Fast zehn Jahre nach ihrem letzten Auftritt melden sich Science Of Sleep zurück. Von 2010 bis 2017 gehörte die Band zu den festen Größen der deutschen Deathcore-Szene, tourte durch Deutschland und Europa und veröffentlichte zwei Alben sowie eine EP. Nach dem letzten gemeinsamen Auftritt beim Impericon Festival 2017 blieben die Musiker in verschiedenen Metal- und Hardcore-Projekten aktiv. Nun sind Science Of Sleep wieder vereint und setzen weiterhin auf kompromisslosen Deathcore mit Blastbeats, Breakdowns und wuchtigem Death-Metal-Riffing – ohne Synthies, Keyboards oder unnötigen Schnickschnack. Für 2027 ist zudem neue Musik geplant. Wir haben mit Phil über das Comeback, neues Material, die ersten Proben nach fast zehn Jahren und die zukünftigen Liveshows gesprochen.
Frontstage Magazine: Nach fast zehn Jahren Pause seid ihr mit Science Of Sleep zurück. Gab es einen bestimmten Moment, an dem für euch feststand, dass die Geschichte der Band noch nicht zu Ende erzählt ist und ihr gemeinsam zurückkehren wollt?
Phil: Hi! Erstmal vielen Dank für das Interview. Einen festen Moment gab es glaube ich nicht. Das hat jetzt einfach gepasst. Ich war ja mit unserem Gitarrist Sven die letzten Jahre auch gemeinsam mit unserer Band WITHER unterwegs. Da kam eine SOS Reunion eigentlich nie so richtig auf. Als das unser Drummer Dennis vor ein paar Monaten vorgeschlagen hat musste keiner lange überlegen. Wir sind in den Proberaum und haben geguckt ob es passt. Und es passt. Übrigens wirklich krass wie Muscle Memory funktioniert und was man nach 10 Jahren pause noch so alles drin hat.
Frontstage Magazine: Seit eurem letzten Auftritt 2017 wart ihr alle weiterhin in unterschiedlichen Projekten innerhalb der Metal- und Hardcore-Szene aktiv. Wie haben diese Jahre und die Erfahrungen mit anderen Bands euren Blick auf Science Of Sleep und euren Sound heute verändert?
Phil: Was glaube ich alle eint ist, dass wir mit den Releases von damals immer noch enorm zufrieden sind. Da ist fast nicht schlecht gealtert. Klar ein paar Texte würde man jetzt ein wenig ander schreiben (Man ist ja auch älter und angeblich auch weiser geworden) aber sonst klingt das alles noch geil. Insbesondere das letzte Album Hellmouth kann ich immer noch hören ohne, dass mir die Parts auf den Keks gehen. Das ist ein gutes Zeichen.
Frontstage Magazine: Ihr beschreibt euren heutigen Ansatz sehr kompromisslos: keine Synthies, keine Keyboards, keine Kostüme – dafür Deathcore, Death Metal, Blastbeats und Breakdowns. War von Anfang an klar, dass ihr bei eurem Comeback genau zu dieser brachialen Direktheit zurückkehren wollt?
Phil: Wir stehen jetzt erst am Beginn des Writings für neues Material. Was aber alles klar ist, ist dass wir unserer Musik treu bleiben wollen. Wir haben keine Lust auf glatt und überproduzierten Schrottsound. Deathcore muss ein wenig dreckig und fies klingen sonst kannst du es gleich lassen. Ich höre mir heute Bands an oder gucke mir die Shows an und denke mir „Ah krass das waren jetzt 5 Minuten Musik und ich kann mich nicht an ein einziges Riff erinnern“. Außerdem gilt weiterhin „Keine Blastbeats kein Applaus“ frei nach unseren Freunden von ANCST.
Frontstage Magazine: 2027 soll auch neue Musik von Science Of Sleep erscheinen. Wie schwierig ist es nach einer so langen Pause, einerseits an den Sound anzuknüpfen, für den euch die Leute kennen, und gleichzeitig eine Band abzubilden, die sich persönlich und musikalisch fast zehn Jahre weiterentwickelt hat?
Phil: Schwierig ist es eher die Zeit zu finden. Früher waren wir alle Studenten und hatten ein Leben mit deutlich weniger Verpflichtungen. Das sieht mit Mitte 30 anders aus. Was den Style angeht mache ich mir da weniger Sorgen. Wir hatten damals 3 Releases die alle unterschiedlich und auf ihre Arten solide und brachial waren. Wir wollen bei dem neuen Zeug da anknüpfen. Ich bin gespannt was dabei rumkommt und wie schnell wir dann auch was rausbringen können. Von mir aus am liebsten schon gestern. Spannend werden auch die Texte. In der Welt passiert nach wie vor so viel Scheiße und Texte sind genau dafür da diesen Bullshit zu verarbeiten. Da freu ich mich auch drauf.
Frontstage Magazine: Mit eurem Comeback kehrt ihr auch auf die Bühne zurück. Was wollt ihr den Menschen bieten, die euch vielleicht zuletzt 2017 gesehen haben – und was sollen diejenigen von einer Science Of Sleep-Show mitnehmen, die euch 2026 oder 2027 zum allerersten Mal erleben?
Phil: Wir haben damals wirklich beachtlich viele Konzerte gespielt. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen um die 40 Shows im Jahr zu spielen und in jedes Juze und in jede Dorfkneipe zu ballern. Wir werden daher die Shows ein wenig ausgewählter angehen. Gleichzeitig versuchen wir die Show etwas zu professionalisieren. Da geht einiges mehr in die Vorbereitung als nur im Proberaum ein paar Songs durchzuspielen. Was wir nicht machen werden ist irgendwelche blöden Masken bauen irgend jemanden finden der uns pro Song ein ganzes Bett aus Synthies baut damit man auch ja keine Gitarren mehr hört.
Frontstage Magazine: Und zum Schluss wird es wie immer etwas absurder: Ihr wacht morgens auf und stellt fest, dass Deathcore weltweit verboten wurde. Ihr dürft Science Of Sleep nur weiterführen, wenn ihr euch für ein komplett gegensätzliches Genre entscheidet. Welches Genre wird es – und wer von euch würde vermutlich als Erstes freiwillig die Band verlassen?
Phil: Hm wenn es wirklich komplett anders sein müsste und Punk, Hardcore etc. Daher rausfallen würden wir wohl leider eine Folk Band gründen und uns thematisch mit deutschen Märchen und Sagen beschäftigen. Sowas wie Finntroll nur ohne Metal. Damit ziehen wir dann über alle Volksfeste der Welt, stressen uns dort mit dem Dorfpöbel und wundern uns warum unser SXE Sänger Marcus direkt nach der ersten Probe nicht mehr zu sehen war. Das wär doch auch was.
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Fotocredit: Andreas Rodemann