Zwölf Jahre lang war Dick Brave von der Bildfläche verschwunden. Am Sonntagabend aber war klar: Hamburg hatte auf die Rückkehr des Rockabilly-Entertainers gewartet. Im ausverkauften Stadtpark feierten die Fans das Comeback von Sasha alias Dick Brave mit einem Abend voller Rock ’n’ Roll, großer Hits, schräger Geschichten und jeder Menge Show.
Schon lange vor dem Auftritt war der Stadtpark rappelvoll. Viele Besucher hatten sich passend zum Anlass herausgeputzt: Petticoats, Haarbänder und 50er-Jahre-Kleider trafen auf Hawaiihemden und stilechte Rockabilly-Looks. Bereits die Stranger Cats brachten das Publikum auf Betriebstemperatur und lieferten mit Klassikern wie „Blue Suede Shoes“ und „Rock This Town“ den passenden Soundtrack zum Warmwerden.
Dann, pünktlich um 20 Uhr, war es so weit: Dick Brave betrat die Bühne – und wurde von einem gewaltigen Jubel empfangen. Mit „Back For Good“, dem Titelsong seines aktuellen Albums, legte er sofort mit Vollgas los. Das Prinzip ist dabei geblieben: große Pop- und Rockhits werden in ein schnelles, knackiges Rockabilly-Gewand gesteckt. Aus bekannten Songs entstehen so kleine musikalische Überraschungen.
Und davon gab es im Stadtpark reichlich. Taylor Swifts „Shake It Off“ bekam eine gehörige Portion Rock ’n’ Roll, dazu kamen unter anderem Dua Lipas „Be The One“, Elton Johns „I’m Still Standing“, A-has „Take On Me“ und George Michaels „Freedom! ’90“. Dazwischen präsentierte Brave zahlreiche Klassiker aus den 50er- bis 90er-Jahren und machte aus dem Konzert eine musikalische Zeitreise.
Besonders stark wurde der Abend, wenn die Band ganz tief in die Rockabilly-Geschichte eintauchte. Rund um ein einziges Mikrofon erinnerte die Formation an die frühen Aufnahmen von Elvis Presley bei Sun Records. „All Shook Up“ und „(Let Me Be Your) Teddy Bear“ sorgten für ausgelassene Stimmung, bevor mit Eddie Cochrans „Summertime Blues“, Jerry Lee Lewis’ „High School Confidential“ und „Buona Sera“ weitere Klassiker folgten.
Doch Dick Brave ist längst nicht nur Sänger. Der 54-Jährige erwies sich einmal mehr als Entertainer mit vollem Körpereinsatz. Besonders spektakulär: ein Handstand auf dem Klavier, bei dem das Publikum endgültig aus dem Häuschen war. Dazu kamen die perfekt eingespielten Musiker, die mit starken Soli immer wieder eigene Akzente setzten.
Zwischen den Songs erzählte Brave seine kuriosen Geschichten aus dem angeblichen Leben des Kanadiers Dick Brave. Genau diese Mischung aus Musik, Comedy und einer gehörigen Portion Selbstironie gehört seit jeher zum Konzept der Kunstfigur – und funktioniert auch nach zwölf Jahren Pause noch erstaunlich gut.
Musikalisch wurde dabei deutlich, warum die Rückkehr überhaupt möglich war. Dick Brave ist keine nostalgische Kopie der eigenen Vergangenheit, sondern hat sein Erfolgsrezept lediglich weiterentwickelt. Das Publikum kennt die Songs, kennt die Figur und weiß trotzdem nie genau, welcher bekannte Hit als Nächstes durch den Rockabilly-Fleischwolf gedreht wird.
Nach rund 95 Minuten verabschiedete sich die Band zunächst von der Bühne. Natürlich war damit noch lange nicht Schluss. Die Fans verlangten lautstark nach mehr und bekamen gleich vier Zugaben. Als schließlich „Walk This Way“ von Run-D.M.C. und Aerosmith erklang, verwandelte sich der Stadtpark noch einmal in eine einzige große Rock-’n’-Roll-Party.
Dick Brave ist zurück – und Hamburg hat ihm einen Empfang bereitet, der kaum besser hätte ausfallen können. Ausverkauft, bestens gelaunt und textsicher feierte der Stadtpark einen Entertainer, dessen Kunstfigur auch nach mehr als zwei Jahrzehnten nichts von ihrer Wirkung verloren hat.
Fotocredit & Review: Sascha Beckmann