Seit mehr als 25 Jahren steht Massendefekt für deutschsprachigen Punkrock, eingängige Melodien und eine klare Haltung. Mit ihrem zehnten Studioalbum gehen die Düsseldorfer nun einen besonderen Schritt: Erstmals trägt eine Platte schlicht den eigenen Bandnamen „MASSENDEFEKT“. Und das nicht ohne Grund – das Album soll die Band genau so zeigen, wie sie heute ist: ehrlich, ungezwungen und ohne den Anspruch, irgendjemandem etwas beweisen zu müssen. Im Interview mit uns dem Frontstage Magazine sprechen Nico und Sebi darüber, warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für ein selbstbetiteltes Album gekommen ist, wie sich ihre Themen nach einem Vierteljahrhundert Bandgeschichte verändert haben und weshalb eine klare Haltung gegen Nazis, Rassismus, Sexismus und Homophobie für Massendefekt weiterhin unverzichtbar ist. Außerdem geht es um die Neuinterpretationen ihrer Songs durch befreundete Bands – und natürlich um die alles entscheidende Frage, welche Soße sie für den Rest ihres Lebens wählen würden.
Frontstage Magazine: Nach 25 Jahren Bandgeschichte trägt euer zehntes Album erstmals einfach den Namen „MASSENDEFEKT“. Warum war gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für ein selbstbetiteltes Album und was sagt dieser Titel über euren aktuellen Stand als Band aus?
Nico: Weil wir über die letzten Alben wieder zu uns als Band gefunden haben. Nach „Zurück ins Licht“ war das ein Prozess bei uns und bei diesem Album haben wir uns in die Augen geschaut und waren alle der Meinung: Das ist 100 % Massendefekt – daher selftitled.
Sebi: Weil noch kein Massendefekt-Album so leicht, ehrlich und authentisch war wie dieses hier. I
Frontstage Magazine: hr seid ohne großen Masterplan ins Studio gegangen und habt nach eigener Aussage einfach die Songs gemacht, auf die ihr selbst richtig Bock hattet. Hat euch diese Freiheit nach so vielen Jahren noch einmal eine andere Seite von MASSENDEFEKT entdecken lassen?
Nico: Richtig! Das führt die erste Frage weiter. Wir haben uns bewusst die grüne Wiese genommen und sind losgelaufen. Wir hätten von den vorherigen Alben noch diverse Ideen gehabt, die haben wir bewusst verworfen und sind frisch gestartet! Einzige Ausnahme: „Unbedingt Verpassen“ – da ist das musikalische Layout aus der Writing-Session zu „LASS DIE HUNDE WARTEN“.
Sebi: Wir wollten halt keinem was beweisen, nur uns selber. Wir haben nicht für andere geschrieben, sondern einfach gemacht, was wir wollten. Da lösen sich Zwänge und der einzige Druck, den man noch hat, ist der der pünktlichen Abgabe. Das war es aber auch schon. Ein sehr befreiendes Gefühl, so Songs zu schreiben.
Frontstage Magazine: Auf dem Album beschäftigt ihr euch unter anderem mit Beziehungen, Selfcare, Sehnsucht und dem Blick nach vorne. Haben sich die Themen, über die ihr schreiben wollt, mit dem Älterwerden und nach 25 Jahren Bandgeschichte grundsätzlich verändert?
Nico: Ich glaube schon. Definitiv. Als (fast) 50-Jähriger hast du ’ne andere Sicht auf die Dinge, auf die Themen, und als jüngerer Mensch trägst du vielleicht auch mehr Wut und Ideologie für vieles in dir. Selfcare ist was, das war schon auf dem letzten Album ein großes Thema, weil uns das persönlich viel beschäftigt: Wie gehe ich mit mir selber um? Wie viel von anderen lasse ich in meinem Leben zu? Aber auch Weitblick oder Retrospektive. Das sind schon Themen, die erst in den letzten Jahren aufkamen.
Sebi: Nico, du bist 50 btw! Aber mal zum Thema: Wir schreiben ja immer schon über eigene Erlebnisse, Beobachtungen und relativ wenig in unseren Texten ist fiktiv. Also wiederholt es sich meiner Meinung nach schon etwas. Aber da wir uns ja weiterentwickeln und auch in der Welt sich einiges ändert oder verändert hat, da gehen wir natürlich durch unsere Denke auch weiter und es entstehen Veränderungen in den Lyrics!
Frontstage Magazine: Eure politische Haltung gegen Nazis, Rassismus, Sexismus und Homophobie ist weiterhin ein fester Bestandteil von MASSENDEFEKT. Habt ihr das Gefühl, dass es 2026 wichtiger denn je geworden ist, diese Haltung als Band offensiv nach außen zu tragen?
Nico: Ja, ja und ja! Ich beantworte gerade die Fragen am Tag nach der Wahl in Sachsen-Anhalt und bin traurig. Auch ein bisschen wütend. Muss aber erstmal für mich alles sortieren. Ich kann nicht verstehen, wieso sich Menschen einer Partei anschließen, die für Ausgrenzung verschiedener Menschengruppen steht (das hab ich bewusst rational formuliert). MASSENDEFEKT ist ganz klar gegen Nazis, Rassismus, Sexismus und Homophobie und spricht sich auch dagegen aus. Sei es bei Konzerten oder in den sozialen Medien. Mega wichtig und in den nächsten Jahren immer mehr!!!
Sebi: Punkt!
Frontstage Magazine: Für die limitierte Doppelvinyl interpretieren befreundete Bands und Wegbegleiter*innen zwölf eurer Songs komplett neu. Gab es eine Interpretation, bei der ihr zunächst dachtet: „Was zur Hölle habt ihr aus unserem Song gemacht?“ – die euch am Ende aber gerade deshalb besonders gefallen hat?
Nico: Hahaha. Nein, gar nicht. Wir haben alle Bands gefragt und alle hatten direkt Bock. Bei ein paar hat es zeitlich aufgrund von eigenen Produktionen nicht hingehauen, dass sie dabei sind, aber wir sind super happy damit. Konzept war: „Ihr sucht euch einen Song aus“ und „Ihr entscheidet, was ihr damit macht“ – und es war jedes Mal, als ein neuer Song reingeklettert kam, immer: Spannung, Überraschung, Grinsen. Wir sind super dankbar, so tolle Bands zu kennen, die sich die Zeit nehmen und diesen Spaß mitmachen. Ganz viel Liebe.
Sebi: Das Schöne ist ja, wenn es nicht cool ist, haben wir es nicht verbockt! ^^ Aber ich bin auch sehr happy mit den Songs und finde jede Version großartig. Und es freut und ehrt natürlich, dass so viele tolle Menschen mitgemacht haben!
Frontstage Magazine: Zum Abschluss: Wenn ihr für den Rest eures Lebens nur noch eine einzige Soße zu jedem Essen bekommen dürftet – welche wäre es und warum?
Nico: Endlich! Hab schon gedacht, du fragst nie 🙂 Tatar-Sauce aus Belgien. Weil es einfach die geilste Soße ever ist … versteh die Frage nicht 🙂
Sebi: Es geht nix über die Knoblauch-Metaxa-Sauce aus „Zur alten Post“ in Büderich. Ansonsten nehm ich die Hot Sauce von Taco Bell.
25 LIVE“-Tour
23.10. – Nürnberg, Hirsch
24.10. – München, Backstage
30.10. – Frankfurt am Main, Das Bett
31.10. – Stuttgart, ClubCann
13.11. – Hamburg, Knust
14.11. – Berlin, Hole44
20.11. – Hannover, Musikzentrum
21.11. – Leipzig, Werk 2
27.11. – Bremen, Tower
28.11. – Münster, Sputnikhalle
12.12. – Düsseldorf, Stahlwerk (inklusive „15 Jahre Tangodiesel“-Special)
Fotocredit: Ivan Tirado Espinosa