Mit ihrem dritten Studioalbum „Dunn Sh’raeg“ zeigen Center of the Pyre, dass sich Härte und Emotionalität keineswegs gegenseitig ausschließen müssen. Statt ausschließlich auf maximale Wucht zu setzen, entwickelt die Band ein vielschichtiges Gesamtwerk, das seine Stärke vor allem aus unterschiedlichen Stimmungen, musikalischen Kontrasten und einer durchgehend düsteren Atmosphäre zieht.
Dabei wirkt „Dunn Sh’raeg“ weniger wie eine lose Aneinanderreihung verschiedener Ideen, sondern vielmehr wie ein geschlossenes Werk. Unterschiedliche stilistische Einflüsse greifen ineinander und erschaffen eine teilweise beinahe epische Klangwelt. Center of the Pyre nehmen sich ausreichend Zeit, ihre musikalischen Gedanken aufzubauen und zwischen brachialen, atmosphärischen und emotionaleren Momenten wechseln zu lassen.
Auch inhaltlich schlägt die Band auf „Dunn Sh’raeg“ schwere Töne an. Gesellschaftliche Missstände, institutionelle Strukturen, menschliche Grausamkeit und die dunkleren Seiten unserer Existenz bilden einen großen Teil des thematischen Fundaments. Dabei entsteht allerdings keine Platte, die ausschließlich von Wut und Hoffnungslosigkeit geprägt ist. Vielmehr stellen Center of the Pyre diesen Gefühlen immer wieder Zuversicht, Nähe und Hoffnung gegenüber.
Gerade dieser emotionale Gegensatz gehört zu den interessantesten Eigenschaften von „Dunn Sh’raeg“. Wut darf neben Trauer existieren, Angst trifft auf Hoffnung und selbst in den dunkelsten Augenblicken bleibt Platz für etwas Positives. Dadurch bekommt das Album eine emotionale Tiefe, die über reine Aggressivität deutlich hinausgeht und seinen Hörer*innen verschiedene Perspektiven eröffnet.
Nicht jeder Moment von „Dunn Sh’raeg“ entfaltet dabei sofort seine volle Wirkung. Das Album verlangt seinen Hörer*innen durchaus Aufmerksamkeit ab und eignet sich weniger für den schnellen Durchlauf nebenbei. Gerade die vielen Stimmungswechsel und unterschiedlichen Ebenen benötigen etwas Zeit, um sich vollständig zu erschließen. Wer sich darauf einlässt, entdeckt jedoch ein Album, das mit weiteren Durchgängen zunehmend an Kontur gewinnt.
Am Ende bleibt mit „Dunn Sh’raeg“ ein intensives und atmosphärisches Werk, das seine größten Stärken genau dort entwickelt, wo unterschiedliche Emotionen aufeinanderprallen. Center of the Pyre liefern damit ein Album ab, das nicht nur laut und wuchtig sein möchte, sondern seinen Hörer*innen auch etwas zum Nachdenken mit auf den Weg gibt.
Das Album findet ihr im ganzen ab Freitag hier.
Fotocredit: Albumcover / Artwork
Fotocredit: