Es gibt Bands, die klingen, als wären sie genau für diesen Moment gemacht. schluma sind so eine. Das Hamburger Quartett mixt 90er-LoFi-Indie, noisy Emo, Diskursrock und Asselpunk zu einem Sound, der leicht und ungekünstelt wirkt, aber trotzdem voll ins Herz trifft. Dass diese Band vor allem für die Bühne gemacht ist, merkt man sofort – und das, obwohl sie sich eher zufällig an der HAW in Hamburg zusammengefunden hat. Ein verwechselter Dozent, ein Die-Nerven-Shirt und ein Gespräch über Musik reichten, damit Lenny, Peter, Pola und Linus zusammenfanden. 25 Jahre Altersunterschied? Egal. Unterschiedliche musikalische Sozialisationen? Auch egal. Ihre Haltung ist klar: nicht perfekt sein, aber trotzdem viel fühlen und es ernst meinen. Nun erscheint ihr Debüt.
Wenn es ein Qualitätslabel im deutschsprachigen Indiebereich braucht, so findet sich dies mit einem Signing beim Grand Hotel van Cleef. Auch schluma sind hier gelandet und somit sind unsere Ohren gespitzt. Die Band hat sich in den letzten Monaten nicht nur durch Supportjobs bei Kettcar und Madsen empfohlen, sondern auch durch den Gewinn des Hamburg Music Award Krach+Getöse. Und auch die Vorab-Veröffentlichungen haben beeindruckt und die Erwartungshaltung bestätigt.
Da ist zum Beispiel „Kältewarnung“, eines der ersten Lieder, die Lenny und Peter zusammengeschrieben haben. Zu dieser Zeit steckte mindestens einer von beiden in einer schwierigen Beziehungssituation, und genau die Gespräche darüber haben den Text geprägt. Eigentlich ist der Song deshalb tieftraurig – umso wichtiger war es der Band deshalb, dazu ein witziges Musikvideo zu machen: „Wir haben uns an Musikvideos der Neunziger orientiert, die oft kleine Geschichten erzählen oder wie Werbespots inszeniert sind, wie z.B. ‚Big Me‘ von den Foo Fighters oder das legendäre ‚Sabotage‘ Video der Beastie Boys. In extrem unglaubwürdigen Outfits sind wir als ‚Kälteteam‘ in Hamburg unterwegs und sorgen – passend zu den aktuellen Temperaturen – überall dort für Abkühlung, wo sie gebraucht wird: bei Menschen, die im Büro schwitzen, sich im Café streiten oder eine andere Person schlicht viel zu hot finden.“
Eine weitere Vorab-VÖ war „Ich bin ein Außenseiter dieser Republik“: Der Song bringt in zweieinhalb Minuten auf den Punkt, was schluma ausmacht. Gitarrist Peter hat den Text über Bassist und Sänger Lenny geschrieben. Beide trennen gut 25 Jahre Altersunterschied, was der gemeinsamen Band aber nicht im Weg steht. Ihr gemeinsames Fundament ist das „Rumhängen und Musikmachen“. Musikalisch findet man dann bei Asselpunk, 90er-LoFi-Indierock und noisy Emo zusammen und der „Außenseiter“ ist ein astreiner Keytrack, wenn jemand wissen möchte, was einen bei schluma erwartet.
Nun bekommen wir mit „Heulen am Wasser“ das Debüt, welches mit 16 Tracks schon ungewöhnlich vollgepackt ist, wobei sich die meisten Songs um die zwei Minuten Grenze drehen. Thematisch geht es um den Universitätskosmos („Uni Mensa Schwerverbrecher“), Beziehungsthemen („Ich leide unter Bindungsangst“) oder das ganz persönliche Scheitern („Am Arsch“). Die Bandmitglieder reichen sich dann auch untereinander das Mikrofon für die Gesangsmleodie weiter, was die kleinen schrammeligen Lo-Fi Stücke erfreulich abwechslungsreich macht.
Nach den ersten Hördurchläufen lassen sich noch drei weitere Fixtracks herausschälen. Da ist zum einen das schon durch seinen Titel neugierig machende „Ich bin offline seit 5 Jahren“, der flotte Album-Closer „Annormale Leute“, in dessen Kontext sich das instrumentale Understatement der Band eigentlich nicht mehr aufrecht erhalten lässt und der von der Band selbst auserkorene Key-Track „Cringe Gefängnis“.
Über die gesamte Albumdauer fühlt man sich nicht nur einmal an Team Scheiße erinnert, aber ich persönlich empfinde schluma über Distanz dann tatsächlich weniger anstrengend als die artverwandten Bremer. „Heulen am Wasser“ ist jedenfalls ein gelungener erster Aufschlag. Vorteil schluma.
SCHLUMA – Live 2026
04.09.-05.09 Hamburg, 10.000 Leute Festival (Indra)
16.-19.09. Hamburg, Reeperbahn Festival
01.-03.10. AT – Wien, Waves Vienna
21.10. Langenberg, KGB
22.10. Oberhausen, Druckluft
23.10. Bremen, Tower Bar
24.10. Osnabrück, Westwerk
28.10. Berlin, Lark
05.11. Oldenburg, umBAUbar
06.11. Hannover, Perle
08.11. Köln, EDP
Fotocredit: Fred Eric Hafner