ACUA sind wohl das bestgehütete Geheimnis der deutschen Indieszene. Obwohl die Band bislang weitgehend an mir vorbeigegangen ist, blicken die Kölner Musiker auf eine beachtliche Live-Karriere zurück. Tourneen quer durch Europa, Kanada und Japan stehen ebenso zu Buche wie zwei veröffentlichte Longplayer („Head Under Water“ und „Is There More Past Or More Future“). Mit „Flood My Eyes“ erscheint nun Studioalbum Nummer drei, welches sich irgendwo zwischen Studentenradio und Tame Impala Sound verorten lässt.
Elf Tracks versammeln sich auf dem neuen Longplayer und die Floskel „wir arbeiten gerne im Team“ wird hier gelebt, denn alle Bandmitglieder tragen auch zum Gesang auf dem Album bei. Es klingt, als hätte man sich bewusst geöffnet und wollte so viele Einflüsse wie möglich ins Album einfließen lassen. Der Opener „Now And Nothing“ überzeugt direkt und klingt mit einem sonoren und durchgängig unterwanderten Soundeffekt sehr interessant. Die Nummer war auch erste Vorab-Single und tritt als melancholische Hymne die Tür ein. Heulende Cellos und verträumte Chorus-Vocals duellieren sich mit energetischen Rock-Drums und versuchen dabei, in der Lautheit der Welt aufrecht und bestimmt ihre Geschichte zu erzählen.
Track Nummer zwei ist auch der Titeltrack des Albums. Ein recht zackiger Schlagzeugbeat und um die Ecke gedachte Synth-Sounds. „Hotseat“ klingt im Vergleich zu den vorherigen Tracks zunächst etwas sperrig und wäre fast schon „Skip“-Track bei mir geworden, doch die Gitarrenlinie im zweiten Part ist grandios. An vierter Stelle findet sich eine weitere Vorab-Veröffentlichung: Mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Wut erklingt in der neuen Single erstmals die Stimme von Schlagzeugerin Caro: „Fearing and facing the world / is all I ever do“ singt sie und beschreibt einen Zustand zwischen Ohnmacht und Unvermeidbarkeit. Die melancholisch-schwebende Strophe wird von einem pompösen Refrain abgelöst, in dem verzerrte Gitarren sich durch eine Wand aus Synthesizern drücken – „Play your same old slogan“.
Track Nummer 5: Mit dem knochig-psychedelischen „Near Now“ präsentieren ACUA eine neue Soundfacette, der eindrücklich die Vielseitigkeit ihres neuen Albums aufzeigt. Hölzerne Klänge gepaart mit Synthesizer-Orgeln und groovender Rhythmik erzählen von der Jagd nach der Zeit, die uns allen fortwährend davonläuft. Der Song vertont das Gefühl, dem richtigen Moment immer nur nah zu sein, aber nie ganz bei da. Absoluter Fixtrack dürfte „All Sides Of Me“ sein, der nicht durch seine prominenten Feature-Guests heraussticht, jennylee und TT der kalifornischen Band WARPAINT veredeln den betörenden Track. der Song entstand basierend auf einer Skizze mit dem Namen „Floating“ und entwickelte sich durch die gemeinsame Arbeit am Song zu einem Hybrid aus Jazz, Funk und Pop. Die Strophe wird getragen durch eine fließende Gitarre, gepaart mit einem funky Beat und fällt schließlich zusammen mit den euphorischen Synthesizern in den Hymnen-anmutenden Refrain. Passend dazu wechseln sich auch die Stimmen von ACUA und jennylee/TT ab und erzählen im Synthesizer getränkten Refrain eine für ACUA bisweilen eher ungewöhnlich simple Idee: „You are the one who knows all sides of me“.
„Open my Hands“ setzt den Reigen an gelungenen Songs fort, und mit „Koenji“ versteckt man auch noch ein Instrumental zwischen den Songs. Das leicht düstere „Nightwalks“ besticht mit einnehmender Atmosphäre und auch die beiden Closer bestechen mit mehrstimmigen Gesängen und einer ganzen Palette an Soundeinflüssen und Ideen.
Trotz seines Einfalls und Ideenreichtums wirkt das Album zu keiner Sekunde überfrachtet und wird sich sicher in meinem Jahrespoll der besten Alben zum Ende des Jahres wiederfinden. Und solltet ihr die Gelegenheit haben die Band live zu erwischen, lasst sie euch nicht entgehen. Einige Livetermine stehe für dieses Jahr noch an.
ACUA – Live 2026
03.09. Köln, Bumann & Sohn
04.09. Berlin, Rough Trade
05.09. Berlin, Klunkerkranich
20.09. Bremen, Litfass
25.09. Hamburg, Haus 73
Fotocredit: Alina von Zittwitz