal in ihrer ganzen Form nach außen tragen.
Frontstage Magazine: Euer Sound bewegt sich zwischen Metal, Rock, Pop und elektronischen Elementen. Gab es beim Schreiben des Albums Momente, in denen ihr bewusst entschieden habt: „Das ist eigentlich zu viel – genau deshalb machen wir es“?
Plume: Definitiv nicht. Beim Schreiben und Produzieren setzen wir uns eigentlich keine Grenzen. Wir finden es spannend uns von den unterschiedlichsten Genres und Stilen inspirieren zu lassen. Es gibt so unglaublich viel gute Musik da draußen in der Welt. Warum sollte man sich also selbst auf ein Genre beschränken? Für uns geht es vor allem darum, den Dingen ihren Lauf zu lassen und zu schauen, wohin die Musik einen führt. Manchmal entsteht etwas, das man vorher überhaupt nicht geplant hatte und wenn es funktioniert, dann funktioniert es einfach.
Frontstage Magazine: Der Albumtitel „Saferooms & Healing Frequencies“ klingt gleichzeitig nach Rückzug, Schutz und Heilung. Was steckt hinter diesem Titel und wie stark spiegeln sich darin persönliche Erfahrungen wider?
Plume: Ganz allgemein betrachtet handelt „Saferooms & Healing Frequencies“ von Menschlichkeit und Heilung. Heilung ist etwas sehr Menschliches, aber sie sieht für jeden Menschen anders aus. Manchmal braucht sie viel Zeit, manchmal geht sie schneller und vor allem verläuft sie nie geradlinig. Während wir das Album in unserem Proberaum geschrieben haben, wurde dieser Ort für uns selbst zu einem „Saferoom“. Wir konnten uns dort für einen Moment von all dem privaten Chaos und den Dingen, die uns beschäftigt haben, isolieren und einfach gemeinsam Musik machen. Die Musik, die dabei entstanden ist, wurde für uns zu unseren eigenen „Healing Frequencies“. In gewisser Weise erzählt das Album deshalb auch die Geschichte von PLUME an einem bestimmten Punkt unseres Lebens. Wir haben gelernt, dass man nicht immer sofort Antworten oder Lösungen braucht, sondern manchmal einfach einen Raum, in dem man sein, fühlen und verarbeiten kann. Und genau das hoffen wir auch mit dem Album weiterzugeben. Wenn unsere Musik für andere Menschen zu einem solchen „Saferoom“ werden kann, dann schließt sich für uns der Kreis.
Frontstage Magazine: Ihr sprecht von einer neuen Generation von Rockstars und verbindet Musik stark mit Ästhetik, Inszenierung und Performance. Wo endet für euch PLUME als Band und wo beginnt PLUME als eigenes künstlerisches Universum?
Plume: Für uns gibt es diese klare Grenze eigentlich gar nicht. PLUME ist viel mehr als nur die Musik. Es sind auch unsere Persönlichkeiten, unsere Interessen, Ängste, Vorlieben und all die Dinge, die uns als Menschen ausmachen. Das fließt automatisch in die Band und in das, was wir erschaffen mit ein. Deshalb wollen wir uns auch visuell nicht zurückhalten oder nur auf die Musik beschränken. Für uns ist das Ganze eine weitere Möglichkeit, uns künstlerisch auszuleben. Egal, ob auf der Bühne, oder hinter der Bühne. Am Ende gehört für uns einfach alles zusammen. Die Musik, die Ästhetik und die Performance sind verschiedene Seiten von PLUME, aber sie kommen alle aus derselben Ecke: Aus uns selbst.
Frontstage Magazine: Stellt euch vor, Aliens finden in 5.000 Jahren als einziges Überbleibsel unserer Zivilisation eine Kopie von „Saferooms & Healing Frequencies“. Sie halten das Album für eine heilige Schrift und gründen darauf eine Religion. Welcher Song wird ihre Hymne, welches Bandmitglied zur Gottheit – und welche völlig absurde Tradition würde diese Religion entwickeln?
Plume: Ich denke, „Furious Icon“ wäre ziemlich eindeutig ihre Hymne und unser Logo wahrscheinlich ihre heilige Ikone. Ich würde sagen, es wäre ein polytheistischer Glaube. Jeder von uns wird zu einer eigenen Gottheit. Die Tradition wäre, dass sich alle Gläubigen einmal im Jahr von Kopf bis Fuß mit Ketten umwickeln lassen, wie auf unserem Album-Cover und den ganzen Tag so verbringen müssten. Erst am Abend, wenn sie in die PLUME-Version ihrer „Kirche“ gehen, werden ihnen während der Messe die Ketten wieder abgenommen. Das Ganze soll daran erinnern, dass Freiheit eines der größten Geschenke ist, das sie als Wesen haben und wie schlimm es sein kann sich, egal in welcher Hinsicht eingeengt zu fühlen. Und natürlich würde die ganze Zeremonie mit „Furious Icon“ enden.
Fotocredit:Jessy Romero Walter